Dannstadt-Schauernheim
Anwohner protestieren gegen geplante Umleitung
Die Haardtstraße verläuft im Norden und Westen der Kurpfalzschule, erneuert wird der nördliche Teil zwischen Kurpfalzstraße und Feld. Die Kallstadter Straße ist die nächst gelegene Straße südlich der Schule. Drei weiß-rote Pfosten trennen sie von dem am westlichen Ortsrand bis zur Kurpfalzhalle verlaufenden Abschnitt der Haardtstraße und machen sie normalerweise zur Sackgasse. Für die Zeit der Umleitung sollen diese Pfosten entfernt werden.
Die geplante Umleitungsstrecke bereitet den Anwohnern der Kallstadter Straße Sorgen. Das geht aus einem Schreiben hervor, das Initiator Andreas Trutzel und seine Mitstreiter an Ortsbürgermeisterin Manuela Winkelmann (CDU) gerichtet haben. Denn seitdem die Kommune den Eingang zur Kita Sonnenschein – sie ist im ehemaligen Hauptschultrakt untergebracht – in die Haardtstraße verlegt hat, um die chaotische Verkehrssituation am eigentlichen Haupteingang zum Schulgelände in der Kurpfalzstraße zu entschärfen, diene die Kallstadter Straße vielen Kindern als Hauptweg zur Kita. Deren Anzahl werde durch die Sperrung der Haardtstraße wohl steigen, zugleich aber auch der Hol- und Bring-Autoverkehr der Eltern. „Vor diesem Hintergrund sehen wir in den beiden Kurven ein erhebliches Unfallrisiko“, erklärt Trutzel.
Alternative Umleitungsstrecke zu teuer?
Beim Vor-Ort-Termin wird ersichtlich, warum: Die beiden Kurven, die die Kallstadter Straße beschreibt, sind nahezu rechtwinklig und kaum einsehbar. Zudem ist sie wie ein verkehrsberuhigter Bereich – der Volksmund nennt das Spielstraße – angelegt: Es gibt keine Gehwege, die Rinne verläuft in der Straßenmitte. Dennoch ist die Kallstadter Straße nicht verkehrsberuhigt, statt Schrittgeschwindigkeit gilt wie in allen Ortsstraßen Tempo 30. „Die Kinder laufen oder fahren mit dem Fahrrad schnell um die Ecke, weil sie die rote Rinne wahrnehmen, als würde sie die Straße in Fahrbahn und Gehweg unterteilen. Da stehen sie ganz plötzlich mal vor der Motorhaube“, beschreiben die Anwohner die Gefahr. Als sichere Alternative schlagen sie vor, den Feldweg in Verlängerung des westlichen Teils der Haardtstraße bis zur Weinbietstraße für den Verkehr herzurichten und diese Route als Umleitungsstrecke auszuweisen.
Ortschefin Winkelmann, ihre Ortsbeigeordneten und Vertreter der Ratsfraktionen räumen das Gefahrenpotenzial in den Kurven ein. Eine andere Route für die erforderliche Umleitung komme für sie nach gründlichem Prüfen der Alternativen durch die Verwaltung und ausführlichem Beraten jedoch nicht infrage. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, erklären sie übereinstimmend. Denn den Wirtschaftsweg mal eben ein bisschen ertüchtigen, wie sich die Anwohner der Kallstadter Straße das vorstellen, genüge nicht. „Wir müssten den Weg mit großem Aufwand ausbauen und verbreitern, und dafür Teile der angrenzenden Ackerflächen von den Grundstückseigentümern erwerben“, schildert Winkelmann einen problematischen Aspekt. Die für all das anfallenden hohen Kosten seien nicht zu rechtfertigen. „Denn circa 20 Meter südlich gibt es parallel zur Kallstadter Straße einen voll ausgebauten, beleuchteten Geh- und Radweg, den die Kinder als vollkommen sichere Alternative zur Kallstadter Straße benutzen können, um zur Kita zu gelangen“, erläutert sie das Thema aus Sicht der Gemeinde. Winkelmann bietet jedoch an, als Kompromiss in der gefährlicheren der beiden Kurven einen Verkehrsspiegel anbringen zu lassen, damit die Straße an dieser Stelle besser einsehbar wird. „Außerdem können wir Schrittgeschwindigkeit und ein Parkverbot anordnen“, stellt sie in Aussicht.
Einbahnstraßen-Lösung soll geprüft werden
Das reicht Andreas Trutzel und den anderen Anwohnern allerdings nicht. Die Argumente der Gemeindevertreter überzeugen sie ebenso wenig. Sie sind sicher, dass der Feldweg mit geringem und auf jeden Fall vertretbarem Aufwand ertüchtigt werden könnte. An die strengeren Verkehrsregeln würde sich ohnehin kaum jemand halten – weder die Kinder noch die Eltern. Zumal sich das Ordnungsamt sicher nicht mehr hertraue, um die Vorschriften durchzusetzen und Verstöße gar zu ahnden.
Dazu merkt Winkelmann an: „Unsere Ordnungsbeamtin wurde in der Tat schon aufs Übelste beschimpft und beleidigt und sogar wiederholt angespuckt von autofahrenden Eltern, die sie auf ihr Fehlverhalten hinwies.“ Die Ortsbürgermeisterin hält es aber für zumutbar, dass Eltern ihre Kinder dahingehend erziehen, statt der Kallstadter Straße vorübergehend den parallelen Weg zu nehmen. „Wenn alle ihre Kinder zu Fuß zur Kita bringen, wäre auch alles gut“, ergänzt die Ortsbeigeordnete Sara Schön (Grüne). Das hält aber keiner der Anwesenden für realistisch.
Deshalb schlagen Trutzel und Co. in einem letzten Anlauf eine Ringlösung vor: Den Feldweg ertüchtigen und sowohl diesen als auch die Kallstadter Straße zur Einbahnstraße machen. So würde der Verkehr nur in eine Richtung zur Kita fließen und über den Wirtschaftsweg zur Weinbietstraße abfließen. Allzu viel Hoffnung macht Winkelmann ihnen nicht. „Aber wir werden diese Option prüfen“, verspricht sie zumindest.