Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgermeisterwahlkampf: Grüne kritisieren Flächenverbrauch

Vortrag am Altrhein: Armin Grau referiert über das Thema Flächenverbrauch. Neben ihm warten Nicole Born (rechts) und Lea Heidbre
Vortrag am Altrhein: Armin Grau referiert über das Thema Flächenverbrauch. Neben ihm warten Nicole Born (rechts) und Lea Heidbreder auf ihr Stichwort.

Der analoge Bürgermeisterwahlkampf 2021 findet größtenteils im Freien statt – vor allem wegen der Pandemie. Die Grünen laden zu Radtouren und Spaziergängen ein, oder wie am Freitag zu einem Picknick mit Kundgebungen am Altrhein.

Nicole Born und Lea Heidbreder blicken kurz vor 18 Uhr ängstlich zum bewölkten Himmel. Die Bürgermeisterkandidatin aus Bobenheim-Roxheim und die Landtagsabgeordnete aus Landau befürchten, dass es gleich regnet, niemand zu der Veranstaltung kommt und sie auf den leckeren Häppchen sitzenbleiben. Dabei möchten sie doch so gern gemeinsam mit dem grünen Bundestagskandidaten Armin Grau aus Altrip über den Flächenfraß in Deutschland sprechen.

Die Sorge der beiden Frauen ist unbegründet. Es regnet nicht, und am Ende sind es rund 30 Personen, die es sich auf der Wiese am Altrhein nahe dem Gondelfestplatz gemütlich gemacht haben und zuhören. Man ahnt es angesichts der vielen Fahrräder und Fahrradanhänger: Hier treffen vorwiegend Bekannte und Gleichgesinnte aufeinander. Menschen, die über den Plan, die Äcker zwischen Globus und dem Feldweg nach Großniedesheim zum Wohngebiet zu machen, entsetzt sind.

Armin Grau nennt Zahlen, die den deutschen Hunger nach Bauland in ein schlechtes Licht rücken. Zum Beispiel, dass in Deutschland die Wohnfläche pro Kopf luxuriöse 40 Quadratmeter betrage oder im Rhein-Pfalz-Kreis die Wohnform Einfamilienhaus mit 70 Prozent die dominierende sei. Worauf er hinaus will: Je mehr landwirtschaftliche Flächen, Wiesen und Bäume weiterhin zugunsten von Wohnraum aufgegeben werden, desto schlimmer die Folgen des Klimawandels.

Umweltpsychologin Lea Heidbreder berichtet aus der südpfälzischen Kommunalpolitik und wie es den Grünen und engagierten Bürgern gelungen sei, die Landauer Pläne für die Wohnbauentwicklung drastisch abzuspecken. Damit ist der Bogen zu Bobenheim-Roxheim gespannt: Der für den Ort prognostizierte Bedarf rechtfertige kein 17 Hektar großes Neubaugebiet. Dem stimmt Nicole Born natürlich zu, denn die örtlichen Grünen hoffen, dass die Einwohner beim Bürgerentscheid am 26. September mehrheitlich Nein zu dem Projekt sagen. Deshalb auch der am Freitag beim Picknick deutliche Schulterschluss mit der Bürgerinitiative „Lebenswertes Bobenheim-Roxheim“. „Das ist Bürgerengagement vom Feinsten“, sagt Born. Deshalb ärgere es sie, wenn andere das verächtlich machten.

Michael Ries und seine Frau gehören nicht zu den Aktivisten. „Wir sind hier, weil uns das Thema interessiert und wir gegen das Baugebiet sind.“ Das Paar wohnt in Globus-Nähe und findet, es sollten zuerst andere Lösungen gesucht werden, den Wohnraumbedarf zu decken, etwa mittels Leerstandsmanagement. Michael Ries sagt, er rede recht häufig mit anderen Dorfbewohnern über das Thema. Er erwartet beim Bürgerentscheid ein ganz knappes Ergebnis.

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