Frankenthal / Waldsee
Armbrustmord: Richter wirft Angeklagtem Rassismus vor
Die beiden letzten Verhandlungstermine vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Frankenthal waren ausgefallen – wie zu hören war, wegen Coronavirus-Infektionen im Umfeld von Prozessbeteiligten und der sich daraus ergebenden Quarantänen. Die Termine seien nachzuholen, sagte der Vorsitzende Richter Karsten Sauermilch als Begründung für die zu erwartende Verlängerung. Der Termin am Montag allerdings diente vor allem dazu, das Verfahren nicht über den prozessrechtlich zulässigen Zeitraum hinweg zu unterbrechen. Zeugen waren für diesen Verhandlungstag nicht geladen.
Statt neuer Erkenntnisse gab es eine Standpauke für den Angeklagten, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft im Februar 2021 den Inhaber einer Autowerkstatt umgebracht zu haben. Er habe trotz einer bereits erfolgten Ermahnung schon wieder versucht, zwei Briefe aus der Untersuchungshaft herauszuschmuggeln, kritisierte Richter Sauermilch. Natürlich seien die prompt entdeckt und beschlagnahmt worden. Wieso er das denn mache, wollte der Vorsitzende wissen. Es sei doch überhaupt kein Problem, die Briefe auf dem offiziellen Weg zu versenden.
Langer Brief an philippinische Freundin
Es handelte sich offenbar um Briefe in englischer Sprache an die philippinische Freundin des Angeklagten. Darin hat er laut Sauermilch „in epischer Breite“ die Einzelheiten des Gerichtsverfahrens geschildert. Interessant sei allerdings, dass er trotz der Ausführlichkeit nicht geschrieben habe, dass er unschuldig sei. Als ärgerlich bezeichnete es der Richter, dass der Dirmsteiner erneut rassistische Bemerkungen über jenen Zeugen gemacht habe, mit dem er Ende Oktober gemeinsam von der Haftanstalt zum Landgericht gefahren war. Dieser Mann sagte Anfang Januar vor Gericht aus, dass der Angeklagte auf der Fahrt mehr oder weniger die Tat gestanden habe.
Es sei für ihn als Richter wahrhaftig kein Spaß, so Sauermilch, ihm dieses Benehmen vorzuhalten. Er frage sich außerdem, woher dieser offenbar tief verwurzelte Rassismus bei einem so weit gereisten Mann komme. Der Angeklagte verteidigte sich damit, dass der besagte Brief ja nur ein Entwurf gewesen sei, den er während der Wartezeit im Gericht noch habe überarbeiten wollen. Die Verhandlung am Frankenthaler Landgericht wird am 21. März fortgesetzt.