Rhein-Pfalz Kreis Alles nach Plan

Och nö, Schule ... Als Schüler gibt es solche Null-Bock-Tage. Da weiß man aber auch noch nicht, wie gut man es hat, dass hierzul
Och nö, Schule ... Als Schüler gibt es solche Null-Bock-Tage. Da weiß man aber auch noch nicht, wie gut man es hat, dass hierzulande der Schulbesuch genau geregelt ist. Auch dank komplizierter Pläne. Und Geld, das in die Schulstandorte fließt. Der Kreis gibt im Jahr rund 700.000 Euro aus, um sie attraktiv zu machen.

«Ludwigshafen.» Der philosophische Ansatz, dass jede Phase unseres Lebens geplant ist, stammt von Heribert Werner. Er ist gerade als Abteilungsleiter im Kreishaus zuständig für die Schulen. Und er sitzt vor dem Schulentwicklungsplan. Das ist der Plan zwischen Kindertagesstättenbedarfsplan – und Pflegestrukturplan. Sperrige Namen, wie angekündigt. So furchtbar sie klingen, so lesen sie sich auch. Wenn man keine Hilfe hat. Doch Werner und seine Kollegin Nicole Ullmeyer haben das 60-seitige Werk im Griff, das für einen Laien nach einem statistischen Datenwust aussieht, aus dem Experten aber allerhand wichtige Informationen ablesen können. Etwa, dass es der Realschule Dudenhofen besser geht. Sie war als Problemfall eingestuft. „Aber die Schülerzahlen steigen wieder“, sagt Ullmeyer. „Sie steht halt in Konkurrenz zum Schulstandort Speyer“, meint Werner. Und deshalb ist der Schulentwicklungsplan wichtig. Damit die Bildung im Kreis gesichert bleibt. „Und wir wissen, wo wir attraktiver werden müssen.“ Generell gehen die Schülerzahlen an den Realschulen zurück. Nur leicht, aber der Trend bleibt: Eltern versuchen, ihre Kinder möglichst aufs Gymnasium zu bringen. Die Ströme kann der Schulentwicklungsplan nicht lenken, auch wenn es gut fürs Handwerk und den Mittelstand wäre. „Aber wir können Standorte aufwerten. Durch die Ausstattung und ein erweitertes Bildungsangebot. Die Realschule plus in Schifferstadt etwa läuft gut durch die Fachoberschule. Die Schüler haben nach der mittleren Reife die Möglichkeit, gleich weiter zu machen“, sagt Werner und blättert weiter. Die Zahlen der Integrierten Gesamtschule (IGS) Mutterstadt belegen, dass auch diese Schulform zieht, weil sie sehr offen ist. Keine Realschule, kein Gymnasium. Gearbeitet wird in Leistungsgruppen, die offen sind. Wer gut ist und will, kann dann nach der zehnten Klasse die gymnasiale Oberstufe besuchen. Damit aber auf jeden Fall jedes Jahr eine Oberstufe zustande kommt, wird laut Kreisverwaltung bei der Anmeldung darauf geachtet, dass 50 Prozent aus der „obersten Leistungsgruppe“ kommen – so heißt das im Schulverwaltungsdeutsch. Besser noch 60 Prozent. Die Aufteilung in Leistungsgruppen ist vom Landesgesetzgeber vorgeschrieben. Die Höhe der Quote legt der Aufnahmeausschuss fest. Das ist auch der Knackpunkt, warum es schwierig ist, eine zweite IGS im Kreis einzurichten. Diesen Wunsch haben die Grünen im Kreis regelmäßig in die Kreistagssitzungen getragen. Erfüllt wurde er bislang nicht. Das Argument der Kreisverwaltung: Wer eine Empfehlung fürs Gymnasium hat, wird in der Regel an der IGS Mutterstadt aufgenommen. Heißt im Umkehrschluss: Abgelehnt werden Schüler, denen nach der Grundschule nahegelegt wurde, eine Realschule zu besuchen – weil sich von dieser Gruppe eben mehr bewerben als aufgenommen werden können. Aber für die gebe es ja Plätze an anderen Realschulen plus im Kreis. „Im Grunde genommen lohnt es sich also nicht, eine zweite IGS einzurichten und wir würden damit Konkurrenz zu unseren Realschulen aufbauen – und natürlich vor allem auch zur IGS selbst, die Schwierigkeiten mit dem Mischverhältnis bekäme“, fasst Werner das Problem zusammen. Im Schulentwicklungsplan wird aber auch beobachtet, wie sich die Grundschulen entwickeln. Und es wird mit statistischen Mitteln vorausgeschaut, ob für alle Kinder im Kreis auch ein Grundschulplatz vorhanden ist, wenn sie in die erste Klasse gehen sollen. „Notfalls müssen die Gemeinden erweitern“, erklärt Nicole Ullmeyer. Um solche Prognosen aufstellen zu können, wird eine Software mit Zahlen gefüttert. Etwa damit, wie viele Frauen es im Kreis gibt, die Kinder kriegen können. Oder, wie die Wanderungsbewegungen sind – also wie viele Menschen mit Kindern im Schnitt ins Kreisgebiet ziehen. Vorhersagen mit Risiko – ganz klar – vor allem, wenn sie in weite Ferne zielen. „Das haben wir gemerkt, als wir den Schulentwicklungsplan noch nicht so regelmäßig fortgeschrieben haben“, sagt Werner. Betrachte man die Vorschau aus 2008, hätten die Schülerzahlen bis 2018 um rund 30 Prozent zurückgehen müssen. „Sind sie aber nicht“, sagt Ullmeyer. „Sie sind sogar gestiegen.“ Die Lehre daraus ist, dass der Kreis sich seit 2016 jedes Jahr die Zahlen anschaut und aktualisiert. „Damit können wir genauer arbeiten und bessere Entscheidungen für unsere Schulen treffen“, sagt Heribert Werner. Damit alles nach Plan läuft. Denn eigentlich ist das Leben wunderbar geregelt. Entscheidung im Kreistag Der aktuelle Schulentwicklungsplan ist vom Kreistag einstimmig abgesegnet worden. Selbst die Grünen-Fraktion hat zugestimmt und die Diskussion um eine zweite Integrierte Gesamtschule nicht eröffnet.

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