Rhein-Pfalz Kreis
Arbeitsstunden für Klubmitglieder: Bei welchen Sportvereinen im Frankenthaler Umland gibts das?
„Wir wollen bei der nächsten Jahreshauptversammlung das fertige Konzept präsentieren. Ab wann die neue Regelung dann greift, das muss noch abgestimmt werden“, sagt Eintracht-Vorsitzender Wolfgang Görtz. Sechs Stunden Arbeitsleistung sind für alle Mitglieder zwischen 16 und 62 Jahren vorgesehen, zusätzlich weitere vier für jene, die auf dem Gelände Sport treiben. Wie hoch die Ausgleichszahlung pro nicht geleisteter Stunde sein soll, soll die Versammlung laut Kassiererin Inge Kesselring dann noch festlegen.
„Wir wollen eigentlich nicht das Geld. Wir würden es begrüßen, wenn die Leute, die Stunden leisten“, sagt Görtz. „Sonst fehlen uns trotzdem die Leute beispielsweise bei der Kerwe zum Ausschank.“ Die Eintracht habe ja nicht mehr so viele Veranstaltungen. So wie es aussehe, werde das Aktiventurnier vor Saisonstart nicht mehr veranstaltet. „Da war die Resonanz zu schlecht.“ Dafür zeichne sich ab, dass die Eintracht fester Veranstaltungspartner der Weintage am Türmchen werde, die für Ende Juli in Lambsheim geplant waren – vor der Corona-Krise. Dieser ist das Fußball-Kreispokalendspiel, das der Verein am Ostersamstag ausrichten sollte, bereits zum Opfer gefallen.
Keine Arbeitsstunden beim MTSV Beindersheim
„Wir haben das vor vielen Jahren schon einmal versucht. Da gab es fast eine Meuterei in der Mitgliederversammlung“, sagt Hartmut Stutzmann, Vorsitzender des MTSV Beindersheim. Er führt den Verein seit rund 35 Jahren und sagt: „Dieses Thema werde ich nicht mehr anfassen.“ Im Rückblick resümiert er, dass damals wohl mehr Mitglieder ausgetreten wären, als das Vorhaben am Ende finanziell bewirkt hätte. Der MTSV habe zwei größere Veranstaltungen. „Wir sind bei der Kerwe dabei und machen ein dreitägiges Sportplatzfest.“ Dafür bekämen die Organisatoren die Helfer immer zusammen, auch wenn es oft ein hartes Stück Arbeit sei, bei dem Geduld gefragt sei. Denn viele entschlössen sich erst im letzten Moment, an einer Veranstaltung mitzuwirken. „Bisher hat es aber immer funktioniert. Ich bin der festen Überzeugung, dass man mit Zwang mehr schlecht macht als gut“, sagt der MTSV-Vorsitzende.
SC Bobenheim-Roxheim: Feste Helfertermine eingeplant
Mit rund 1700 Mitgliedern ist der SC Bobenheim-Roxheim einer der großen Vielspartenvereine im Kreis. Das Thema Arbeitsstunden sei beim SC immer einmal wieder diskutiert, aber nie ernsthaft weiterverfolgt worden, sagt Vorsitzender Christian Reber. Seiner Erinnerung nach habe der SC es auch aufgrund des versicherungstechnischen Hintergrunds fallen lassen. Seit drei Jahren gebe es beim SC ein festes Vorstandsmitglied, das für die Helfereinsätze Ansprechpartner sei. „Das funktioniert ganz gut“, sagt Reber. Natürlich müssten Mitglieder direkt angesprochen werden. „Mit dem Rausschicken einer E-Mail ist es meist nicht getan.“ Es gebe hier und da Bemerkungen, dass Handballer oder die Mitglieder der Gymnastikabteilung ja in der Halle trainieren würden und somit mit dem Vereinsgelände wenig am Hut hätte. Doch da sei der Gemeinsinn gefragt. Für 2020 seien bereits feste Helfertermine eingeplant, sagt Reber.
Beim ASV Heßheim engagieren sich vermehrt wieder Eltern
Im Vorstand wurde das Thema Arbeitsstunden und Ausgleichszahlungen beim ASV Heßheim schon diskutiert, berichtet der Vorsitzende Thorsten Hick. Allerdings schon dort nicht bis zum bitteren Ende. „Bis in die Mitgliederversammlung hat es das Thema nie geschafft.“ Sicher habe es beim ASV die Befürchtungen gegeben, dass Mitglieder aufgrund dessen austreten könnten. Knapp 600 Mitglieder hat der Verein. Dass der Klub vor drei Jahren seinen Stand an den Kerwetagen von fünf nur vier Tage öffnen konnte, sei wohl ein Schuss vor den Bug zur rechten Zeit gewesen, meint Hick. Der Trend sei wieder positiv. Durch den neuen Naturrasenplatz gebe es einen Aufwärtstrend im Jugendbereich. „Eltern engagieren sich wieder vermehrt“, freut sich der Vorsitzende.
ATB-Chef Koch-Staats: Sport nicht ohne Verpflichtungen
„Die Geschichte ist für mich nachvollziehbar“, sagt Ludwig Koch-Staats, Vorsitzender des 520 Mitglieder starken ATB Heuchelheim, zum Vorhaben von Eintracht Lambsheim. Aktuell sei das beim ATB allerdings kein Thema. Selbst Großeinsätze wie die vier Prunksitzungen mit zuletzt rund 1200 Gästen würden mit einem eingespielten Helferteam gut über die Bühne gebracht.
Doch Koch-Staats ist der Auffassung, dass „die Tendenz genau in die Richtung geht“, die Eintracht Lambsheim einschlagen will. Arbeitsstunden oder auch Zusatzbeiträge für aktive Sportler seien denkbar. Sport im Verein gehe nicht ohne Verpflichtung. Der Verein brauche einen gewissen Ertrag und sei auf das Ehrenamt angewiesen. Aber es zeichne sich ab, dass frei werdende Positionen immer schwerer zu besetzen seien. Persönlich habe er allerdings eine zwiespältige Auffassung. Da Koch-Staats selbst auch Gründervater der HSG Eckbachtal ist, könnte es hier noch einen gewissen Austausch geben, meint der ATB-Chef.