Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Auszeichnung für Verpflegung in der Kita Regenbogen: Linsengemüse für die Kochprofis

Profikoch Jürgen Hühner (links) gibt in der Profiküche der Kita Löwenzahn Tipps fürs Kochen.
Profikoch Jürgen Hühner (links) gibt in der Profiküche der Kita Löwenzahn Tipps fürs Kochen.

Während in einigen Kindergärten und Schulen mit Ganztagsverpflegung das tägliche Essensangebot zunehmend zur Herausforderung wird, scheint dies in der Bobenheimer Kindertagesstätte Regenbogen hervorragend zu klappen. Jetzt ist die Einrichtung für ihr tolles Essensangebot sogar mit einem ersten Preis ausgezeichnet worden.

An dem landesweit ausgelobten Preis zum „Tag der Kitaverpflegung“ hatten sich 2024 50 Einrichtungen aus Rheinland-Pfalz beteiligt. Der „Tag der Kitaverpflegung“ findet alljährlich unter einem bestimmten Motto statt, dieses Jahr lag der Fokus auf einer nachhaltigen Verpflegung. Kita-Leiterin Bettina Krug und ihre Kolleginnen füllten hierzu in tagelanger Arbeit einen Fragebogen aus und schickten eine Fotodokumentation der Räumlichkeiten mit. Bei den Fragen ging es nicht nur um die Qualität des Essens, sondern auch um ganz andere Themen, wie Ergonomie in der Küche oder die Gestaltung der Essens- und Sozialräume.

Das Besondere in der Kita Regenbogen ist, dass hier noch täglich frisch gekocht und zudem ein Frühstücksbüffet angeboten wird. Aus Sicht von Bettina Krug könnte Letzteres den Ausschlag für den ersten Preis gegeben haben, der in Rheinland-Pfalz 2024 nur noch ein weiteres Mal verliehen wurde.

Täglich 100 Essen

Garant des täglich frischen Angebots ist die ebenfalls in Bobenheim-Roxheim ansässige Kita Löwenzahn. Denn die mit über 100 Plätzen deutlich größere Einrichtung verfügt über eine eigene Profiküche, die auch die ebenfalls in evangelischer Trägerschaft stehende dreigruppige Kita Regenbogen täglich mit leckeren Gerichten versorgt. Für die Zubereitung und den Einkauf sind Stefanie Bistron und Carina Dopp verantwortlich. Für beide Einrichtungen werden im Löwenzahn täglich 100 Essen zubereitet. Die gut 35 Portionen für die Regenbogeneinrichtung nimmt dort Havva Sen in Empfang.

Dass nachhaltige und gesunde Verpflegung am besten und auch relativ preisgünstig mit regionalen und saisonalen Produkten geht, versteht sich hierbei für Köchin Stefanie Bistron, eine gelernte Hotelfachfrau, von selbst. So beginnt die Woche für sie montags mit einem Einkauf im Bauernladen. Zehn Kilo Äpfel und 30 Kilo Kartoffeln sind Mengen, die den gewöhnlichen Familieneinkauf doch deutlich übersteigen. Zusätzlich wird die Kindertagesstätte einmal wöchentlich mit Teigwaren und Milchprodukten im Großküchenstil beliefert.

Einmal Fleisch oder Fisch pro Woche

Angesichts der Profiküche und der Kochphilosophie von Stefanie Bistron und Carina Dopp war der Fragekatalog für Bettina Krug zwar ein großer Zeitaufwand, vom Anspruch an die Qualität der Verpflegung, die Gesundheitsförderung, an Arbeitssicherheit und Hygiene aber gut erfüllbar. Auch kniffelige Fragen nach der Beleuchtung in der Küche und dem Speisesaal waren inhaltlich keine große Herausforderung. Wichtiger Punkt ist der wöchentliche Speiseplan. Dessen Erstellung soll sich hierbei an den vom Land vorgegebenen Richtlinien der DGE (Gesellschaft für Ernährung) orientieren. Diese sollte überwiegend pflanzlich sein und maximal einmal Fleisch und Fisch pro Woche bieten.

Diese Grundsätze werden bei den Regenbogenkindern täglich gelebt und sind mittlerweile Wochenroutine beim Frühstücksbüffet. Statt der guten alten Brotbox in der Kindergartentasche kann sich der Nachwuchs morgens an einem täglich wechselnden Büffet bedienen. Für Leckermäulchen startet die Woche am Montag süß. Zum Vollkornbrot gibt es Honig und Marmelade. Dienstags ist dann Porridge-Tag und mittwochs steht Wurst auf dem Speisezettel. Was sich so alles aus Eiern zaubern lässt, wird am Donnerstag getestet. „Die Pfannkuchen lieben auf jeden Fall alle Kinder“, verrät Bettina Krug. Freitags ist es immer spannend, denn da ist Überraschungsbüffet angesagt. Manchmal können die Kinder auch selbst frisch für das Büffet ernten. Mit Elternhilfe hat die Kita Regenbogen nämlich ein kleines Gemüsebeet angelegt. Aus Sicht des Trägers ist der Verpflegungsbeitrag mit 50 Euro für Mittagessen monatlich und zehn Euro Frühstück aktuell noch kostendeckend und wird nach Ansicht der Leitung von den Eltern auch als fair empfunden.

Koch staunt über die Küche

Am Dienstagnachmittag ging es aber nicht um Geld, sondern es war erstmal Feiern in beiden Kindertagesstätten angesagt. Statt eines Preisgeldes belohnte das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum die hohe Qualität der Kita mit einem Profikochkurs für zwölf Erwachsene. Neben den Hauswirtschaftskräften und Leiterinnen der beiden Einrichtungen freuten sich einige Presbyter, Pfarrer Ralf Hettmannsperger und Elternvertreter von Profikoch Jürgen Hühner ein paar Kniffe gezeigt zu bekommen. Angesichts der Profiküche staunte der Koch dabei erstmal nicht schlecht. Die mit Rationalgeräten ausgestattete Edelstahlküche beinhaltet keinen einzigen Topf und verfügt stattdessen über Schwenkfpannen mit Wasserzufuhr und Kombigarer. Nebenan befindet sich der Kühlraum. Hier ist auch „die Lebensversicherung“ der Kita, wie Stefanie Bistron lachend erklärt – nämlich der Gefrierschrank mit den Rückstellproben einer jeden Mahlzeit.

Nicht zum ersten Mal scheint Pfarrer Hettmannsperger hier zu kochen, der mit geübtem Griff Zwiebeln und Gemüse in der Schwenkpfanne anschwitzt. „Unsere Küche ist inzwischen auch bei anderen Einrichtungen bekannt und wird gerne besichtigt, wenn es um die Entscheidung Caterer oder selbst kochen geht“, erzählt er. Und Stefanie Bistron möchte immer wieder Rückmeldung für ihre Gerichte. „Regelmäßig frage ich, ob es denn geschmeckt hat und ob es bestimmte Wünsche gibt“, sagt sie. Rohkostschnitzel mit Dipp oder Kartoffelbrokkoliauflauf kämen immer wieder gut bei den Kindern an. Großes Thema im Alltag der Kindergartenküche sind auch Allergien, die das Kochteam mit kreativen Ideen und Alternativen berücksichtigt. Obwohl die meisten Kinder sehr gerne Fisch essen, gehe bei Lachsgerichten bei den meisten „der Daumen runter“.

Bekannt, aber in fruchtiger Variante, kochte Jürgen Hühner mit der Gruppe ein Linsengemüse. Abgelöscht werden die 500 Gramm rote Linsen mit Apfelsaft, dazu kommen noch Apfel- und Birnenwürfel nebst Zitronensaft. Für viele unbekannt war der Linsensprossensalat. Hierzu hat Hühner vier Tage zuvor eingeweichte Linsen keimen lassen. „Dies geht ganz einfach, täglich besprühen und sorgsam auf Schimmel achten“, erklärt er. Die Gefahr von gesundheitsschädlichen Keimen ist auch der Grund, warum frische Sprossen in Kitas nicht angeboten werden dürfen.

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