Rhein-Pfalz Kreis Bürger fragen, Kern antwortet

91-80866375.jpg

Limburgerhof. Die Baupläne für das ehemalige Jugenddorf sollten eigentlich nicht im öffentlichen Teil der Ratssitzung am Dienstag besprochen werden. Dann hat das Thema aber doch viel Raum eingenommen. Der Grund: Anwohner des Gebiets sind mit den Entwürfen nicht einverstanden. Sie gründeten die Bürgerinitiative „Sanierung Jugenddorf Limburgerhof – aber richtig“. Ihren Fragen und Einwänden wollte sich Bürgermeister Peter Kern (SPD) stellen. Dazu nutzte er die Einwohnerfragestunde.

Das vor 60 Jahren errichtete Jugenddorf hat seine ursprüngliche Bestimmung längst verloren: Auszubildende der BASF zu beherbergen. Es soll deshalb in mehreren Abschnitten umgewidmet, sprich: anderweitig genutzt werden. Dazu wurden bereits bestehende Immobilien zu Wohnhäusern umgebaut. Die Gemeinde hat ehemalige Verwaltungsgebäude erworben und darin unter anderem die Kindertagesstätte „Haus des Kindes“ untergebracht. Des Weiteren entstanden auf diesem Gelände schmucke Einfamilienhäuser. Nun sollen auf Initiative der „BASF Wohnen und Bauen“ die übrigen Baulücken geschlossen werden, gleichzeitig ist geplant, bestehende Altbauten von Grund auf zu sanieren. Das bedeutet, dass drei neue Wohnblocks entstehen sollen, während ein vorhandenes Wohnhaus ähnlicher Größe abgerissen wird. Außerdem sollen Bauten des alten Bestands aufgewertet werden, etwa durch den Außenanbau von Fahrstühlen. Sollte der Planentwurf so umgesetzt werden, könnten bis zu 150 neue Wohnungen entstehen. Über dieses Vorhaben freut sich die Gemeinde, denn das Angebot verfügbarer Wohnungen in Limburgerhof ist knapp. Vor allem altersgerechte Wohnungen fehlten. „Diese Fortentwicklung bedeutet für die Kommune eine Ergänzung und eine Aufwertung“, sagte der Bürgermeister. Das sehen die Akteure der neu gegründeten Bürgerinitiative völlig anders. Sie bemängeln vor allem den ihrer Ansicht nach unzureichenden Dialog zwischen Bürgern und Gemeinde. Antworten auf die dringlichsten Fragen gab deshalb Kern zu Beginn der Gemeinderatssitzung. Die Bürgerinitiative spricht von einer „massiven Nachverdichtung“ des Wohngebiets und befürchtet eine Verschlechterung der Lebensqualität. „Wenn die Pläne umgesetzt werden, wird die Summe der Wohnfläche nahezu verdreifacht, und das hat weitreichende Folgen für das Umfeld“, unterstrich einer der Sprecher der Bürgerinitiative, Thomas Baiter, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Er bezweifelt beispielsweise den reibungslosen Verkehrsfluss in der Carl-Bosch-Straße, wo jetzt schon zu wenig Parkraum vorhanden sei. Ob das wirklich so ist, will die Gemeinde prüfen lassen. Kern versicherte, dass ein Verkehrsgutachten erstellt werde, bei dem mögliche Auswirkungen ermittelt und Lösungsvorschläge gemacht werden. Das Verkehrsproblem scheint allerdings nicht das dringlichste Anliegen der Bürgerinitiative zu sein. Sie stört vor allem die geplante bis zu viergeschossige Bauhöhe. Der Bürgermeister relativierte diese Angaben: Die neuen Wohnblocks am Rand der Straße sollen elf Meter hoch werden und damit nur gut einen Meter höher als bestehende Häuser. Eine Ausnahme gebe es, gab Kern zu. Im Innenbereich würden zur Aufwertung schmale Anbauten für Fahrstühle angegliedert, und die seien etwas höher. Baiter will das nicht recht glauben. „Zwei Gebäude sollen mit drei Vollgeschossen und einem sogenannten Staffelgeschoss gebaut werden. Das ergibt eine Höhe von 14 Metern“, rechnete der BI-Sprecher vor. Er monierte außerdem, dass die Jugenddorfbewohner über die bevorstehenden Veränderungen zwar von „BASF Bauen und Wohnen“ informiert wurden, nicht jedoch von der Gemeinde. Stattdessen habe die Verwaltung ein beschleunigtes Planverfahren gewählt, ohne dies mit den Bürgern abzustimmen. Dieses Verfahren sei das übliche Prozedere und entspreche den Vorgaben des neuen Baugesetzbuchs, entgegnete Kern. Nach Bekanntgabe des Vorhabens im Amtsblatt habe Gelegenheit zur Einsichtnahme des Bebauungsplans und zur Stellungnahme bestanden. Davon hätten auch 18 Bürger und sieben Träger öffentlicher Belange Gebrauch gemacht. „Dabei werden Anregungen und Vorschläge gewichtet, dem bisherigen Planungsergebnis gegenübergestellt und abgewogen,“ erklärte Kern. Infolge der Kritik und Anregungen würden außerdem Gutachten und weitere Untersuchungen – auch was umweltrechtliche Belange angehe – in Auftrag gegeben, informierte der Bürgermeister. Auch über den alten Baumbestand werde verhandelt. Alle Ergebnisse fließen Kern zufolge in die Abwägungen mit ein. „Aus heutiger Sicht sind dafür mehrere Monate notwendig. Daraus ergibt sich, dass frühestens im Herbst mit einem Satzungsbeschluss zu rechnen ist.“ Damit sei das Verfahren auch entschleunigt worden. Das jedoch genügt den Sprechern der Bürgerinitiative nicht. „Wir wünschen uns eine Ortsbegehung mit Gemeindevertretern und eine Bürgerversammlung, in der wir unsere Interessen vorbringen können“, forderte Jan Vonhöhe.

x