SPEYERER UMLAND RHEINPFALZ Plus Artikel Apotheker berichten von ihren Erfahrungen während der Pandemie

Haben während der Pandemie alle Hände voll zu tun: Apotheken.
Haben während der Pandemie alle Hände voll zu tun: Apotheken.

Die Ausgabe von FFP2-Masken ist nur ein Thema, das die Apotheker in der Corona-Pandemie beschäftigt. Der Umgang mit den sogenannten Corona-Leugnern oder die Frage nach dem Angebot von Antigen-Tests sind weitere Aspekte. Und werden frei verkäufliche Medikamente gegen Infektionskrankheiten in Zeiten des Social Distancing eigentlich weniger gekauft? Drei Apotheker aus dem Speyerer Umland berichten aus ihrem Alltag.

„Bislang erleben wir keine Engpässe, was die FFP2-Masken betrifft“, berichtet Stefan Meinhardt, der seit 32 Jahren die „Apotheke Lingenfeld“ leitet. Zwar gebe es in jedem Fall einen stark erhöhten Bedarf, insbesondere seit das Tragen einer medizinischen Mund-Nasen-Bedeckung in Bus und Bahn oder in Supermärkten vorgeschrieben sei, doch er habe vorgesorgt. „Ein größeres Problem sind die Berechtigungsscheine, die von den Krankenkassen verschickt werden, um die Maskenausgabe zu organisieren“, sagt er. „Öfters erhalten Kinder und bereits Verstorbene Scheine, während etwa chronisch Kranke weiterhin auf ihre Papiere warten. Am Ende sind aber genug Masken für alle da.“

Mit Maskenverweigerern habe er auch zu tun, hier gebe es jedoch klare Regelungen. „In das Geschäft kommt man momentan nur mit Mund-Nasen-Schutz“, sagt Meinhardt. „Wenn jemand das nicht möchte, haben wir die Möglichkeit, die Medikamente kontaktlos nach Hause zu liefern. So kommen wir nicht in den direkten Konflikt mit den Kunden, können die Hygienevorschriften aber dennoch jederzeit gewährleisten.“

Wie lange taugt die Maske?

Kontrovers ist für Stefan Meinhardt die Frage, ob und wie die FFP2-Masken mehrmals verwendet werden können. „Das sehe ich als sehr situationsabhängig, da es entscheidend ist, wie feucht die Maske wird. Wenn man die Maske einmal für ein paar Minuten zum Einkaufen trägt, kann es sicher eine Möglichkeit sein, diese sieben Tage zu trocknen und dann noch einmal zu tragen.“ Trage man die Maske allerdings auf einer stundenlangen Zugfahrt, gebe es auch nach einer Woche „Regenerationszeit“ keine Garantie, keimfrei und dadurch schützend zu sein, so Meinhardt.

Seine Kollegin Sandra Schall, deren Ehemann Michael die Asparagus-Apotheke in Dudenhofen betreibt, erklärt, dass bei ihnen ebenso kein Mangel an FFP2-Masken herrsche. „Auch wir verstehen die Reihenfolge, in der die Kunden ihre Berechtigungsscheine erhalten, manchmal nicht und erleben die Priorisierung hin und wieder als undurchsichtig“, sagt Schall. „Momentan sind wir allerdings vorratstechnisch gut aufgestellt, sodass der tägliche Bedarf der Kunden bedeckt ist.“

Die seit 21. Dezember 2020 geltende Regelung, die Apotheken bevollmächtigt, Corona-Schnelltests durchzuführen, hat für die Schalls momentan keine Relevanz: „Es ist uns räumlich nicht möglich, die Tests bei uns in der Apotheke durchzuführen. Dafür haben wir schlicht keinen geeigneten Platz“, sagt Sandra Schall. Dieser müsse von außen zugänglich sein, zusätzlich benötige man ausreichend Schutzausrüstung und Personal, das man vom üblichen Arbeitsalltag abziehen müsse. „Wir haben gerade so viel zu tun, da können wir niemanden entbehren“, erklärt sie. Zudem wolle sie die Mitarbeiter nicht einem solch erhöhten Infektionsrisiko aussetzen.

Laute Corona-Leugner

Das Stimmungsbild der Kundschaft zu diesen Zeiten sei mit dem Ausdruck „Corona-Müdigkeit“ recht gut zusammenzufassen. Meistens seien die Menschen höflich, gemäßigt in ihren Ansichten und wollten ihre Sorgen nur mit den Schalls teilen. Allerdings: „Auch mit Corona-Leugnern haben wir es immer wieder zu tun, die ihre Meinung dann lauthals kundtun“, berichtet Sandra Schall. „Wir versuchen, den Menschen moderat zu begegnen, solange sie sich bei uns an die Hygiene- und Abstandsregeln halten, damit sind wir bis jetzt gut gefahren.“

Als belastend erlebe sie, dass die Apotheken in Zeiten der Pandemie weitestgehend auf sich allein gestellt seien: „Im Dezember hieß es von Seiten der Politik: Die Apotheken geben aus. Wie und was wir ausgeben, darum mussten wir uns allerdings selbst kümmern. Wir erhielten keine Hilfe bei der Auswahl der Masken, mussten selbst für deren Qualität bürgen und hatten zu Beginn gar keine Richtlinie, wer wie viele Masken bekommt.“ Zwischen der Bekanntgabe, dass bestimmte Personengruppen ein Anrecht auf gratis FFP2-Masken haben, und dem Stichtag, an dem die Ausgabe anlief, ist laut Schall sehr wenig Zeit gewesen, sodass ein großer Druck auf den Apotheken gelastet hat.

„Horrender Mehraufwand“

Auch Dorothee Glätzer berichtet von dem erhöhten Stresslevel, unter dem die Apotheken seit Monaten stehen. „Wir haben im Moment einen horrenden Mehraufwand, und das ganz ohne das zusätzliche Durchführen von Corona-Tests“, sagt sie. Glätzer, die seit 2003 die Kreuzapotheke in Römerberg leitet, die zuvor ihre Mutter geführt hatte, hat ihren eigenen Umgang mit der Pandemie gefunden: „Wir müssen selbst gucken, wie wir einen Arbeitsalltag schaffen, der organisatorisch an die aktuelle Situation angepasst ist“, berichtet die Apothekerin.

Obwohl nachweislich weniger Kunden frei verkäufliche Arzneimittel wie Medikamente gegen Erkältungskrankheiten kaufen wollten, hätten sie tagtäglich alle Hände voll zu tun, da sich die Kundenzahlen trotzdem erhöhten, berichtet Dorothee Glätzer. Mittlerweile sei allerdings klar, dass es durch die Masken und Schul- und Kitaschließungen weniger Erkrankungen gebe, die sonst per Tröpfcheninfektion verbreitet würden, wie etwa Erkältungen und Durchfall-Erkrankungen.

Der Umgang mit der Kundschaft bestärkt die Apothekerin immer wieder in ihrer Arbeit: „Ich verstehe meinen Beruf als Dienst am Menschen und an dessen Gesundheit.“ Ein Großteil der Kunden, die in ihre Apotheke kommen, sei Stammkundschaft, der Umgang sei bemüht, freundlich und respektvoll. „Wir hören uns gegenseitig zu in diesen Zeiten, das gibt mir Kraft.“

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