Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Aufgestaute Reiselust: Große Nachfrage nach Urlaubsreisen

Für viele ein begehrtes Ziel: Badeurlaub im Mittelmeerraum wird stark nachgefragt.
Für viele ein begehrtes Ziel: Badeurlaub im Mittelmeerraum wird stark nachgefragt.

Es hat sich viel Reiselust aufgestaut während Corona. Reisebüros im Rhein-Pfalz-Kreis berichten über eine starke Nachfrage. Und auch die Anbieter schauen wieder mit Optimismus in die Zukunft – auch wenn der Krisenmodus nicht ausgestanden ist.

Überall sind die Antworten ähnlich: „Die Nachfrage ist sehr groß. Die Leute wollen verreisen“, sagt Steven Mathes, Chef der Lingenfelder Reiselounge. Und auch Sonja Schön, die in Römerberg das nach ihr benannte Reisebüro betreibt, bestätigt: „Es ist fast wie vor der Pandemie.“ „Stürmisch“ sei die Nachfrage, sagt auch Holger Theilmann vom Reise-Center Mutterstadt, und „die Reiselust kommt zurück“, bestätigt Brigitte Kloster vom Reisebüro Dannstadt. Auch die Räder der Reisebusse rollen wieder, etwas verzögert, seit einigen Wochen gehe es aufwärts, sagt Andreas Eberle von Eberle-Reisen in Hochdorf-Assenheim. Es hat sich offenbar viel Reiselust aufgestaut in der Zeit der Corona-Pandemie.

Etwas getrübt werden die Aussichten derzeit nicht durch die immer noch nicht ganz ausgestandene Pandemie, sondern durch den Krieg in der Ukraine: „Die Leute sind durch den Krieg etwas verunsichert“, hat Schön beobachtet. Eine Einschätzung, die auch Mathes bestätigt. Indirekt könnte sich der Krieg wegen steigender Ölpreise künftig auch noch stärker auf die Preisgestaltung der Reiseanbieter auswirken, glauben beide.

Auflagen fallen weg

Dass die Leute wieder häufiger Urlaub im Ausland buchten, liegt nach Einschätzung der Reisebüroleiter auch daran, dass mittlerweile fast alle Corona-Auflagen bei der Einreise in die Zielländer abgeschafft wurden. „Es gibt nur noch ganz wenige Länder, die auf dem Ausfüllen eines Einreiseformulars oder auf einem PCR-Test bestehen“, sagt Sonja Schön. Auch Fernreisen gewinnen dadurch wieder an Attraktivität. „Thailand erfährt viel Zuspruch. Dort ist seit Kurzem die Einreise wieder erleichtert worden“, berichtet Mathes. Relativ unkompliziert sei es auch wieder, in die USA, nach Kanada oder in die Karibik zu kommen, sagt Schön. Wenn überhaupt nötig, genügt für den unbeschwerten Urlaub ein Antigen-Test oder der Nachweis über eine vollständige Impfung. Letztere hätten aber fast alle ihrer Kunden, schätzt sie. Kleine Einschränkung der neuen Freiheit: Im Flugzeug muss nach wie vor Maske getragen werden.

Im anstehenden Sommer zieht es die Kunden vor allem ans Mittelmeer. Während Schön keinen klaren Favoriten bei den Urlaubsländern dieses Jahr ausmachen kann, ist für Mathes der Fall klar: „Griechenland boomt total“, sagt er. Kurze Flugzeiten, gutes Essen und die angenehme Mentalität der Menschen sprächen für das Land. Generell sei die Nachfrage derzeit größer als das Angebot: „Deshalb wird es auch keine Last-Minute-Schnäppchen geben“, ist der Lingenfelder Reisebüro-Leiter überzeugt. Gerade in der Zeit der rheinland-pfälzischen Sommerferien sei kaum noch etwas verfügbar, weil dann auch Bayern und Baden-Württemberg Ferien hätten. „Ich kann nur empfehlen, nicht zu lange mit der Buchung zu warten“, sagt Mathes.

Reisebüros optimistisch

Wirtschaftlich sei seine Reiselounge gut durch die Pandemie gekommen. Die Kurzarbeit für seine fünf Mitarbeiter, die in der Corona-Zeit eingeführt werden musste, sei seit Februar wieder beendet. Sogar ein neuer Mitarbeiter sei eingestellt worden, weil es derzeit so viel zu tun gebe. Der Lingenfelder bietet in seinen Räumen außerdem weiterhin Corona-Tests an. Sonja Schön, die sich 2019 mit ihrem Reisebüro selbstständig machte, hat das Schicksal vor besondere Herausforderungen gestellt: Zuerst traf sie die Thomas-Cook-Pleite – unter dem Banner der Firma hatte sie kurz zuvor ihr Büro eröffnet –, dann kam Corona. „Manchmal war ich schon in einem Loch“, sagt sie. Anfang des vergangenen Jahres sei es besonders schlimm gewesen. Glücklicherweise habe sie Unterstützung zu Hause erfahren. „Jetzt bin ich wieder positiv gestimmt“, blickt sie optimistisch in die Zukunft. Corona werde zwar nicht verschwinden, aber sie glaube nicht, dass es noch einmal so große Einschränkungen wie in den vergangenen beiden Jahren geben werde.

Die Reiseziele seiner Kunden seien vielfältig, bestätigt Holger Theilmann aus Mutterstadt, mit einem Schwerpunkt auf Badeziele im Mittelmeerraum: „Griechenland, Spanien und die Türkei werden gut gebucht.“ Auch die Kanaren würden nachgefragt. Die Fernziele lassen nach seiner Beobachtung noch etwas auf sich warten, „da sind die Leute offenbar doch noch vorsichtiger“. Laut Theilmann werden auch wieder zahlreiche Kreuzfahrten gebucht. Und ja – „die Reiselust ist groß“, sagt auch der Mutterstadter Reisevermittler.

Die Räder rollen wieder

„Wir sind noch nicht wieder in den ,alten Zeiten’ angekommen“, schätzt Brigitte Kloster vom Reisebüro Dannstadt die Lage ein. Man freue sich über die wachsende Nachfrage, aber von den Zahlen vor Pandemie und Krieg sei man noch entfernt. Auch bei ihren Kunden sei vor allem der Mittelmeerraum begehrt, aber auch die Malediven, Mauritius oder Dubai etwa würden gerne angesteuert. Leider seien die Preise „ziemlich explodiert“, gerade Familien seien eher zögerlich wegen der Ausgaben. „Viele warten ab, was noch auf sie zukommt“, schätzt Kloster. Eines ist auch für sie sicher: Last-Minute-Schnäppchen werde es in diesem Jahr nicht geben.

„Wir sind noch nicht auf Vorkrisen-Niveau“, sagt auch Andreas Eberle vom gleichnamigen Reisebus-Unternehmen, aber er ist optimistisch, nachdem vor ziemlich genau zwei Jahren völliger Stillstand herrschen musste. Für den Familienbetrieb, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1927 reichen, macht der touristische Bereich, also die selbst veranstalteten Busreisen, den Löwenanteil des Geschäfts aus. Aber es kämen auch wieder vereinzelte Anfragen für Vereinsreisen oder Klassenfahrten, „man merkt schon, dass sich die Situation normalisiert“. Das eigene Reiseprogramm müsse mindestes ein Jahr im Voraus geplant werden, daher hat Eberle-Reisen das Deutschland-Angebot ausgebaut, „da gibt es schon mehr Planungssicherheit“, sagt der 34-Jährige. „Je mehr Grenzübergänge, desto komplizierter wurde es“, erläutert er im Rückblick auf die verschiedenen Auflagen und Vorschriften in Pandemie-Zeiten.

Ins Ausland gefahren wird aber natürlich trotzdem, nach Österreich, Kroatien, oder etwa ans Nordkap jetzt im Juni, nennt Eberle Beispiele. Bei allem Optimismus, „wir nehmen die Situation weiter ernst und werden auf Veränderungen sofort reagieren“, sagt Andreas Eberle. Und freut sich, dass die Räder wieder rollen.

Auch die Räder der Reisebusse können wieder rollen, hier einer der Busse aus der Eberle-Flotte.
Auch die Räder der Reisebusse können wieder rollen, hier einer der Busse aus der Eberle-Flotte.
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