Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bahnhofskioskbetreiber hoffen auf Wiedereröffnung

„Wir sind bald wieder für euch da“, versprechen Janine und Sascha Wiedemann. Vermutlich wird das am 14. Juni sein.
»Wir sind bald wieder für euch da«, versprechen Janine und Sascha Wiedemann. Vermutlich wird das am 14. Juni sein.

Seit Monaten ist der Kiosk am Bobenheim-Roxheimer Bahnhof zu. Die Pächter Sascha und Janine Wiedemann bekennen ganz offen: „Wir fühlten uns zuletzt oft hilflos und wussten nicht weiter.“ Das junge Paar hat drei Kinder und betreibt neben dem Kiosk noch einen Kurierdienst.

Für die Wiedemanns ist es nicht leicht, über die Runden zu kommen. „Da der Bahnhofskiosk keinen bestuhlten Außenbereich hat und der Verkaufsraum überschaubar klein ist, zählen wir wohl zu der Gruppe, die zu allerletzt wieder öffnen darf“, glaubt Sascha Wiedemann. Entsprechende Corona-Inzidenzwerte vorausgesetzt. Wiedemann ist realistisch: „Wenn alles gut geht, hoffen wir auf einen Neustart im Juni.“

Dabei fing alles gut an. Janine und Sascha Wiedemann übernahmen den Bahnhofskiosk im Februar 2020, der Start war vielversprechend. Nur der Freitag habe „geschwächelt“. Anfänglich war von 6 bis 17 Uhr geöffnet, dann änderte das Paar die Öffnungszeiten auf 7 bis 16 Uhr. Mitte März, nach gerade mal fünf Wochen, kam der erste Corona-Lockdown, der Kiosk musste bis zum Spätsommer schließen. Zu Winterbeginn folgte die erneute Schließung wegen der Pandemie. Sascha Wiedemann sagt: „Beide Male haben wir Lebensmittel und Waren für rund 1000 Euro verschenkt.“

Treuste Kunden sind die Realschüler

Viele Kioskkunden, meist Pendler, die die Bahn benutzen, loben die Wiedemanns als freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit. Zu den besten und treuesten Kunden zählten bisher die Schüler der örtlichen Realschule plus. Sascha und Janine Wiedemann kennen sie fast alle mit Vornamen. „Viele haben uns im Kiosk ihr Herz ausgeschüttet und uns von ihren Problemen erzählt.“ Oft sei es dabei um Mobbing gegangen. Das Angebot im Kiosk habe man auf die Bedürfnisse der Schüler abgestimmt. Dazu zählten belegte Brötchen und ein Tagesessen.

Bevor sie den Bahnhofskiosk pachteten, hatten sich die Wiedemanns professionell beraten lassen, denn der Sprung in die Selbstständigkeit sollte kein Sprung ins kalte Wasser werden. An eine Pandemie dachte damals niemand. Zwar habe die Gemeinde als Kioskbesitzer ihnen die Pacht einstweilen gestundet, doch Sascha Wiedemann macht sich nichts vor: Wenn diese Beträge plus laufender Pacht nachzuzahlen sind, werde es äußerst schwierig, denn so viel werfe der Laden nun auch nicht ab. „Aber wir wollen es noch ein letztes Mal wagen“, sagt er und plant die Wiedereröffnung für den 14. Juni ein, wenn Rheinland-Pfalz wieder zum Präsenzunterricht an den Schulen übergeht.

Auf die Schüler werde man sich wohl auch weiterhin verlassen können. Etwas Kummer bereiten Wiedemann die Bahnpendler. Viele hätten sich für 2021 keine Jahresfahrkarte gekauft und seien wieder aufs Auto umgestiegen, viele arbeiteten weiter im Homeoffice. Sollte dieser wiederholte Neustart mit vermindertem Kundenaufkommen schiefgehen, hofft Sascha Wiedemann nur noch auf das eine: „Dann wollen wir ohne Schulden hier rausgehen.“

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