Rhein-Pfalz Kreis „Am Schluss wird schwarzgebrannt“
Ich kann versprechen, dass die Teilnehmer von der Pike auf das Schmieden lernen. Es gibt jeweils eine theoretische Unterweisung, danach geht es an die Praxis. Wir fangen natürlich ganz klein an. Dann geht es Schlag auf Schlag. Es muss jedoch niemand Angst haben, dass er etwas nicht mitbekommt oder dass ich zu viel verlange. Nach 35 Jahren als Ausbilder in den Lehrwerkstätten der BASF bin ich pädagogisch bestens beschlagen. Das beruhigt. Was steht zuerst auf dem Lehrplan? Der Heimatverein baut in einer alten Scheune ein Schmiedefeuer auf und darum vier Ambosse. An ihnen üben wir als erstes die Schlagsicherheit, damit der Hammer auch da hingeht, wo er hingehen soll. Dazu benutzen wir Schmiedehämmer mit 1000 bis 1500 Gramm Gewicht. Gegen Ende des Kurses nehmen wir auch mal den Vorschlaghammer mit bis zu 5000 Gramm. Da ist dann schon gut, wenn man das Schlagen beherrscht. Haut man nämlich daneben, kann der Hammer zurückprallen. Autsch, das kann ins Auge gehen. Sie steigen aber sicher in die Eisen, bevor etwas passiert? Ich werde mich bemühen. Jeder sollte zudem eine Schutzbrille und Schutzhandschuhe dabei haben. Um das Verletzungsrisiko zu minimieren, üben wir zu Beginn auch gleich die richtige Körperhaltung am Amboss. Warum muss man das Eisen überhaupt schmieden, solange es heiß ist? Weil es sich erstens nur in erwärmtem Zustand gut bearbeiten lässt. Und weil zweitens Eisen, das man aus dem Feuer holt, nach Sauerstoff giert. Es reagiert also mit dem Sauerstoff der Luft. Durch das Bearbeiten mit dem Hammer wird dieser Abbrand, so nennen wir das, weggeklopft. Ein anderes Wort dafür ist Zunder. Anstatt dem Eisen Zunder zu geben, hauen sie ihn weg? Genau. Das kann immerhin zehn bis 15 Prozent des Ausgangsmaterials ausmachen, das auf diese Weise verloren geht. Aber das lässt sich nicht vermeiden. Sie haben als Schmiedestücke für den Kurs in Schifferstadt Schürhaken und Meißel ausgewählt. Brauchen Sie denn welche? Nein. Es ist ja auch so, dass jeder Kursteilnehmer das mit nach Hause nehmen darf, was er geschmiedet hat. Es ging mir um die Verarbeitung zweier unterschiedlicher Sorten Stahl: Den Schürhaken formen wir aus Baustahl, den Meißel aus Werkzeugstahl. Was ist der Unterschied beim Schmieden ? Dass wir mit ganz anderen Temperaturen arbeiten müssen. Baustahl muss auf 1200 Grad erhitzt werden, dann erst kann man Nägel mit Köpfen machen. Zuerst formen wir die Spitze, dann einen Hammerkeil, schließlich mithilfe des Randhorns am Amboss die Ringöse. In die Mitte des Hakens kommt noch eine schöne Verzierung. Und am Schluss wird schwarzgebrannt. Wie bitte: Schwarzbrennerei? Dass das mal der Zoll nicht liest. Diese Art Schwarzbrennen meine ich natürlich nicht. Wenn der Schürhaken fertig ist, wird er mit Leinöl eingepinselt, dieses wird dann über dem Kohlenfeuer in den Stahl eingebrannt. Das ist der älteste Korrosionsschutz der Welt und sieht außerdem auch noch gut aus. Sicher sehr dekorativ. Und was ist nun beim Meißel anders? Werkzeugstahl darf nicht wärmer werden als 850 Grad, sonst verbrennt der Kohlenstoff. Dann aber wäre anschließend keine Härtung mehr möglich. Wie sorgen Sie dafür, dass Sie das Metall nicht zur Weißglut treiben? Doch sicher nicht, indem Sie jedes heiße Eisen anfassen? Natürlich nicht. Die Temperatur beurteilt der Schmied nach der Glühfarbe des Metalls: je heller, desto heißer. Die Kursteilnehmer sollten also nicht farbenblind sein. (lacht) Wird Metall nicht rechtzeitig aus dem Feuer genommen, kann es übrigens verbrennen. Der Fachmann nennt das „überweiß“. Dann ist es zu warm, wird spröde und ist unbrauchbar. Es darf aber auch nicht zu kühl sein, sonst kommt es zum Blaubruch. Sie sagten eben zu „warm“. Ich würde 1200 Grad durchaus als heiß bezeichnen. Das ist der Unterschied zum Schmied. Wenn der von „heiß“ spricht, ist das Metall schon verbrannt. Sie sollten Hufeisen machen, keine Schürhaken. Warum? Weil jeder seines Glückes Schmied ist. Hufeisen wären schon gut. Aber das ist für Anfänger zu schwer. Es waren ja Besucher aus dem Heimatmuseum, die den Kurs angeregt haben, und keine Schlosser. Aber wenn die Resonanz gut ist, vielleicht machen wir ja weiter. Dann gibt es sicher auch mal Hufeisen. Braucht man denn Muckis zum Schmieden? Es ist eigentlich mehr eine Frage des Geschicks. Man braucht ein Gefühl dafür, wie man den Hammer führen muss. Das können selbstverständlich auch Frauen, manchmal sogar besser. Ein Zwei-Zentner-Mann schmiedet nicht unbedingt besser. Wie sagt man unter Schmieden: Funken frei oder Hammer hoch? Da gibt es keinen besonderen Spruch. Aber „gutes Gelingen“ kann nicht schaden. Noch Fragen? Der Kurs des Vereins für Heimatpflege „Schürhaken selbermachen“ beginnt am kommenden Samstag, 20. Februar, 8 Uhr, in der Burgstraße 70 in Schifferstadt und wird an den drei folgenden Samstagen (27. Februar sowie 5. und 12. März) fortgesetzt. Anmeldungen nimmt der Vorsitzende des Vereins, Werner Krämer, unter Telefon 06235/2489 entgegen.