Bobenheim-Roxheim
Bürgermeisterwahl: Nicole Born wirft für die Grünen den Hut in den Ring
Der kleine Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen hatte im Oktober 2020 erklärt, diesmal keinen Kandidaten aufzustellen. Vor etwa vier Wochen hieß es dann plötzlich: Nicole Born wird Amtsinhaber Michael Müller (SPD) herausfordern – was bei jetzt drei Bewerbern bedeuten kann, dass am 26. September keiner die Mehrheit hat und am 10. Oktober eine Stichwahl stattfindet.
Nicole Born sagt, der Ortsverband habe mit Beginn des Wahlkampfs gemerkt, „dass unsere Themen nicht mehr gesehen werden“. Sowohl Müller als auch schließlich Christian Reber (CDU), dessen Fraktion mit den Grünen und der FWG 2019 eine Koalition eingegangen war, verfolgten Ziele, die denen der örtlichen Grünen entgegenstünden. Gemeint ist hauptsächlich das neue große Baugebiet, das Müller und Reber wollen, die Grünen aber nicht.
Ziel: Radverkehr ähnlich wie im Münsterland
Vor allem glaubt Born, dass keine der anderen drei Gemeinderatsfraktionen das Thema Mobilitätswende wirklich ernst nimmt. Das aber ist der 50 Jahre alten Viel-Fahrradfahrerin persönlich sehr wichtig. Sie will ein „Umdenken in den Köpfen“ weg von der Priorität des Autoverkehrs hin zum Vorrang des Radverkehrs, ähnlich wie in Dänemark oder im Münsterland, wo sie aufgewachsen ist, nachdem sie im Alter von zehn Jahren aus Langenfeld im Rheinland wegzog.
Born ist überzeugt, dass sich die Idee der Fahrradstraße „super gut in Bobenheim-Roxheim umsetzen ließe“. Nur auf „Park and Ride“ und den S-Bahn-Anschluss zu setzen, ist ihr zu wenig. „Bahn- und Busverbindungen müssen besser vernetzt werden, und wir müssen es unter anderem mit der sicheren Unterbringung von Fahrrädern attraktiver machen, mit dem Rad statt dem Auto zum Bahnhof zu fahren.“
Bei der Mobilitätswende geht es den Grünen um den Klimaschutz. Die große Altrheingemeinde CO2-neutral zu machen, sei das Ziel. „Und das sollten wir lieber erst mal für unseren Bestand hinkriegen, statt dass sich das Verwaltungspersonal auf die Umsetzung eines neuen Baugebiets konzentrieren muss“, lautet die Forderung der Kommunalpolitikerin, die erst Ende 2019 zur grünen Partei gestoßen ist, weil sie sich „ehrenamtlich in etwas einbringen wollte, das zu mir passt“.
Als Umweltbeauftragte schon Ideen umgesetzt
Im Herbst 2020 wurde Born Umweltbeauftragte der Gemeinde. Seitdem fragt sie sich: „Was kann man vor Ort für Natur- und Klimaschutz tun?“ Einige Ideen hat sie schon umgesetzt oder ans Laufen gebracht. Die Aktion gegen Schottergärten zum Beispiel und die mit dem Sammeln von Streumüll kombinierten Umweltspaziergänge. Ansonsten will die verheiratete Mutter zweier Teenager in ihrer Rolle als Umweltbeauftragte vor allem Bürgeranfragen nachgehen. Die meisten davon beträfen Fluglärm, Biodiversität und Umweltverschmutzung. Born spürt in jungen Familien einen Leidensdruck und würde sich als Dorfoberhaupt für neue Wege bei der Schaffung von Betreuungsplätzen einsetzen. Ein Stichwort lautet: Naturkindergarten.
In der Freizeit interessiert sich Nicole Born neben dem Radfahren vor allem fürs Wandern und das Lesen von historischen Romanen und Krimis. Ungewöhnlich ist ihre berufliche Situation, denn die gelernte Zahnarzthelferin und Bankbetriebswirtin ist, seit sie 2008 mit ihrem Mann nach Bobenheim-Roxheim zog, im Homeoffice. Die VR-Bank Westmünsterland, für die Born als Vertriebsassistentin des Marktbereichsleiters arbeitet, hat ihr nach dem Wohnortwechsel einen Heimarbeitsplatz bewilligt. Vor Corona fuhr sie noch alle zwei Wochen mit dem Zug zum Sitz der Bank in Coesfeld, im Moment arbeitet sie nur daheim.
Respekt vor der Personalverantwortung
Das Metier zu wechseln und hauptamtlich Bürgermeisterin zu sein, damit ist es Nicole Born ernst, auch wenn sie vor der verwaltungsrechtlichen Seite und der Personalverantwortung großen Respekt habe. Aber ihre Stärke sei es, hartnäckig ihre Ziele zu verfolgen und bei Rückschlägen einen neuen Anlauf zu nehmen. „Ich traue mir das Amt auf jeden Fall zu“, sagt sie.
Die Bobenheim-Roxheimer müssten dann damit rechnen, dass Born ihnen etwas abverlangt. Denn was sie beobachtet hat und gar nicht mag, ist die Erwartung mancher Bürger, dass grundsätzlich die Verwaltung zuständig sei. „Wenn jemand immer nur sagt, was die Gemeinde alles machen soll, aber selbst nicht mal mithilft, finde ich das sehr schade.“ Die Kandidatin hat vielmehr die Vision, dass viele gemeinsam in eine Richtung gehen, sich vernetzen und miteinander, nicht gegeneinander den Ort gestalten.