Otterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Bei Pfadfindern fürs Leben gelernt

Inmitten einer Gruppe der Otterstadter Pfadfinder: Timm Hornig (Zweiter von rechts).
Inmitten einer Gruppe der Otterstadter Pfadfinder: Timm Hornig (Zweiter von rechts).

Warum engagieren sich junge Menschen in Gruppen und Vereinen? Timm Hornig hat darauf eine Antwort gefunden. Der 29-Jährige ist seit 24 Jahren bei den Otterstadter Pfadfindern aktiv. Sie feiern demnächst ein Jubiläum.

Der Stamm Otterstadt der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) hat nach Angaben von Timm Hornig zwischen 200 und 300 Mitglieder und ist damit einer der größten Vereine in der Altrheingemeinde. „Jeder ist dabei. Daher ist nicht die Frage, wieso man bei den Pfadfindern ist, sondern wer bleibt“, sagt der 29-Jährige, der seit fünf Jahren als stellvertretender Vorsitzender neben Florian Schmitt und Michael Böhm dem Vorstand angehört. Hornig kam als Fünfjähriger zu der Jugendorganisation. „Sie hat mir einen Raum geboten, um Menschen zu treffen“, sagt der Otterstadter. Als er und seine Alterskameraden auf weiterführende Schulen gingen und sie sich nicht mehr täglich sahen, bot das Pfadfinderheim am Zimmerplatz einen zentralen Ort, um zusammenzukommen.

Der Otterstadter Pfadfinderstamm ist nach dem Bobenheim-Roxheimer der größte in der Region. Er besteht seit 70 Jahren und feiert am 1. Mai sein Jubiläumsstammesfest. Ein Großteil der Mitglieder kommt aus Otterstadt und Waldsee, es sind aber auch Personen aus Dannstadt-Schauernheim, Schifferstadt, Limburgerhof und Speyer dabei. Konfession und Religion spielen laut Timm Hornig keine Rolle – Tradition sei nur einmal im Jahr ein Gottesdienst beim Pfingstlager. Die Kinder und Jugendlichen ab fünf Jahren sind in sechs Gruppen organisiert – von den Wölflingen über die Jungpfadfinder bis hin zu den Pfadfindern und den Rovern. Im Vordergrund steht das Motto: „Lernen durch Handeln“. Es geht unter anderem um Erste Hilfe, Orientierung, Spuren lesen, Feuer machen und Knoten knüpfen. Bei all dem wird die Gemeinschaft groß geschrieben.

Erlebnisse ohne Eltern

Die Pfadfinder seien für ihn ein beeindruckender Zusammenhalt und ein Aktivitätsangebot außerhalb von Sportvereinen, beschreibt Timm Hornig. Er ist nicht nur im Vorstand, sondern auch als Gruppenleiter aktiv. „Mir ist wichtig, dass ich das, was ich hatte, auch den Kindern heute bieten kann“, begründet der 29-Jährige sein Engagement. Das bedeutet, dass er und seine Gruppenleiterkollegen den Jüngeren mit den Pfadfindern nicht nur einen Treffpunkt schaffen, sondern auch Fahrten organisieren, bei denen die Kinder ohne Eltern zusammensein können.

„Es ist ein Erlebnis, wenn sie machen können, was sie wollen“, sagt Timm Hornig und erinnert sich an mehrtägige Ausflüge an Pfingsten, im Sommer und im Herbst, bei denen Abende am Lagerfeuer und gemeinsame Nächte im Zelt eine Rolle spielten und es zu manch kurioser Situation kam. „Es sind meistens ungeplante Ereignisse, über die man die ganze Woche noch lacht“, sagt der Pfadfinder-Gruppenleiter. Ihm kommt zum Beispiel ins Gedächtnis, wie ein Kamerad den nagelneuen Pfadfinder-Bus mit falschem Benzin betankte oder die Gruppe zu einer Schlossbesichtigung aufbrach und der Gruppenleiter den Kindern erst einmal nur das Türschloss der Burg zeigte.

Es ist also immer etwas los bei den Pfadfindern, sodass Mobiltelefone keine große Rolle spielen. Gut so, denn bei den Kleinen gehe es auch darum, sie vom Handy wegzubringen, sagt Timm Hornig. Das gelingt mit Schnitzeljagden oder kleinen Abenteuern, wie die Fahne von einem anderen Pfadfinderstamm auf dem Zeltplatz zu ergattern. „Es gibt für Kinder nichts Aufregenderes, als mit dem Kumpel auf der Lauer im Gebüsch zu sitzen“, berichtet der stellvertretende Vorsitzende.

Andere Pfadfinder wie Ayleen Otte (13) und Nele Seelinger (14) schwärmen ebenfalls vom Zusammenhalt der Gruppe, den Fahrten und dem dabei Erlebten – vom Essen bis hin zum Baumstammwerfen. Der 17-Jährige Nico Buchner will daher Gruppenleiter werden. Der Nachwuchs für die Führungsriege steht also schon in den Startlöchern.

Für Timm Hornig sind die Pfadfinder zu einer zweiten Familie geworden. Der gelernte Anlagenmechaniker, dessen Brüder ebenfalls der Jugendorganisation angehören, hat dort fürs Leben gelernt. Neben den praktischen Fähigkeiten hat er Menschen getroffen, die ihm auch in privaten Angelegenheiten helfen und einen Rückhalt bieten. „Ich kann mir ein Leben ohne die Pfadfinder nicht mehr vorstellen“, sagt der 29-jährige Otterstadter.

Termin & Kontakt

  • Die Pfadfinder Otterstadt laden für Montag, 1. Mai, ab 10 Uhr zum Jubiläumsfest am Pfadfinderheim, Am Zimmerplatz, ein. Neben Speisen und Getränken gibt es ein Programm für Kinder mit Schnitzeljagd und Spielestationen sowie eine Bildershow mit Eindrücken aus den vergangenen 70 Jahren.
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