Rhein-Pfalz Kreis Bei Tauschgeschäft das Leben verloren

Dieses Kreuz im von Heyl’schen Wäldchen erinnert an den dortigen schweren Bombenangriff am 7. Januar 1944.
Dieses Kreuz im von Heyl’schen Wäldchen erinnert an den dortigen schweren Bombenangriff am 7. Januar 1944.

Heute vor 75 Jahren, am 7. Januar 1944, kostete ein alliierter Bombenangriff in der Gemarkung Bobenheim drei Zivilisten das Leben. Am Ort des entsetzlichen Ereignisses auf dem Areal des Landguts Nonnenhof hat die Familie von Heyl als Gutseigentümer drei Jahre später ein großes Gedenkkreuz errichten lassen.

Schon in den 1920er-Jahren wurden ungeachtet der völkerrechtlichen Vertragssituation insbesondere in Großbritannien Überlegungen angestellt, den nächsten Krieg durch gezieltes Bombardement der gegnerischen Zivilbevölkerung abzukürzen. Der britische Historiker Richard J. Overy, der eine Professur an der Universität Exeter innehat, beschreibt die Zusammenhänge in seinem vor vier Jahren auch in deutscher Sprache erschienenen Grundlagenwerk „Der Bombenkrieg. Europa 1939-1945“. Als Vergeltung für erste derartige Abwürfe über Reichsgebiet flogen die Deutschen ab Sommer 1940 strategische Bombenangriffe gegen englische Städte. Doch Hitlers Luftwaffe, lediglich als „fliegende Artillerie“ konzipiert, war damit trotz aller Zerstörungen nicht annähernd so „erfolgreich“ wie die Angloamerikaner wenige Jahre später gegen deutsche Städte. Als die Westalliierten die Lufthoheit über dem Reich errungen hatten, wurden mehr und mehr auch Dörfer und schließlich sogar Fußgänger Opfer feindlicher Flugzeuge. Trotz der Lage zwischen größeren Industriestädten kam Bobenheim-Roxheim letztlich glimpflich davon. An jenem Tag aber schlug eine Hunderte von Kilogramm schwere Sprengbombe, eine sogenannte Luftmine, an der Nordostecke des zum Nonnenhof gehörenden Weißdorn-Wäldchens ein. Die Zerstörungskraft eines solchen Sprengkörpers bestand in erster Linie aus einer in weitem Umkreis alles zerfetzenden Druckwelle. Eben diese Stelle war damals ein beliebter Treffpunkt für Tauschgeschäfte. Erwachsene wie Jugendliche, auch ausländische Arbeitskräfte, die mehr oder weniger „freiwillig“ in Fabriken oder auf Bauernhöfen tätig waren, nahmen daran teil. Drei Männer hätten nie geahnt, dass ihr Leben an diesem Tag enden würde. Zu ihnen gehörten der 42-jährige Ludwig Orniacki und der 60-jährige Joseph Solecki. Da sie Polen waren, wird das „c“ in ihren Familiennamen wie das deutsche „z“ gesprochen. Der 54-jährige Bobenheimer Georg Friedrich Voll war das dritte Todesopfer. Auch der damals zwölfjährige Roxheimer Hans Graber war dabei, um Zwiebeln gegen Schokolade zu tauschen. Er erinnert sich, dass er einfach nicht begreifen konnte, wie ein Mensch, der Schokolade besitzt, sich auf ein derartiges Geschäft einlassen kann. Graber ging aber früher weg und war bereits wieder zu Hause, als die Bombe fiel. Georg Friedrich Voll wurde in Bobenheim beerdigt. Die beiden polnischen Staatsangehörigen, die ja zu jenen Menschen gezählt hatten, deren Befreiung die Westalliierten eigentlich anstrebten, sind später in ihre Heimat umgebettet worden. Es ist das Verdienst der Familie von Heyl, seit 1974 mit einem großen Gedenkkreuz die Erinnerung an diese menschliche Tragödie wachzuhalten. So ist diese Stätte etwa für Hans Graber (87) und seine Familie bis heute ein ganz besonderer Erinnerungsort.

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