Dannstadt-Schauernheim
Auftakt zur Neugestaltung des Innenhofs in Kita St. Michael
„Eigentlich wollten wir das alles gemeinsam mit den Eltern machen, aber wegen Corona sind solche Treffen ja leider nicht möglich“, erklärt Kita-Leiterin Ksenija Mitic. Die Pandemie habe zudem das ganze Vorhaben um ein halbes Jahr verzögert. So sollten die Pflanzarbeiten im Frühjahr beginnen, das kann jetzt aber erst im Herbst passieren.
Daher lotst Andreas Reinig, Papa eines Kita-Kinds und Inhaber des gleichnamigen örtlichen Garten- und Landschaftsbaubetriebs, nun einen seiner Mitarbeiter im Radlader durch die enge Gasse in den Hof. Die Mission: einen der insgesamt fünf Ahornbäume versetzen, der für die Neugestaltung des Areals eigentlich hätte gefällt werden müssen. „Das ist der schönste von allen. Es wäre schade gewesen, ihn zu entfernen, da er noch gesund ist“, erläutert der Experte.
Mit einem dritten Kollegen kehren die Männer die Fläche rund um den schön gewachsenen Baum frei. Dann misst Reinig vom Stamm ausgehend den Radius, in dem später der Ahorn samt Wurzelwerk und Erde angehoben und an den neuen Standort gefahren wird. Davor gilt es jedoch, um den Stamm herum in einem ringförmigen Loch die Erde auszuheben und hier und da eine Wurzel durchzuschneiden.
Baum muss im Gleichgewicht bleiben
„Jetzt gegen Ende des Winters ist dafür der ideale Zeitpunkt“, erklärt Architekt Marcus Eichenlaub. Denn momentan sei der Baum noch zurückgezogen. Ihn mal eben einfach versetzen, gehe trotzdem nicht so leicht: „Da muss man schon genau wissen, was man tut“. Zum Beispiel müsse alles, was bei der Aktion an Wurzeln verloren geht, auch von der Krone entfernt werden. Sonst drohe der Baum wegen des Ungleichgewichts einzugehen. Der Architekt schnappt sich indes selbst eine Schaufel und packt mit an. Als das ringförmige Loch im Hof fast die erforderliche Tiefe erreicht hat, schickt Reinig einen seiner Mitarbeiter zur Spielwiese. Denn am neuen Standort muss ein passendes Loch für den Ahorn gegraben werden.
Zurück im Hof wird der Erdball um die Baumwurzeln gesichert, dann rollt der Radlader in Position. Der Ahorn wird im Spezialgurt befestigt und mit vereinten Kräften aus seinem Platz gehievt. Die Kita-Kinder verfolgen das Spektakel aufmerksam, kleben förmlich an den Fensterscheiben, eine Gruppe sogar in gebührendem Abstand im Freien. Einige Erzieherinnen fotografieren fleißig.
Hoffen auf Hilfe von den Eltern
Insgesamt kostet die naturnahe Gestaltung 88.000 Euro. Die Hälfte bezuschusst die Ortsgemeinde Dannstadt-Schauernheim, weitere 15.000 Euro fördert das Land. Den restlichen Betrag bezahlt die katholische Kirche. „Wobei wir noch auf einige Eigenleistungen der Eltern und Spenden hoffen“, sagt Pfarrer Michael Hergl.
Inzwischen ist präzises Navigieren gefragt, denn Reinig und seine Leute müssen den Radlader samt Ahorn durch die enge Gasse manövrieren. Das erfordert höchste Konzentration, doch Sorgen oder Zweifel hegen die drei Profis nicht. „Das bekommen wir schon“, ist der Chef überzeugt.
Die Kita betreut normalerweise 90 Kinder in vier Gruppen. Pandemiebedingt herrscht derzeit allerdings Notbetrieb für Kinder, deren Eltern berufstätig sind. „Mittlerweile haben wir aber selbst unter diesen Umständen im Schnitt 50 bis 60 Kinder hier“, berichtet Kita-Leiterin Mitic.