Waldsee
Beim Fasnachtsumzug nach drei Jahren alles rausgelassen [mit Video]
Irgendwie hat die Ruhepause den Mitwirkenden gut getan. Denkt man an die Umzüge in der Vergangenheit, kommen durchaus Bilder gut gelaunter Menschen in kunterbunten Faschingsoutfits in den Kopf, die gemeinsam der Freude am Freiluftfeiern frönen und sich als Protagonisten allerhand Gedanken machten, wie sie die Erwartungsfreudigen am Straßenrand begeistern können. Das war diesmal nicht anders. Aber: Erleichterung schwang mit, Dankbarkeit und höchste Motivation. Sämtliche Kraftreserven, die in den vergangenen zwei Jahren ohne Umzug aufgespart werden mussten, wurden am Dienstag rausgelassen.
Das ergab einen Lindwurm von 60 Nummern Länge, der wiederum ein rundes Bild abgab. Mit dem Karnevalverein Uno begann der Zug, mit der Uno endete er. Dazwischen: Ein Großaufgebot an fasnachtlichem Jubel gepaart mit eindrucksvollen Wagen – teilweise mit meterhohem Aufbau –, bemerkenswert kreativen Kostümen und schlagfertigen Slogans zu aktuellen weltpolitischen und lokalen Geschehnissen.
ASV wieder dabei
Während die TG 1 ihren Abschied vom Umzug feierte und ankündigte, sich ihrem Heim im Wald als Ziel widmen zu wollen, kehrte der ASV auf die närrische Bühne zurück. „Wir sind einige Jahre lang nicht mitgelaufen, aber als örtlicher Verein gehört sich das. Wir möchten unterstützen und uns präsentieren“, erklärte Alex Krieger im Gespräch mit der RHEINPFALZ. 30 Aktive der Grün-Weißen marschierte mit.
Statt Schläuchen nahmen die Feuerwehrmänner diesmal Paddel in die Hand, um als Gondoliere über die Schlicht zu schippern. „Wir haben uns vor drei Wochen zum ersten Mal getroffen“, verriet Uwe Regenauer über die Vorbereitungszeit der hübschen Boote, die die elf Herren um die Hüften geschnallt hatten.
Egal ob die Walsemer Hämmel und die Dappdrei, die Funky Diamonds und X-treme, die örtlichen Männergesangvereine Eintracht und Concordia, die Panzerknacker des Havanna Clubs, Pferdemenschen, Schlenkerbää und Stolwerschlabbe, die TG-Turnfrauen oder die TG-Handballjugend – Waldsee zeigte sich facettenreich.
Die TG-Schwänzeldänzer huldigten der amtierenden Fasnachtsprinzessin Eva I. mit einer eiskristallbedeckten Skipiste samt Schneemaschine als Höhepunkt. Bei strahlendem Sonnenschein glitzerten die tanzenden Schneeflocken mit den Augen einer strahlenden Lieblichkeit hoch oben auf dem Rosenwagen der Prinzessin um die Wette.
In jeweils großen Abordnungen dabei: die KG Wasserhinkle aus Altrip mit Tollität Laura I. und der KC Otterstadt mit Jubiläumsprinzessin Miriam I.. Die KG Bellheim und der KV Neustadt gliederten sich ebenso ein wie die KG Schlotte aus Schifferstadt sowie die Rheinfunken und die SKG aus Speyer. Der Waldseer Bürgerbus machte auf sich aufmerksam, und vor den Bargemer Krappen – der Hexenzunft aus dem Kraichgau mit der weitesten Anreise – war fliehen sinnlos. Mit ihrem Fischernetz fingen sie mehr als einen Feierfreudigen ein.
Die Pierrots der Verbandsgemeinde Rheinauen mit Bürgermeister Patrick Fassott an der Spitze proklamierten selbstbewusst: „Er lacht, auch wenn’s zum Weinen ist, ist stets lustig anzuschau’n. Drum braucht’s bei dem Behördenmist auch immer den Verwaltungsclown.“ Landrat Clemens Körner stellte sich dem Thema Hackerangriff und saß persönlich am Steuer des Traktors, der einen Hänger mit einer Festung zog. Inmitten dieser: Körner in der Ritterrüstung. Hacke jetzt, wer wolle.
Landrat verteilt Bares
„Ich werfe das Geld zum Fenster raus“, scherzte Körner und drückte im Vorüberfahren goldene 50-Cent-Münzen in die Hand. Daran hatten die Schleckermäulchen eine Weile, denn das Karamell lag lange auf der Zunge. „Im Falle eines Falles klebt Uhu wirklich alles“, lautete ein humoristischer Kommentar zu den Kleberattacken auf einem weiteren Uno-Motivwagen.
Von der Purzelgarde bis zu den Närrischen Reblais und dem Elferrat trumpfte der Verein ohnehin mit allem auf, was er zu bieten hat. Die Prinzessinnenfamilie gestaltete sogar einen eigenen Wagen, von dem aus Pralinen der Tollitätenmutter Katja Göde gereicht wurden. Was auf die Ohren gab’s vom TG Spielmannszug und von den Waldsemer Gasserasslern.
„Ich freue mich riesig, die letzten Stunden der Kampagne heute hier zu genießen“, sagte Eva I.. Lob gab’s von Ortsbürgermeisterin Claudia Klein: „Die Uno hat sich im Sommer schon beim Ordnungsamt wegen der Sicherheitsauflagen gemeldet.“