Rhein-Pfalz Kreis Anschließen, aufladen, abfahren

Aus der modenen Zapfsäule fließt weder Benzin noch Diesel – sondern Strom. In 15 Minuten lässt sich Energie für 100 Kilometer ta
Aus der modenen Zapfsäule fließt weder Benzin noch Diesel – sondern Strom. In 15 Minuten lässt sich Energie für 100 Kilometer tanken.

«Mutterstadt.» Wie sieht eine öffentliche Ladesäule für Elektroautos aus? Wie funktioniert die Bezahlung? Wie fährt sich so ein Wagen? Das alles und mehr konnten Besucher beim ersten Energieforum erfahren, das die Pfalzwerke im Mutterstadter Palatinum angeboten haben. Der Dieselskandal befeuert das Interesse an E-Mobilität – davon ist das Unternehmen überzeugt.

Die Pfalzwerke haben Großes vor. „In unserem ungefähr 6000 Quadratkilometer großen Netzgebiet unterhalten wir momentan etwa 30 Ladesäulen“, sagte Unternehmenssprecherin Susanne Becker beim Mutterstadter Energieforum rund um das Thema E-Mobilität – um dann zu ergänzen: „Bis zum Jahr 2020 wollen wir diese Zahl auf 350 erhöhen.“ In Mutterstadt gibt es bereits Ladestationen, und es sollen bald noch einige dazukommen, sagte Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD), während er sich einen Eindruck von der Forumspremiere verschaffte, die zwei Tage dauerte. Einer war Geschäftskunden vorbehalten, der Freitag gehörte Privatleuten. Pfalzwerke-Mitarbeiter Uwe Wolf bestätigte Schneider, dass bislang vor allem Kommunen in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Ladesäulen aufstellen. Private Betriebe zeigten jedoch auch zunehmend Interesse. „Ein Autohaus, das mit einem E-Autohersteller zusammenarbeitet, möchte damit künftig seine Kunden bedienen“, sagte er. Andere wollten auch der eigenen Belegschaft die Möglichkeit geben. „Diesen Trend hat der Dieselskandal befeuert“, war er sicher. Das Internet soll an dieser Stelle ebenfalls nützlich sein. Dazu haben sich die Pfalzwerke mit der Firma freshmile SAS zusammengetan, die deutschlandweit sowie in Frankreich agiert. Sie hat eine Software entwickelt, die den Nutzer zur nächsten freien Ladestation navigiert, den Ladevorgang startet und auch das Bezahlen abwickelt. „Das funktioniert auf dem Smartphone oder auf einer eigens aufgesetzten Website“, sagte freshmile-Vertreter Marc Künster. In Frankreich gebe es dieses System bereits seit 2012, hierzulande erst seit dem 1. März. Ein älteres Ehepaar berichtete Künsters Kollegin derweil von einem Problem. Grundsätzlich funktioniere die App, nur mit den Ladestationen der Pfalzwerke wolle das Aufladen ihres E-Autos einfach nicht klappen. Der Mann notierte sich alles und sicherte zu, sich schnellstmöglich darum zu kümmern. Der Fehler wunderte ihn aber, da bei mehreren internen Tests alles reibungslos gelaufen sei. Wer lieber zu Hause den Akku laden möchte, konnte sich über eine sogenannte Wallbox informieren – ein Gerät mit dem typischen Ladestecker, das an einer Wand aufgehängt wird, etwa in der Garage. „Unser Modell ist auf 22 Kilowatt ausgelegt, kann aber vollkommen flexibel heruntergeregelt werden, damit das heimische Netz nicht überlastet wird“, sagte Max Lutz vom Anbieter Webasto. „Und haben mehrere Leute Zugang, lässt es sich auch abschließen, damit nur Befugte es verwenden.“ Wie lange es dauert, bis ein Auto aufgeladen ist, hängt laut Pfalzwerke-Experte Andreas Memmer von der Größe des Akkus und der Ladestation ab. An einer üblichen Schnellladestation lasse sich in ungefähr einer Viertelstunde genug Energie für eine Reichweite bis 100 Kilometer „tanken“. Die nächste Generation werde wohl schon 200 Kilometer in acht Minuten ermöglichen. Deshalb gehe das Bestreben dahin, Ladestationen dort aufzustellen, wo Kunden sich in der Nähe mit Kaffee, Tee oder einem Espresso versorgen können, während sie warten – an Gaststätten etwa oder bei Bäckereien. Anschauen und testen konnten die Gäste so manches Elektroauto rund um das Palatinum natürlich auch. Vom Auto zum smarten Zuhause: Ein solches System konnten sich die Besucher des Energieforums ebenfalls anschauen und erklären lassen. „Wir haben bei der Entwicklung drei Ansätze verfolgt: Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz“, sagte Pfalzwerke-Fachmann Sascha Dechert. Mithilfe von Bewegungsmeldern solle alles automatisiert ablaufen. Ein Beispiel: Der Besitzer steht morgens auf und geht in die Küche. Sein intelligent gesteuertes Eigenheim erkennt das, schaltet die Küchenbeleuchtung ein und startet die Kaffeemaschine. Nur trinken muss der Betreffende den frischen Kaffee dann noch selbst. Verlässt er die Küche, geht das Licht von alleine aus. „Das Tablet oder Smartphone braucht man nur zum Einstellen oder für den Fernzugriff“, sagte Dechert. Für die Sicherheit kommen Sensoren zum Einsatz, die Rauch und austretendes Wasser melden und den Besitzer per SMS über solche Probleme informieren. „Im Brandfall beleuchten sie die Fluchtwege und fahren den Rollladen hoch“, sagte er. Tür- und Fensterkontakte melden einem smarten Thermostaten, wenn ein Fenster geöffnet ist, und regeln im Winter dann die Heizung herunter. „Einzige Voraussetzung ist ein internetfähiges Wlan“, sagte Dechert.

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