Rhein-Pfalz Kreis Auf Spitzbubenwegen übers Land

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„Sieht aus wie Schokoladenbruch.“ Ein Grüppchen naturbegeisterter Damen vertieft sich in den Anblick der frisch gepflügten Felder. Sie sind von Bobenheim-Roxheim bis kurz nach Mörsch geradelt und machen einen kurzen Zwischenstopp an der Bruchwiese. Eine Tafel Schokolade wird herumgereicht. Seit 15 Uhr sind sie unterwegs: Pünktlich zum Läuten der Kirchturmglocken setzte sich der 19-köpfige Tross vor dem Bobenheim-Roxheimer Rathaus in Fahrt. Autofahrer machen der Gruppe Platz – man kennt die agilen Radler, die seit 2008 zweimal im Monat auf Tour gehen und pro Fahrt bis zu 100 Kilometer bewältigen. Dabei ist das Wetter Gesprächsthema Nummer eins. Mit dem bewölkten Himmel und 13 Grad bei Nordostwind ist man zufrieden. „Wir radeln uns warm“, sagt Elvira Saelens und lacht. Sie liebt die Ausflüge, denn „so sieht man viel mehr von der Landschaft als beim Autofahren“. Da die Fahrten stets an Freitagen stattfinden, sind nur Ruheständler dabei. Seit 2014 hat sich das geändert. Wenn Saelens von Enkelin Amberlee aus den USA besucht wird, radelt die 13-Jährige mit – „und das auf einem Dreigang-Rad“, sagt die Oma stolz. Auch Saelens und ihre Mitfahrer legen keinen Wert auf komfortables Radeln. Gefederte Sattelstützen, Carbonrahmen und Elektronikschaltung sucht man hier vergebens. „Das ist Schnickschnack, wir machen Sport“, sagt Manfred Kohl, der zu den Stammfahrern zählt, mit 74 Jahren dreimal in der Woche joggt und im Frankenthaler Strandbad Stammgast ist. Allerdings wird Sicherheit groß geschrieben: Fast alle Teilnehmer tragen einen Helm, und viele setzen Radsportbrillen auf, die die Augen vor Gegenwind und Insekten schützen. Der Fahrradbeauftragte von Bobenheim-Roxheim, Jürgen Fuchs, fährt als Pilot vorneweg. Er plant die Touren mit der Landkarte und kennt alle Radwege der Region. Ein Navigationsgerät braucht er nicht. „Ich hab’ die Route im Kopf.“ Vor 16 Jahren erlitt er einen Herzinfarkt und musste das Fußballspielen aufgeben. Der Arzt empfahl ihm einen Hometrainer. „In der Stube schwitzen, das ist nichts für mich“, erzählt der 72-Jährige schmunzelnd. Hinterm Nonnenbusch streckt Fuchs den Arm aus und bewegt ihn auf und ab. Das Signal zum Abbiegen wiederholen alle, sodass jeder rechtzeitig Bescheid weiß. Nun geht es flussaufwärts den Radweg Rheindamm entlang. Bei rund 15 Stundenkilometern kommt der Pulk schnell voran, und es bleibt genug Muße, um die Aussicht zu genießen. Auf einem Feld äsen sechs Rehe, am Hofgut Petersau liegt der würzige Geruch von Pferdeäpfeln in der Luft, auf dem Rhein schippert ein Schleppkahn – die Idylle endet, als die Gruppe die BASF-Kläranlage passiert. „Hier müffelt’s aber ordentlich“, kommentieren die Radfahrer und konzentrieren sich auf den immer dichteren Verkehr der Tankwagen. Ein Teilnehmer hat zu wenig Luft im Reifen. Helmut Riel pumpt nach. „Hinten hast du kein Licht. Musst du bei Gelegenheit reparieren“, rät er dem Besitzer. Riel achtet auf den Zustand der Räder und ist der Kurier der Gruppe: Wenn Teilnehmer den Anschluss verlieren, führt er den Pulk wieder zusammen. Später wird er an der Kreuzung Wormser Straße und Industriestraße gebraucht, da die Grünphase nicht für alle reichte. Dann wird Riel die Nachzügler bei der nächsten grünen Ampelphase aufsammeln. Die Radgruppe passiert die Gewerbegebiete im Norden der Stadt. Schadenfreude kommt auf, als sich auf der Industriestraße die Autos im beginnenden Feierabendverkehr stauen. Und Ärger, als ein BMW quer über dem Radweg parkt. Nach der Industrieromantik genießen die Teilnehmer die schmalen Dorfstraßen durch Heßheim und Weisenheim. Das Tempo wird spürbar langsamer, immerhin sind bereits über 30 Kilometer geschafft. Vor einer Kreuzung schert ein Grüppchen aus und taucht in einer Gasse wieder auf. „Habt ihr den Spitzbubenweg genommen?“, witzelt man. So nennt die Radgruppe Schleichwege, die nicht immer legal sind und die Route abkürzen. In Großkarlbach gegen 17 Uhr die ersehnte Pause im Eckbach-Café. Zügig vertilgt die Gruppe ihren Kuchen und schon nach einer Viertelstunde setzen die ersten ihre Helme wieder auf. Angela Soler überprüft ihr E-Bike. Sie hat es sich wegen einer Beinverletzung zugelegt. Ohne Motor könnte sie bei den Touren nicht mithalten. „Das E-Bike verschafft mir ein wertvolles Stück Lebensqualität.“ Über Laumersheim, Dirmstein, Heuchelheim, Großniedesheim und Kleinniedesheim geht’s nach der Rast heimwärts. Kaum angekommen, wollen die Teilnehmer wissen: „Was ist unser nächstes Ziel?“ Termin Nächste Tour am 18. November, 14 Uhr, ab Rathaus in Richtung Birkenheide, Anmeldung an der Rathaus-Infotheke.

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