Speyerer Umland
Aus Berghausen zur Arbeit und in die große weite Welt
Das zweistöckige Bahnhofsgebäude in Berghausen wurde mit Beginn der Gleisbauarbeiten 1863 der neuen Bahnstrecke Speyer-Germersheim massiv aus Stein gebaut. Die Wartesaalanbauten konzipierte man einstöckig. Während im unteren Bereich die Dienstlokalitäten untergebracht waren, befand sich oben eine Verwalterwohnung. Die Grundfläche des Mittelbaus ist nach den Beschreibungen der Pfälzischen Eisenbahn mit 101,5 Quadratmetern ausgewiesen, die der beiden Flügel gar mit 162 Quadratmetern. Zusätzlich erhielt der Bahnhof einen Güterschuppen mit einem großen Zimmer für den Bahnwart. Darüber hinaus befand sich ein aus Holz mit Steinfundament errichtetes Toilettenhäuschen an der Station. 1869 wurden am Gebäude Fensterklappläden montiert.
Der Bahnhof in Berghausen – das Gebäude wird heute privat genutzt –, ein weiteres Eisenbahnerhaus im Bereich der früheren Güterrampe sowie auch der Bahnhof von Heiligenstein gelten heute als die ältesten ihres Grundtyps in der gesamten Vorderpfalz. Anzumerken ist noch, dass im Jahre 1897 die Errichtung der „Wirtschaft zum Bahnhof“ von Jacob Schneider überliefert ist, die bis zirka 1965 betrieben wurde.
Bergauf dank Bahnhof
Der erste Berghäuser Stationsverwalter, Einnehmer und Güterexpeditor im Jahre 1864 bis 1870 hieß Heinrich Gerau aus Hambach. Anschließend wurde er Stationsverwalter in Lingenfeld. Sein Nachfolger in Berghausen, Pankraz Rudel, hatte am 27. Februar 1848 übrigens dessen Schwester Margaretha Gerau in Speyer geheiratet. Er war zuvor Stationsverwalter in Bexbach gewesen. Zu den Angestellten am Bahnhof gehörte in der „guten alten Zeit“ auch ein Portier. Als erster seiner Zunft am Bahnhof Berghausen überliefert ist im Jahre 1907 Heinrich Moser, der noch 1896 in Heiligenstein als Eisenbahnarbeiter erwähnt wird.
Mit der Fertigstellung der Bahnstrecke Speyer-Germersheim – zunächst eingleisig, ab 1906 zweigleisig – und den Bahnhöfen in den Dörfern Berghausen, Heiligenstein und Lingenfeld setzte in diesen Orten eine positive Entwicklung ein und sorgte für weiteren starken Auftrieb. Nun war es den Menschen möglich, nicht nur in die „große weite Welt“ zu fahren, sondern auch schneller und bequemer an die Arbeitsstätten in Speyer, wo es Textil-, Baumwoll- und Tabakverarbeitung gab, und vor allem Ludwigshafen als eine der großen Industriestädte im Südwesten zu gelangen.
Bereits im Jahre 1864/65 zählte der Bahnhof Berghausen fast 7200 Personenbeförderungen. Gezählt wurden dabei Ein- und Ausstieg. Im benachbarten Heiligenstein waren es sogar 13.800 – wobei hinzugefügt werden muss, dass hierin auch die Mechtersheimer, die über keinen Bahnhof verfügen, dabei sind.
Vor allem der Güterverkehr machte den Berghäuser Bahnhof zu einer Stätte des Umtriebs und des Handels. In der Erntezeit herrschte hier buntes Treiben, der durch den Anbau von Obst wie Erdbeeren und Pfirsiche noch verstärkt wurde. So mancher Feierabendbauer konnte sich dadurch einen Nebenverdienst sichern und nicht selten wurde mit Hilfe der in unzähligen Handkarren abgelieferten Ware sogar das eigene Häuschen mitfinanziert. Das Jahr 1931 markiert hier den Höhepunkt der Erdbeerernte in Berghausen und Heiligenstein. An einem Tag wurden einmal aus beiden Dörfern 16 Eisenbahnwaggons mit Körben voller Erdbeeren gefüllt.
Um 1960 kam der Güterverkehr in Heiligenstein fast zum Erliegen und wurde über Berghausen abgewickelt. Vom Bahnhof Berghausen, der im Vergleich zum Bahnhof Heiligenstein einen stärkeren Güterverkehr hatte, fuhren Güterwagen, die in der Malzfabrik gefüllt wurden, nach Neuchâtel (Schweiz). Darüber hinaus versorgte die Bahn die Baumschule Wühl mit Bäumen sowie die Firma Gläser in Dudenhofen mit Marmorsteinen und Marmorbruch. Und alle diese Züge hielten am Bahnhof der Haltestelle: Berghausen/Pfalz.
Neues Rätselbild
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