Rhein-Pfalz Kreis Auftakt für Millionen-Projekt
Dannstadt-Schauernheim. Undichtes Dach, fehlender Brandschutz, mangelhafte Elektronik: An der Turnhalle in der Angelstraße im Ortsteil Dannstadt hat der Zahn der Zeit allzu deutlich genagt. Deshalb hat die Turnvereinigung (TV) beschlossen, das 1930 erworbene Gebäude durch ein neues zu ersetzen. Nun ist der Spatenstich für das 1,3-Millionen-Euro-Projekt erfolgt.
Die neue Sporthalle wird in den nächsten zwei Jahren auf der Wiese neben der alten entstehen, „in der wir bis zuletzt Sport treiben werden“, sagt der stellvertretende TV-Vorsitzende Roland Stolle. „Umziehen werden wir erst, wenn der Neubau beheizt und beleuchtet ist.“ Dann soll die bisherige Turnhalle abgerissen und das Nebengebäude für ihre Nachfolgerin errichtet werden. Kosten wird das ganze Vorhaben rund 1,3 Millionen Euro. Davon werden 400.000 Euro vom Land bezuschusst, 260.000 Euro von der Ortsgemeinde und 126.500 Euro vom Rhein-Pfalz-Kreis. Den restlichen Betrag muss der Verein selbst stemmen. Rund 42.000 Euro bezahlt die TV daher aus eigenen Mitteln, außerdem erbringen die Mitglieder Eigenleistungen im Wert von 20.000 Euro. 6280 Euro wurden gespendet. Bleiben rund 427.000 Euro, für die die Turnvereinigung einen Kredit aufnehmen muss. Wie der Verein diese Summe abbezahlen möchte? „Wir haben die Beiträge von 700 Mitgliedern, die Pachteinnahmen aus der Gaststätte und die Einnahmen von größeren Sportfesten“, erläutert Stolle, räumt aber auch ein, dass die Finanzierung eng gestrickt sei. Ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, die vorhandene Halle zu erneuern? „Nein, sie ist einfach am Ende ihrer Lebensdauer. Die Instandhaltung wäre richtig teuer geworden, das hätte sich wirtschaftlich auf lange Sicht nicht gelohnt“, erklärt er. Denn die jetzige Halle hat der Verein 1930 vom Flugplatz Lachen-Speyerdorf gekauft, wo sie als Lagerhalle diente. „Die Mitglieder haben sie dort abgebaut, in Einzelteilen nach Dannstadt transportiert und am heutigen Standort in der Angelstraße aufgebaut“, berichtet Stolle. Das habe viele Fuhren mit Steinen, Holz und Dachziegeln erfordert. Im „Dritten Reich“ sei der Verein wie viele andere enteignet worden. In dieser Zeit wurde die Halle ihm zufolge unter anderem als Kino, Wehrmachtsquartier und Gefangenenlager genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei das Gebäude zu 80 Prozent beschädigt gewesen, weshalb nach der Renovierung der Gaststätte erst einmal die Fußböden und die Bühne erneuert werden mussten. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre stand der Sanitärbereich auf dem Programm: Es wurden neue Wasch- und Umkleideräume sowie eine Toilettenanlage geschaffen. Außerdem wurde eine Warmluftheizung eingebaut. Im folgenden Jahrzehnt stieg die Anzahl der Mitglieder, und es entstanden neue Abteilungen. Die Turnhalle wurde überbeansprucht, weshalb erwogen wurde, sie zu sperren. Anfang der 1980er-Jahre wurde sie umfassend renoviert und umgebaut. Doch all das ist nun auch schon wieder mehr als 30 Jahre her. Inzwischen ist das Dach nicht mehr dicht, sodass Regenwasser in den Zwischenboden eindringt. Dazu gibt es Wasserschäden an der Decke und im Kraftraum, das Holztragwerk ist beschädigt, und die Außenwände sowie der Sanitärbereich weisen Risse auf. Die alte Ölheizung sei energiewirtschaftlich ineffizient und teuer sowie laut Tüv ebenso mängelbehaftet wie die Belüftung und die Elektronik. Die Beleuchtung entspreche ebenfalls nicht dem heutigen Stand der Technik, eine Sicherheits- beziehungsweise Fluchtwegbeleuchtung fehle gleich vollständig. Außerdem fehlen ein Brandschutzkonzept und eine Blitzschutzanlage. Die Planung für den Neubau begann nach Stolles Angaben schon vor zehn Jahren. 2008 reichte die Turnvereinigung die Unterlagen für die Baugenehmigung ein und stellte Zuschussanträge. 2010 gab die Kreisverwaltung grünes Licht für das Vorhaben. „Da die Finanzierung infolge fehlender Zuschüsse noch nicht gesichert war, konnte mit dem Bau nicht begonnen werden“, erzählt er. Die entsprechenden Zusagen wurden erst in den Jahren 2014 und 2015 erteilt. Auf dieser Grundlage verhandelte der Verein dann mit Banken über die Finanzierung des restlichen Betrags. Dieser Tage konnten die Beteiligten schließlich zur Tat schreiten und mit dem Spatenstich die Bauarbeiten einleiten.