Rhein-Pfalz Kreis Alles so leicht

Der Sportclub Mutterstadt zeigte beim Fest der Vereine auch die brasilianische Kampfkunst Capoeira.
Der Sportclub Mutterstadt zeigte beim Fest der Vereine auch die brasilianische Kampfkunst Capoeira.

«Mutterstadt.» Anlässlich des 1250. Jubiläums der Gemeinde Mutterstadt haben am Donnerstag 15 Vereine zur Gala „Sport bewegt Mutterstadt“ eingeladen. Das Erleben und Mitmachen standen im Vordergrund. Rund ums Palatinum sahen über 700 Besucher Vorführungen der Klubs und Gastvereine – darunter auch Capoeira, einen Kampftanz.

Der Sportclub (SC) Mutterstadt ging 1983 aus einer Volleyballgruppe hervor, nun bietet er auch Sportarten, die sonst selten im Umkreis zu finden sind. Capoeira, die brasilianische Mischung aus Kampfkunst und Tanz, wird zunächst von fünf Sportlern auf der Bühne vorgeführt. Zur Musik fliegen sie leichtfüßig über den Boden. Es sieht aus wie eine Mischung aus Break-Dance, Hip-Hop und Karate. Dabei kommt die Kampfkunst völlig ohne Körperkontakt aus. Francesco Sedda hält den Schulterstand, schwingt sich wieder auf die Beine, wirbelt mit einem Bein über seine Gegnerin. Alles wirkt leicht und elegant, nur ein leichtes Zittern in den Armen des Trainers weist darauf hin, dass das eigene Körpergewicht beim zehnminütigen Auftritt auf Dauer doch schwer wird. Wie schwer, das erleben zwei junge Mädchen, die das Ganze auf der Rasenfläche ausprobieren wollen. Capoeira-Trainer Sedda lässt sie ein Rad schlagen. Später dann einhändig. Die Vorübung ist ein kleiner einhändiger Hüpfer, den die zehnjährige Fabienne perfekt ausführt. Wohl die optisch beeindruckendste Bewegung ist der Angriff, bei dem das Bein über den in der Hocke kauernden Gegner geschwungen wird. Danach wird die Übung mit Sprüngen und im Stand gezeigt, doch für Untrainierte ist selbst ein hockender Mensch ein recht hohes Hindernis. Mit wenig dehnbaren Jeans nahezu unmöglich. Capoeira entstand zur Zeit der Sklaverei vor über 300 Jahren in Afrika. Vor ihren Herren mussten die Sklaven den Kampf als Tanz tarnen. Seit acht Jahren gibt es die Abteilung nun beim Sportclub Mutterstadt. „Anfänger haben oft eine leichte Abneigung, sie denken, es sei zu schwer. Man sieht bei Vorführungen nur die schweren Elemente, aber jeder fängt erst mit den leichten an“, erklärt Sedda. Der Sport fördere Beweglichkeit, Rhythmusgefühl und Balance. Nicht nur Akrobatik und Körperbeherrschung werden geschult. Beim Capoeira lerne man, mit verschiedenen Instrumenten zu spielen, Koordination, Kraft, die Kommunikation mit dem Gegner – und sogar einzelne brasilianische Wörter. Morgens starteten die Vereine und Besucher mit einem Gottesdienst, der sich sowohl in der Predigt als auch in der musikalischen Gestaltung rund um den Sport drehte. Danach zeigten die Vereine auf der Bühne, was sie zu bieten haben und wie vielfältig ihre Angebote sind. Der Karate Dojo Mutterstadt hatte eine rote Matte ausgebreitet, auf der Interessierte Übungen ausprobieren konnten. Der Kegel-Verein 1965 Mutterstadt reiste mit mobiler Kegelbahn an. In einem kleinen Anhänger stand ein Helfer und richtete die Kegel wieder auf, die die Kinder mit großem Elan umhauten. Der Athleten-Club 1892 Mutterstadt kam mit Hantelbank und Ergometer. Dass sie auch gelenkig sind, zeigten die Gewichtheber auf der Bühne mit Turnübungen und Sprüngen. Und für die perfekte Abkühlung sorgte der Schwimmsportverein 1979 Mutterstadt: Wie eine aufgeblasene und langgezogene Hüpfburg sah die Wasserrutsche aus, die von oben einem dünnen Schlauch berieselt wurde. Ob Boule-Bahn oder Schach, für jeden war etwas dabei. Die Turn- und Sportgemeinde (TSG) 1886 rückte sogar mit mehreren Abteilungen zum Sportfest an. In der dreigeteilten Halle konnten Interessierte Volleyball, Tischtennis, Tennis, Trampolin, Kinderfußball und Handball ausprobieren, während die Spieler der Fußballgesellschaft 1908 im Freien ihr Können beim Fußballtennis unter Beweis stellten. Während der Leichtathletik- und Turnclub 1993 einen Standweitsprungparcours aufgebaut hatte, boten die Line Dancer des SC, die Volkstanzgruppe des historischen Vereins, die Garde des Mutterstadter Carnevalvereins „Die Geeßtreiwer“ und mehrere Tanzschulen verschiedene Tänze. Mit einem Ballonwettbewerb und einem Mixed-Turnier der Handballmannschaften der TSG endete der Tag.

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