Rhein-Pfalz Kreis Aus dem Dorfleben nicht mehr wegzudenken
„Wenn auch nur ein Jugendlicher in der Spur bleibt, weil er hier einen Ansprechpartner gefunden hat, dann hat sich der Treff volkswirtschaftlich schon rentiert“, sagt Großniedesheims Bürgermeister Michael Walther (SPD). Die Gemeinde ist stolz auf ihren Kinder- und Jugendtreff am Ortsrand und hat kürzlich wieder investiert, um ihn attraktiv zu halten. Auch Erwachsene wissen das Gebäude zu schätzen.
Die Innenwände frisch gestrichen, eine neue Wetterschutzhütte neben dem Bolzplatz und eine 4,40 Meter hohe Erwachsenenschaukel auf dem Außengelände: Der gut 15 Jahre alte Jugendtreff präsentiert sich mustergültig, ist beliebt und gut besucht. „In der gesamten Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim gibt es keinen Jugendraum, der besser genutzt wird“, sagt Dorfchef Walther. „Das liegt am breiten Spielangebot, aber auch an der idealen Kombination von Gebäude und Außengelände.“ Vor rund zehn Jahren ist Großniedesheim für seine Kinder- und Jugendarbeit beim Dorfwettbewerb ausgezeichnet worden, vor allem wegen der Räume am ehemaligen Sportplatz. Was heute eine innige Liebe der Großniedesheimer zu ihrem Jugendzentrum ist, hat holprig, ja sogar ablehnend begonnen. In einem Bürgerentscheid hatte sich im Jahr 2000 die Mehrheit der wahlberechtigten Einwohner gegen den Bau eines neuen Gebäudes und die Umgestaltung des ehemaligen Sportplatzes am Ortsausgang Richtung Beindersheim ausgesprochen. Die kalkulierten Kosten von rund 800.000 D-Mark erschienen vielen zu hoch. „Die Opposition im Gemeinderat hatte Stimmung dagegen gemacht“, erinnert sich Michael Walther, damals Erster Beigeordneter. „Natürlich kostet eine solche Investition Geld, aber unsere Gemeinde stand damals finanziell nicht schlecht da, weil Baugrundstücke verkauft worden waren.“ Das alte Gebäude aus den 50er-Jahren, einst provisorische Vereinsgaststätte, habe als Treff nicht genutzt werden können. Als die Diskussion um einen Neubau begann, sei der Zustand sehr schlecht gewesen, sagt der Bürgermeister und erinnert sich an den Befall mit Mäusen und Ratten. Die von der Opposition benannte Alternative, die Nutzung der Friedenshalle, kam für die SPD nicht infrage. „Ein Kinder- und Jugendtreff mitten im Ort führt unweigerlich zu Problemen“, so Walther. „Kinder lassen sich nicht an die Leine legen. Sie brauchen Entfaltungsraum.“ Letztlich wurde der Jugendtreff doch gebaut: um etwa die Hälfte kleiner als ursprünglich geplant, um Kosten einzusparen und damit dem Bürgerentscheid Genüge zu tun. Heute ist das Haus fürs Dorfleben nicht mehr wegzudenken. Zweimal die Woche betreibt die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim im Auftrag der Ortsgemeinde dort offene Jugendarbeit, ausgebildete Betreuer spielen und basteln mit Kindern und Jugendlichen und bieten sich als Gesprächspartner an. Dienstags von 16 bis 18 Uhr treffen sich vor allem Kinder zwischen sechs und 13 Jahren, freitags (17 bis 21 Uhr) Jugendliche ab 14. Auch für die Ferienfreizeiten der Verbandsgemeinde wird der Großniedesheimer Treff genutzt. Mal verbringen die Kinder ganze Tage auf dem Gelände, oder sie treffen sich zum gemeinsamen Frühstück, um dann zu Ausflügen aufzubrechen. Im Sommer nutzt die evangelische Gemeinde vor allem das Außengelände für ihren „Entdecker-Club“. Kinder ab fünf Jahren singen, lauschen biblischen Geschichten und toben sich beim Spielen aus. Jeden Dienstagvormittag ist neuerdings eine Krabbelgruppe aktiv. „Das sind 15 Erwachsene mit einem bis zwei Kleinkindern“, berichtet Mitinitiatorin Kerstin Lohr. „Gigantisch, super!“, sagt sie auf die Frage nach dem Stellenwert der Großniedesheimer Einrichtung. Zumal die Elterngruppe unglaublich gut von der Gemeinde unterstützt werde. „Kaum hatten wir die Idee, konnten wir sie schon umsetzen“, sagt Lohr und berichtet von Spielsachen und Bodenmatten, welche die Gemeinde angeschafft habe. Leider könnten nicht alle, die Interesse angemeldet haben, bei der Krabbelgruppe mitmachen. „Wir mussten eine Warteliste schreiben, weil so viele, auch aus Nachbardörfern, mitmachen wollten“, so Lehr. Bürgermeister Walther fühlt sich im Nachhinein bestätigt, dass man damals trotz Bürgervotum nicht locker ließ. Die Nutzungsnachfrage sei heute so groß, „dass wir die fehlenden Quadratmeter jetzt gut gebrauchen könnten.“ Das Jugendtreffgelände gegenüber der Feuerwehr kann nach Angaben von Walther jederzeit von jedermann genutzt werden. Seit Kurzem ist dort kostenloses WLAN verfügbar. Der Bolzplatz ziehe Fußballspieler auch aus anderen Gemeinden an. „Wir haben gehört, dass hier schon ganze Turniere veranstaltet wurden. Aber genau dafür ist der Ort ja auch gedacht.“ Im kommenden Jahr soll vor allem der Außenbereich ergänzt werden: um eine neue Tischtennisplatte und eine Rampe für BMX-, Skatboard- und Inlineskater. |vgi/ww