Waldsee
Armbrust-Prozess: Zeugen verraten Details
Die ersten beiden Zeugen waren ein Ehepaar, das vor etwa zehn Jahren in ein Haus in Waldsee gegenüber der Werkstatt gezogen war. Man kannte sich, grüßte sich und wechselte ein paar nette Worte, wenn es sich ergab. Eine engere freundschaftliche Beziehung mit dem Ermordeten bestand nicht. Den Angeklagten kannten beide nicht. „Ein Super-Nachbar“ sei der Tote gewesen, sagte die Zeugin, „immer freundlich, immer mal ein lustiger Spruch“. Sie hätten sich sehr gut verstanden. Er sei auch hilfsbereit gewesen, etwa, wenn sie mal ein Werkzeug gebraucht hätten. Immerzu sei er am Arbeiten gewesen, auch an den Wochenenden. „Er kannte keine Freizeit“, meinte die Zeugin.
Kunden hätte sie selten gesehen, sie hätte aber auch nicht darauf geachtet. Die Lebensgefährtin habe sie kaum gesehen. Sie wusste, dass die beiden nicht verheiratet waren, aber wie sie zueinander standen, wusste sie nicht. Sie habe den Werkstattbesitzer und seine Lebensgefährtin nie zusammen gesehen. Ob die beiden mal gestritten hätten, wollte der Vorsitzende Richter wissen. Das könne sie sich kaum vorstellen, es habe sie aber auch nicht interessiert. Der Ehemann als Zeuge sagte dasselbe. Vom Hörensagen habe er gewusst, dass die beiden mal ein Paar gewesen seien. Er habe seinen Nachbarn eigentlich nur in Arbeitskleidung gekannt.
„Hatte speziellen Humor“
Ein weiterer Zeuge, ein Spediteur, hatte seine Firma in der Nähe. Der Getötete sei ein Bekannter gewesen. Bei Unfallschäden sei er für ihn als Gutachter tätig gewesen. Sie hätten ein sehr gutes Verhältnis zueinander gehabt. Der Getötete habe einen sehr speziellen, trockenen Humor gehabt: „Er mochte ihn, aber vielleicht kam er nicht bei jedem gut an“, sagte der Spediteur. Die Lebensgefährtin des Werkstattbesitzers habe er nur sehr flüchtig gekannt. Die beiden hätten kaum miteinander geredet, Streit habe er allerdings nicht mitbekommen. Vom Hörensagen in der Nachbarschaft habe er vernommen, dass es mal eine Insolvenz gegeben habe. Danach habe die Lebenspartnerin die Geschäfte offiziell weitergeführt.
Noch am Freitag vor seinem Tod habe er wegen eines Gutachtens mit ihm telefoniert, er sei wie immer gewesen, sagte der Zeuge über den Ermordeten. Über dessen Tod sei er sehr geschockt gewesen. Dass der Ermordete Feinde hatte, konnte sich der Spediteur nicht vorstellen. Vom Hörensagen in der Nachbarschaft habe er allerdings gehört, dass gelegentlich dubiose Gestalten in großen Autos bei ihm gewesen seien.
Unterschiedliche Eindrücke
Zwei weitere Zeugen gehören zum Umfeld des Angeklagten: Seit Beginn der Pandemie treffen sich einige Handwerker regelmäßig an einer Tankstelle in Bad Dürkheim zu einem spätnachmittäglichen Kaffee. Der Angeklagte sei vor etwa einem Jahr dazugestoßen, weil er dort immer mit seinem roten Kastenwagen getankt habe, meinte der erste Zeuge. Man habe über Alltagsdinge gesprochen. Er habe oft alte Möbel gekauft und in seinem Wagen gehabt. Als er ihm mal solche Möbel gezeigt habe, habe er auch eine Armbrust mit Zielfernrohr im Wagen gehabt und gezeigt. Er mache damit Schießübungen auf Strohballen, habe er erzählt. Das sei vielleicht Mitte Januar gewesen. Später habe er die Armbrust nicht mehr im Wagen gehabt. Er sei ein netter Typ, mit dem er sich gut verstehe. Noch am Abend des Tattages habe er ihn an der Tankstelle getroffen, es sei wie immer gewesen. Der Zeuge kann sich nicht vorstellen, dass der Angeklagte die Tat begangen hat.
Der andere Zeuge war nicht ganz so positiv: Manchmal habe der Angeklagte genervt, wenn er mehrmals dasselbe gefragt und die Antwort nicht geglaubt habe. Vor allem, wenn es um Autos gegangen sei. Schließlich sei er der Automechaniker und nicht der Angeklagte. Er habe ihm dann eine entsprechende Antwort gegeben, da sei er gegangen, aber am nächsten Tag wieder da gewesen.