Hessheim
Beinahe reingelegt: Ein Senior berichtet von einer merkwürdigen Begegnung
Der Mann aus der Verbandsgemeinde Leiningerland, dem der Betrugsversuch passiert ist, möchte nicht, dass sein Name in der Zeitung steht, nennen wir ihn also Heinz Reuter. Er möchte aber erzählen, wie sich die Geschichte zugetragen hat, damit andere gewarnt werden.
Mitte Juni hat er um die Mittagszeit vor einem Schnellrestaurant in der Heßheimer Hauptstraße auf sein Essen gewartet, als ein Auto anhielt und dessen Fahrer ihn ansprach. „Er war ungefähr Mitte 40, sprach sehr gut Deutsch, hatte aber einen leichten fremdländischen Akzent“, berichtet Reuter. Der Mann sagte, seine Eltern seien mit Reuter bekannt, ob er sich denn nicht erinnere. Durch geschicktes Fragen entlockte er dem 65-Jährigen, dass dieser früher bei der BASF beschäftigt war, also behauptete der Unbekannte, seine Mutter habe doch jahrelang in Reuters Abteilung als Putzkraft gearbeitet. „Und dann sagte er noch, sein Vater besitze in Italien eine Uhrenfabrik, und dass er in Heßheim einem Bekannten etwas bringen wollte, aber der sei nicht zu Hause gewesen.“
Es folgte der hartnäckige Versuch, Reuter auf den Beifahrersitz des Autos zu holen, um angeblich Telefonnummern zu tauschen. „Obwohl mir das alles sehr unglaubwürdig vorkam, habe ich mich doch tatsächlich halb in den Wagen gesetzt“, erzählt der Senior und kann es selbst nicht fassen. „Aber ein Bein war noch draußen, deshalb hat der Mann darauf bestanden, dass ich mich richtig hinsetze und die Autotür zu mache.“ Als Reuter das verweigerte und ausstieg, sei der Unbekannte böse geworden und schließlich davongebraust.
Ein Anruf bei einer Polizeiinspektion in der Region brachte Reuter in der Frage, ob er hier Opfer einer Straftat werden sollte, nicht weiter. „Der Beamte sagte, von so einer Masche habe er noch nie gehört“, berichtet der Rentner. Im Polizeipräsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen kennt man hingegen solche Betrugsanbahnungsversuche sehr gut.
Bekannte Masche
„Die Opfer werden aus dem Auto heraus oder auch direkt auf dem Gehweg angesprochen und man behauptet, sich zu kennen“, berichtet Bastian Hübner von der Pressestelle des Polizeipräsidiums. „Im weiteren Gesprächsverlauf geben die Täter an, dringend Geld zu benötigen, beispielsweise für Sprit, um eine kranke Verwandte zu besuchen.“ Teilweise werde Geld aus dem Geldbeutel der Geschädigten entnommen oder ein Uhrenimitat zu einem viel zu hohen Preis verkauft. Letzteres könnte der Heßheimer Täter vorgehabt haben, denn er erwähnte ja anfangs eine Uhrenproduktion. Anfang Juni wurden zwei alte Männer in Ludwigshafen Opfer einer Vorgehensweise wie beschrieben. Einmal auf der Straße, das andere Mal auf einem Supermarktparkplatz.
Laut Hübner versucht ein Trickdieb bisweilen, unter einem Vorwand in die Wohnung seines potenziellen Opfers zu gelangen und dort in einem unbeobachteten Moment Wertsachen oder Bargeld zu stehlen. „Oftmals richten sich solche Straftaten, ähnlich wie beim Telefonbetrug, gegen ältere Personen“, so Hübner. Auch dafür hat der Beamte ein Beispiel aus Ludwigshafen vom November vergangenen Jahres. Zwei Männer gaben sich gegenüber einem 83-jährigen Fußgänger als dessen als Nachbarn aus baten ihn, Bargeld in seiner Wohnung deponieren zu dürfen, weil sie verreisen müssten. Sie fuhren den Senior nach Hause, wo dieser seine Geldkassette öffnete, um darin den Umschlag der Männer zu verwahren. Am Ende waren nicht nur die Betrüger auf Nimmerwiedersehen verschwunden, sondern auch die Kassette: samt 40.000 Euro Bargeld, einer Bankkarte und einem Zettel mit der PIN für die Karte.
Polizei: Misstrauisch sein
Die Polizei warnt eindringlich vor solchen Begegnungen und rät: „Seien Sie immer misstrauisch, wenn Sie von Fremden angesprochen werden. Verhindern Sie den Zugriff auf Ihre Wertsachen und halten Sie Abstand. Wenn Ihnen eine Situation verdächtig vorkommt oder Sie sich unwohl fühlen, beenden Sie das Gespräch und gehen Sie weg. Lassen Sie niemanden in Ihre Wohnung, wenn Sie von Fremden angesprochen werden oder Fremde bei Ihnen klingeln. Rufen Sie die Polizei unter der 110, wenn Sie bedrängt werden oder sich in einer Gefahr befinden.“
Heinz Reuter, der im Alltag wachsam und nicht leichtgläubig ist, wundert sich, wie sehr ihn der Unbekannte mit Worten bearbeiten und fast dazu bringen konnte, seine Kontaktdaten herauszugeben. Er versteht jetzt, wie Leute, die vielleicht viel älter sind als er, auf Kriminelle hereinfallen. Als er einem Bekannten kürzlich von dem Vorfall in Heßheim erzählte, steuerte der eine ähnliche Geschichte bei. „Sein Opa war draußen von einem Typen angesprochen worden“, gibt Reuter das Gespräch wieder. „Der Mann wollte Gold bei dem Senior deponieren und schaffte es sogar bis in dessen Wohnung.“ Zum Glück sei nichts passiert, denn der Großvater sei wegen des angeblichen Goldes dann doch misstrauisch geworden.
Noch Fragen?
Die Polizei hat im Internet unter www.polizei-beratung.de Informationen zum Thema Trickbetrug und zu den Methoden der Täter zusammengestellt.