Rhein-Pfalz Kreis Auf die Würzpaste gekommen
«Gönnheim.»Senfanbau gehört nicht gerade zum Standardrepertoire eines Landwirts aus der Region. Dass der Gönnheimer Gunther Hill die Pflanze mit der auffälligen gelben Blüte anbaut, hat vor allem mit einem persönlichen Kontakt zu tun – und mit viel Zufall.
Senfpflanzen werden bei uns von Winzern höchstens für die Gründüngung ihrer Wingerte eingesetzt. Dass Hill zum Senf kam, dabei spielte der Zufall eine große Rolle: Gunther Hill kickt schon lange zusammen mit dem Ehemann von Yvonne Ortloff in der AH-Fußballmannschaft des TuS Wachenheim. Die Dürkheimerin Ortloff hat sich mit einer kleinen Senfmanufaktur einen Traum erfüllt (wir berichteten). Er sei doch Landwirt, ob er jemanden kenne, der in der Lage sei, Senf anzubauen, fragte der Mannschaftskamerad den zweifachen Familienvater Hill. Zuerst hatte die Sache für den Gönnheimer etwas von einer „Schnapsidee“, dann reizte ihn die Geschichte doch irgendwie. Denn er interessiert sich grundsätzlich für alles, was auf dem Feld wächst. Gunther Hills Aufmerksamkeit war geweckt, und er fand etwa heraus, dass Senfpflanzen nur alle vier Jahre auf demselben Standort kultiviert werden sollten. Zudem eignen sich nicht alle Senfarten zur Herstellung der beliebten Würzpaste. Die wird aus den Samenkörnern des weißen, braunen und des schwarzen Senfs hergestellt. Hill entschied sich erst einmal dafür, weißen Senf, auch gelber Senf genannt, anzubauen. Um die Senfsaat überhaupt ernten zu können, braucht es eine spezielle Maschine. Da traf es sich gut, dass der 50-Jährige zusammen mit einem Kollegen aus Fußgönheim Wildblumensamen züchtet. Eine Maschine, um die Saat zu ernten, stand also zur Verfügung. Den Wildblumensamen mit Pflanzen wie Nachtkerze, Schafgarbe oder Johanniskraut produzieren die beiden für eine Samenhandlung, die darauf spezialisiert ist, Samen aus gesicherter Herkunft beispielsweise für Renaturierungs- oder Ausgleichsflächen zu liefern. Eine 0,3 Hektar große Ackerfläche, ein gutes Stück südlich von Gönnheim Richtung Niederkirchen, hielt der Landwirt als Versuchsballon für die Ansaat von Senf für geeignet. 120 Kilogramm erbrachte im vergangenen Sommer die erste Ernte, den Preis kalkulierte der Bauer aus Leidenschaft „Pi mal Daumen“. Nachdem das Versuchsstadium vorbei ist, will Gunther Hill die Sache in der kommenden Vegetationsperiode professioneller angehen, den Senfanbau vergrößern, auch andere Sorten ausprobieren und vielleicht einen Acker wählen, bei dem Bewässerung möglich ist. Außerdem wird er mit Yvonne Ortloff den Bedarf abstimmen. Das Produkt der Dürkheimerin kommt gut an, ein Mannheimer Feinkostladen habe auch schon bei ihr angeklopft. Generell freut sich der Gönnheimer, dass es Senf mit den Zutaten aus der Region zu kaufen gibt. Als Produzent von heimischem Gemüse wünscht er sich, dass die Verbraucher „gezielter und bewusster Erzeugnisse von hier kaufen“.