Schifferstadt
Beim Tanzen hat es gefunkt: Katharina und Lothar Rau feiern Diamanthochzeit
Kennengelernt haben sich der heute 81-Jährige und seine ein Jahr jüngere Frau an einem Samstagabend im September 1958. Er wohnte in Ludwigshafen, sie in Schifferstadt. „Von dort kam sie mit drei Freundinnen zum Tanz in den Pfalzbau“, erzählt Lothar Rau. „Damals saßen die Jungen und Mädchen noch getrennt voneinander, und wenn der Kapellmeister ein Zeichen gab, sind alle Buben losgestürmt, um ein Mädchen zu ergattern.“ Wobei der Jubilar an jenem Abend schon nur noch Augen für eine ganz bestimmte junge Dame hatte und diese zielstrebig ansteuerte.
„Er hat mich beim Reinkommen entdeckt. Ich habe ihn angeschaut, er hat mich angeschaut, und dann war’s okay“, beschreibt Katharina Rau den magisch-romantischen Moment, als Amors Pfeil sie beide im selben Augenblick traf. Liebe auf den ersten Blick also? „Ja!“, sagt sie und lässt keinen Zweifel. Er lächelt und ergänzt: „Sie hat sich den schlechtesten Tänzer ausgesucht.“ Nun lächelt sie ihren Mann an und sagt: „Das hat mich nicht gestört.“
Die Braut macht den Salat an
Nach der wegweisenden Begegnung habe der 1,5-Jahre-Rhythmus ihr Leben geprägt: Hochzeit am 24. Juni 1960, eineinhalb Jahre später die Geburt der Tochter und noch mal eineinhalb Jahre danach die Geburt des Sohnes. An die Trauung erinnern sich die Raus ebenfalls noch lebhaft: „Zunächst beim Standesamt, am nächsten Tag in der St.-Laurentiuskirche hier in Schifferstadt.“ Gefeiert haben sie im engsten Familienkreis – einschließlich seiner acht und ihrer sieben Geschwister. Damals habe jeder mitgeholfen, auch die Braut. „Katharina hat im weißen Kleid Salat angemacht“, verrät ihr Gatte.
Beruflich war Lothar Rau als Metallfacharbeiter, selbstständiger Nahverkehrsunternehmer und zuletzt 20 Jahre als Klärfacharbeiter bei der Stadt Schifferstadt tätig, seine Frau als zahnärztliche Assistentin. Für 13 Jahre hat das Duo zudem den Winterdienst für die Stadt versehen. „Da bin ich um 3 Uhr morgens aufgestanden, und meine Frau war immer dabei“, erzählt Lothar Rau. Das seien damals noch richtige Winter gewesen, mit viel Schnee und bis minus 15 Grad.
Der Sohn lebt in Brasilien, die Tochter in Düsseldorf
Anfangs lebte die junge Familie in einem Siedlungshaus mit zwei Zimmern, die lediglich ein Vorhang trennte, die schiefe Wände hatten, und wo es kein fließendes Wasser gab sowie nur ein Plumpsklo im Garten. „Und die Heizung war der Herd“, erzählen sie. Das erklärt, weshalb sie den Einzug in ihr selbstgebautes Haus 1971 als einen der schönsten gemeinsamen Momente empfinden. Daneben gehen die Raus gerne wandern – seit mehr als 20 Jahren einmal im Jahr in Südtirol. Als Grundlage ihres 60 Jahre währenden Eheglücks nennen Lothar und Katharina Rau drei Dinge: Vertrauen, Respekt und Liebe. „Wir haben uns immer gut verstanden.“
Bisher hat das Paar besondere Ehejubiläen stets in der Kirche gefeiert und mit der Familie, zu der mittlerweile auch zwei Enkel gehören. Das sei jedoch wegen der Corona-Pandemie dieses Jahr alles nicht möglich. „Wegen dem blöden Virus ist alles abgesagt und unser Sohn, der in Brasilien lebt, kann auch nicht kommen. Also müssen wir dieses Mal alleine feiern“, erzählen sie. Dafür komme jedoch zumindest ihre Tochter aus Düsseldorf einige Tage später und fahre mit ihnen nach Südtirol. Darauf freuen sich die Raus schon. „Wir sind einfach dankbar, dass es uns gut geht und für jeden Tag, den wir miteinander verbringen dürfen.“ So ist ihr einziger Wunsch zum Jubiläum denn auch, „dass uns noch einige Jahre miteinander vergönnt sind und wir gesund bleiben“.