Rhein-Pfalz Kreis
Altriper überzeugt Jury: Ein „Michelangelo“ gegen das Komasaufen
Mit seinem Plakat für die Kampagne „bunt statt blau“ der DAK hat Jonas Bluschke die Jury überzeugt. Auf Landesebene erreichte der Schüler der Integrierten Gesamtschule Mutterstadt den fünften Platz. Sein Bild erinnert an ein berühmtes Werk. Aber der Jugendliche wollte auch seinen eigenen Stil zeigen.
Ein junger Mann steht inmitten von Dämonen. Die Szene umgibt eine schwarz-blaue Dunkelheit. In der Hand hält der Mann eine leere Flasche. Sein Arm ist ausgestreckt in Richtung einer leuchtenden Engelsgestalt, die ihm ihrerseits aus bunten Wolken heraus eine helfende Hand entgegenstreckt. Dass Jonas Bluschkes Plakat ein wenig an Michelangelos „Die Erschaffung des Adam“ erinnert, kommt nicht von ungefähr. „Ich hatte das Bild kurz vorher gesehen“, sagt der 16-Jährige. Und als es im Kunstunterricht darum gegangen sei, Beiträge für den Plakatwettbewerb der DAK zu entwerfen, sei ihm sehr schnell klar gewesen, dass er dieses Motiv aufgreifen möchte. Der Wettbewerb soll auf die Gefahren des Komasaufens aufmerksam machen.
„Ich wollte allerdings meinen Stil da reinbringen“, sagt der Elftklässler der Integrierten Gesamtschule (IGS) Mutterstadt, dessen Bild in Rheinland-Pfalz auf Platz fünf kam. Jonas malt auch außerhalb der Schule gerne und viel. In seinem Zimmer in seinem Zuhause in Altrip habe er eine Wand, an der er seine Bilder aufhänge, berichtet er. Auch das erfolgreiche Plakat wird dort seinen Platz finden. Gemalt hat er es im vergangenen Schuljahr, als seine damalige Klasse 10b das Thema des Wettbewerbs umgesetzt hat. „Ich hatte zwei Klassen. Mit der anderen habe ich am europäischen Wettbewerb teilgenommen“, sagt Projektlehrerin Sigrid Nölte. Und nicht ohne Stolz fügt sie hinzu: „Da waren wir ebenfalls sehr erfolgreich.“
Es wird der Kampf „Gut gegen Böse“ thematisiert
Seit mittlerweile zehn Jahren möchte die DAK mit der Kampagne „bunt statt blau“ vor allem Jugendliche für die Gefahren des Rauschtrinkens sensibilisieren. Bundesweit haben dieses Mal rund 9000 Jugendliche mitgemacht. Auch wenn es außer dem Kampagnentitel und dem Grundgedanken „Kunst gegen Komasaufen“ keine Vorgaben gibt, hat Nölte in ihrer Kunstklasse festgestellt, dass viele der 15 Beiträge in eine ähnliche Richtung gingen und einen Kampf „Gut gegen Böse“ thematisierten. „Wir hatten relativ viele Engel- und Teufel-Darstellungen“, sagt die Lehrerin. Aber auch Ritter, die sich gegen einen bösen Drachen stellten, seien dabei gewesen.
„Es waren wieder sehr hochwertige Beiträge“, lobt Sigrid Nölte. Das Bild von Jonas Bluschke ist der beste Beweis dafür. Denn neben der anspruchsvollen Technik, in der er grafische Elemente mit Aquarellmalerei verbindet, ist es dem 16-Jährigen auch sehr gut gelungen, eine tiefere Botschaft zu vermitteln. „Die Figuren haben absichtlich denselben Kopf“, sagt Jonas. „Es soll zeigen: Man kann sich selbst helfen.“
Vielleicht sind es die eigenen Dämonen, die einen herunterziehen?
Die teuflischen Gestalten in der dunklen Hälfte des Bildes haben gleich mehrere mögliche Bedeutungen. „Das können Leute sein, die einen zur Sucht verleiten“, sagt der Schüler. Oder es seien die eigenen Dämonen, die einen hinunterziehen. Den Wettbewerb der Krankenkasse findet der Altriper gut und sinnvoll: „So ein Bild ist viel anschaulicher als ein Text oder ein Vortrag.“ Jugendliche könnten auf diese Weise leichter und schneller erreicht werden. „Man sagt ja nicht umsonst: Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte“, findet Jonas. In seinem Freundeskreis gehen ihm zufolge die meisten Jugendlichen vernünftig mit Alkohol um. Allerdings kennt auch er jemanden, der schon mal so viel getrunken hat, dass er bewusstlos geworden ist. Laut der rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), die zugleich Schirmherrin der Aktion ist, tranken 2017 bundesweit 21.721 Zehn- bis 20-Jährige bei einer Gelegenheit so viel, dass sie volltrunken in eine Klinik kamen. „Die Kampagne setzt dagegen ein Zeichen. Sinnloses Betrinken ist weder cool noch schlau“, sagt Bätzing-Lichtenthäler.
An vielen Schulen in Rheinland-Pfalz war der Wettbewerb Teil des Unterrichts. „Lehrkräfte nehmen ,bunt statt blau‘ gerne auf, weil die Kampagne ohne erhobenen Zeigefinger funktioniert. So kommt dieses wichtige Gesundheitsthema in den Schulalltag“, sagt Thomas Sepp, Leiter des Ludwigshafener DAK-Gesundheitszentrums. Die IGS Mutterstadt hat bereits zum zweiten Mal teilgenommen. Und da auch im Vorjahr bereits Schüler unter den Preisträgern waren, wird es wohl nicht das letzte Mal gewesen sein. Für Jonas Bluschke hat sich die Teilnahme auf jeden Fall gelohnt. Denn neben einer Urkunde gab es auch Preise, die er wirklich gut gebrauchen kann: eine Powerbank und eine Lautsprecherbox. Und nicht zu vergessen: das eigene, von Michelangelo inspirierte Bild an der Wand.