Rhein-Pfalz Kreis Auf die grüne Wiese
Ein Kreishaus im Kreis – einige Bürgermeister im Rhein-Pfalz-Kreis hatten Clemens Körners Idee zwar nicht direkt für abwegig gehalten, aber auch nicht so richtig ernst genommen. Otto Reiland (CDU) aus Waldsee etwa wollte sich bei einer Umfrage der RHEINPFALZ auf ein solches Gedankenspiel gar nicht erst einlassen. Peter Christ (CDU) aus Böhl-Iggelheim hielt das Ganze für reine Spekulation. Doch keine vier Wochen später sind die Umzugspläne des Landrats schon ein ganzes Stück konkreter – auf jeden Fall ist ein Neubau kein Luftschloss mehr. Überraschende Neuigkeiten aus dem Ludwigshafener Rathaus veranlassen Körner dazu, schon mal nach Grundstücken für einen Verwaltungssitz auf der grünen Wiese Ausschau zu halten. Zum ersten Mal öffentlich über ein Kreishaus im Kreis nachgedacht hat der Landrat in einer Bauausschusssitzung Anfang März. Und zugegeben: Es klang zu diesem Zeitpunkt noch mehr nach einer vagen Idee als nach einem konkreten Plan. Schließlich wurde in der Sitzung eine Machbarkeitsstudie vorgestellt, wie das Kreishaus am Europaplatz in Ludwigshafen erweitert werden könnte, denn Fakt ist: Das Gebäude ist zu klein und platzt bald aus allen Nähten. Ob aber eine Erweiterung des Verwaltungssitzes am jetzigen Standort weiterhin eine Option bleibt, ist seit einem Arbeitsgespräch der Bauabteilung des Kreises mit Kollegen aus dem Ludwigshafener Rathaus fraglich. Körner zufolge ist dabei herausgekommen, dass der Umbau des Kreishauses und der Hochstraßenabriss miteinander kollidieren könnten. Mit empfindlichen Folgen. „Lärm, Staub, Erschütterungen – der komplette Südflügel der Kreisverwaltung kann vermutlich von 2023 an bis mindestens 2027 nicht genutzt werden.“ Heißt: Das Kreishaus wird zunächst kleiner anstatt größer. Komisch findet Körner, dass er das über die Fachabteilungen erfährt. „Die Zusammenarbeit läuft gut – keine Frage – aber wir werden förmlich aus Ludwigshafen hinausgetrieben, und die Oberbürgermeisterin greift nicht selbst zum Telefon?“ Im Gegenteil: Als Körners Gedankenspiele von einem Kreishaus im Kreis bekannt geworden waren, zeigte sich Jutta Steinruck (SPD) völlig überrascht. „Als gäbe es gar keine Veranlassung für uns, über einen Umzug nachzudenken“, so Körner. So einfach gehen kann er mit seiner Verwaltung natürlich nicht. Auch wenn ein zu Teilen unnutzbares Gebäude – und das über Jahre – ein gutes Argument ist, muss zunächst durchgerechnet werden, wie teuer ein Neubau den Kreis zu stehen kommt. Diese Summe muss den Kosten für Erweiterung und Sanierung des Kreishauses am Europaplatz gegenübergestellt werden. „Mit Trier habe ich schon mal einvernehmlich geklärt, dass wir das prüfen lassen.“ Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) muss nämlich zustimmen, wenn Körner Nägel mit Köpfen machen und mit seiner Verwaltung in den Kreis ziehen will. Und letztlich muss auch das Innenministerium in Mainz seinen Segen geben. Denn Südflügel-Dilemma hin oder her – noch ist in Paragraf zwölf des „dritten Landesgesetzes über die Verwaltungsvereinfachung im Lande Rheinland-Pfalz“ festgehalten, dass der Sitz der Kreisverwaltung die Stadt Ludwigshafen ist. Allerdings: Zur Zeit der Verwaltungsreform 1968 hieß der Kreis auch noch Ludwigshafen. Bevor aber das Gesetz geändert wird und ein Kreishaus auf der grünen Wiese entsteht, muss mit der Kostenfrage geklärt werden, wie groß der Flächenbedarf für einen Neubau ist und ob es geeignete Grundstücke im Kreis gibt. „Wir müssen schauen, wem sie gehören und mit wem wir möglicherweise in die Verhandlungen gehen“, sagt Körner. Geht der Landrat auf den Vorschlag von Limburgerhofs Bürgermeister Peter Kern (SPD) ein, der der Kreishaus-im-Kreis-Idee von Anfang an offen gegenüberstand, könnte ein neuer Verwaltungssitz gegenüber dem Hotel Residenz entstehen. Im Gespräch ist auch ein Areal in Mutterstadt hinter dem Kreisbad Aquabella. Der Pluspunkt: Die Fläche gehört dem Kreis. Nicht so gut ist die Verkehrsanbindung, die auch eher gegen Maxdorf spricht. Dort ist Gelände frei, das den Pfalzwerken gehört. Ortsbürgermeister Werner Baumann (CDU) hatte es ins Spiel gebracht, als es um die Suche des Energieversorgers nach einem Firmensitz ging. In Schifferstadt könnte im Bereich des Schulzentrums gebaut werden, der S-Bahnhof Süd ist in unmittelbarer Nähe. Fährt man mit dem Finger auf der Rhein-Pfalz-Kreis-Karte weiter nach Südwesten, kommt man nach Böhl-Iggelheim. Dort ist zwischen Bahnhof und Schwarzweiher Platz für ein Kreishaus. „Und Sie sehen ja, wo Böhl-Iggelheim liegt?“, fragt der Landrat. Genau: An der S-Bahn. Und in der Mitte eines Kreisgebildes, das es vielleicht mal geben könnte: Sollten der Rhein-Pfalz-Kreis und der Kreis Bad Dürkheim fusionieren, wäre die Gemeinde kein schlechter Ort für einen Verwaltungssitz. Und Bürgermeister Peter Christ hätte das Kreishaus direkt vor der Nase. Aber wie sagte er doch: alles Spekulation.