Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Auf Stromkunden kommen deutlich höhere Preise zu

Die Strompreise werden sich drastisch erhöhen, davon gehen Experten aus.
Die Strompreise werden sich drastisch erhöhen, davon gehen Experten aus.

Die Strompreise steigen seit Monaten. Wegen dieses allgemeinen Trends werden auch die Kunden der Energiewerke Dannstadter Höhe bald tiefer in dieTaschen greifen müssen.

Die drastische Entwicklung an der Strombörse schilderte EWD-Geschäftsführer Sebastian Körner dieser Tage den Politikern in der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim. Sie hänge aktuell sehr stark von den Ereignissen in der Ukraine ab. Der Mitte Februar von Russland begonnene Krieg hat seine Auswirkungen. Nicht nur auf Öl und Gas – auch auf die Strompreise.

„Wir reden von einer Steigerung von Anfang 2020 bis heute von 550 Prozent“, sagte Körner zur Strompreisentwicklung und ließ diesen Wert erst mal auf seine Zuhörer einwirken. „Das sind gigantische Zahlen, verrückte Zahlen. Ich bin seit 15 Jahren in der Branche tätig, so was habe ich noch nie erlebt“, sagte er und lieferte noch ein paar Zahlen hinterher.

So koste die Megawattstunde aktuell 325 Euro. „Das sind 32 Cent Netto-Einkauf. Also ohne Umlagen, Steuern, Ablagen ist der Preis an der Börse bereits höher als der, den Sie derzeit als Kunde brutto bei der EWD bezahlen“, sagte Körner. Die Energiewerke hätten zwar längerfristig eingekauft, doch dieses Preisniveau werde bei den Verbrauchern in den nächsten Jahren treppenförmig ankommen, und zwar in der gesamten Branche. „Denn diese Situation gilt für alle, alle kaufen auf diesem Markt ein, davon kann sich keiner frei machen.“

Wichtiges Datum: 22. Juli

Als wichtiges Datum nannte der EWD-Geschäftsführer den 22. Juli. Dann entscheide sich, ob Nord Stream 1 nach der geplanten zehntägigen Wartung wieder aufgeht. Viele Experten rechneten damit, dass diese Gas-Pipeline von Russland nach Deutschland zubleibt. „Und dann kann es passieren, dass sich die Preise noch weiter nach oben entwickeln. Wir sind hier noch nicht am Ende der Fahnenstange angelangt“, hob Körner hervor.

Doch warum beeinflusst eine Gas-Pipeline die Strompreise? Auch das erläuterte der Experte den Politikern. Beides hänge eng zusammen, da Gaskraftwerke Strom erzeugen. Der Strompreis bilde sich an der Börse und die richte sich an das teuerste Kraftwerk. „Und die teuersten Kraftwerke, die derzeit in Betrieb sind, sind eben Gaskraftwerke. Deswegen hat der Gaspreis im Prinzip eine direkte Wirkung auf den Strompreis“, erklärte er. „Außerdem findet man im Moment an der Börse kaum noch Händler, es wird weder Gas noch Strom verkauft“, berichtete Körner.

Mit Uniper müsse jetzt einer der größten Gaslieferanten in Deutschland bereits vom Staat geschützt werden. „Wenn der aussteigt, steigen ganz viele Gemeinde- und Stadtwerke mit aus, weil bei Uniper eine ganz große Menge kontrahiert wurde“, erläuterte der EWD-Geschäftsführer weitere wichtige Zusammenhänge. Zugleich betonte er aber auch, er wolle keine Angst verbreiten. Am Ende komme es oft besser als geglaubt. „Doch die Situation ist wirklich sehr ernst zu nehmen. Wir bereiten uns auf das Schlimmste vor und hoffen auf das Beste“, erklärte er.

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