Lambsheim / Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Ansichtskarten-Ausstellung: In den Rhein-Pfalz-Kreis vor 100 Jahren eintauchen

Es gibt viel zu entdecken: Jedes Dorf im Rhein-Pfalz-Kreis hat seine Ansichtskarte.
Es gibt viel zu entdecken: Jedes Dorf im Rhein-Pfalz-Kreis hat seine Ansichtskarte.

Der Rhein-Pfalz-Kreis in Post- und Ansichtskarten: Für diese Ausstellung im Haus der Vereine in Lambsheim haben Sammler in ihren Schätzen gekramt.

Beim Betrachten der überwiegend bebilderten Postkarten gibt es sicher viele „Aha“-Momente. Denn, ob jüngere Fotokarte ab etwa 1900 oder ältere, auf Zeichnungen fußende Lithographien geben Einblick in die Geschichte der Gemeinden. Da präsentierten selbst die kleinsten Orte eine Kartenauswahl mit Wahrzeichen, Denkmälern, Kirchen, Wirtshäusern, sogar Friseurgeschäften und Metzgereien, aber auch ganze Straßenzüge. Zudem sind Landschaftsaufnahmen zu entdecken, etwa Weindörfer mitten im Rebenmeer und Altrip um 1910 als Halbinsel vom Rhein umflossen. Waldsee zeigte ein beschauliches Straßenbild mit Gänsen, für Bobenheim (noch ohne Roxheim) standen die Wirtschaft Carl Butsch, der „Kandel“ (Kanal) zum Rhein und die Rheinziegelwerke Worms-Bobenheim. Man zeigte seine Vorzüge, seine reizvolle Seite.

Was die Orte verbindet: alle gehören sie heute zum Rhein-Pfalz-Kreis. Die Exponate stammen aus den Sammlungen von Manfred Claus (Waldsee), Herbert Knoll (Lambsheim), Dieter König (Heßheim) und Klaus Schütz (Beindersheim).

Historisches über einzelne Orte

Erstaunlich: Jedes Dorf hatte seine Ansichtskarten, sogar der Nonnenhof bei Bobenheim-Roxheim und die Friedensau, das heutige Limburgerhof, das bis 1900 im Wesentlichen aus Bahnhaltestelle, Gutshof und der Zuckerfabrik Friedensau bestand. Eine seltene Aufnahme aus Heuchelheim ist die Bahnhaltestelle der ehemaligen Regionalbahn von Frankenthal nach Großkarlbach, Bembel genannt. Darauf sieht man die Bahnhofsrestauration zusammen mit den alten Gleisen. Es gab auch austauschbare, andernorts ebenso benutzte Motive, wie ein Gruß von der Heuchelheimer Kirchweih 1901 und Marktszenen. Ebenso schon Standard seien schmückende Ornamente und Symbole wie Engel, weiße Tauben, Blumen, ein vierblättriges Kleeblatt zum Einfügen ortstypischer Merkmale gewesen, erklärte Dieter König.

Interessant für den Betrachter sind die Informationen über die einzelnen Orte, ihre Wappen und politischen Zugehörigkeiten bis in die heutige Zeit. Nebenbei gibt es noch Wissenswertes, etwa zu Stempelformen, dass auch Franko-Sendungen, also unfreie Sendungen, möglich waren und dass es 1864 die erste Postverteilstation (Postexpedition) in Lambsheim gab.

Zeitreise nach 1896

Die älteste Postkarte der Schau ging am 10. Juli 1896 von Lambsheim nach Wiesbaden auf den Weg. Es war wohl ein eigenes Brief- oder Kartenformat mit einem stempelähnlichen Aufdruck des herrschaftlichen Hauses samt näherer Umgebung des Malzfabrikanten und Gutsbesitzers Ludwig Groß und viel Raum für Mitteilungen. In diesem Fall privat an „Groß’ Mutter“.

Von 1896: Älteste Postkarte der Ausstellung im Lambsheimer Rathaus.
Von 1896: Älteste Postkarte der Ausstellung im Lambsheimer Rathaus.

Nach ihrer Einführung Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA und wenige Jahre später auf dem europäischen Kontinent verbreitete sich die Post- und Ansichtskarte rasch. Es war damals ein schneller Weg, Wichtiges mitzuteilen, zu signalisieren, wie es dem Schreiber geht oder Aktuelles in Kürze zu berichten. Clemens Körner (CDU), für den die Eröffnung der Ausstellung die letzte Amtshandlung als Landrat war, erinnerte an die Sorgfalt bei der Auswahl der Ansichtskarten für die Adressaten und auch das Bemühen um freundliche Texte. In den Anfängen funktionierte auch die Zustellung sehr gut, hielt der Empfänger mitunter schon am Folgetag eine Nachricht in Händen, versicherte Dieter König.

Info

Die Postkartenausstellung in der Lambsheimer Neutorschule, Weisenheimer Straße 1, ist geöffnet an den Samstagen, 22. November, 15 bis 17 Uhr, und 30. November, 14 bis 16 Uhr.

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