Rhein-Pfalz Kreis Alle Augen auf dem Altkanzler

Waldsee. In der Waldseer Kulturhalle ist am Montagabend eine Ausstellung eröffnet worden, die sich mit dem militärischen Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime befasst. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand aber der Schirmherr, Altbundeskanzler Helmut Kohl, auf den sich alle Augen richteten.
Das Gemurmel der Gäste verstummte sofort, als Kohl übers Mikrofon angekündigt wurde. Doch zunächst zu früh. Der langjährige Bundeskanzler ließ noch ein paar Minuten auf sich warten. Als er tatsächlich im Rollstuhl in den großen Saal der Kulturhalle geschoben wurde, begleitet von seiner Frau Maike Kohl-Richter, war nur noch das Klicken der Kameras zu hören. Der 84-Jährige war einem Blitzlichtgewitter und den Lampen von drei Fernsehkameras ausgesetzt. Ein langjähriger Kommunalpolitiker sagte mit Blick auf die 150 geladenen Gäste aus Politik, Bundeswehr und Gesellschaft: „Der alte Kohl zieht immer noch.“ Und als der ehemalige Bundeskanzler am Ende der Feierstunde ein paar Worte ans Publikum richtete, zückten einige ihre Smartphones, um Kohl zu fotografieren oder zu filmen. Dem Oggersheimer fiel das Sprechen indes hörbar schwer. Er lobte die Ausstellung mit dem Namen „Aufstand des Gewissens“ und würdigte die Verschwörer gegen Hitler, deren Attentat am 20. Juli 1944 scheiterte. Die Widerstandskämpfer hätten „ein Beispiel gesetzt – für unser Volk, für die junge Generation und die kommenden Generationen“, sagte Kohl. Die Ausstellung wird in den kommenden zwei Wochen in der Kulturhalle zu sehen sein. Auch Waldsees Bürgermeister Otto Reiland (CDU) würdigte die Widerstandskämpfer gegen Hitler, die sich „nicht weggeduckt haben, in der Hoffnung, irgendwie den Krieg zu überleben“. Dass die Wanderausstellung, die in dieser Form seit 1998 in Deutschland zu sehen ist, nun in Waldsee gezeigt wird, ist dem Speyerer Spezialpionierbataillon 464 der Bundeswehr zu verdanken. Das Bataillon, dessen 6. Kompanie eine Patenschaft mit der Gemeinde Waldsee unterhält, wird Ende 2015 aufgelöst. Die Ausstellung ist eine Art Abschiedsgeschenk. Der Kommandeur, Oberstleutnant Stefan Jeck, bedankte sich auch bei den Bürgern der Region für „das jahrzehntelange freundschaftliche Miteinander“. Jeck betonte den Vorbildcharakter der Soldaten, die sich gegen Hitler verschworen und damit ihren Eid gebrochen hatten: „Bedingungslosen Gehorsam darf es nicht geben, Befehle sind kritisch zu reflektieren.“ Oberstleutnant Peter Popp von der Offizierschule der Luftwaffe führte in einem Vortrag in die Ausstellung ein. Er verdeutlichte, was das Attentat auf Hitler hätte bewirken können, wenn es erfolgreich gewesen wäre. Von Kriegsbeginn bis zum Attentat am 20. Juli 1944 seien pro Tag durchschnittlich 1588 Menschen allein deutscher Staatsangehörigkeit umgekommen. Vom Attentat bis zum Kriegsende starben pro Tag 16.641 Deutsche. Die Ausstellung befasst sich nicht nur mit der Vorgeschichte und dem Attentat, sondern auch mit dem Schicksal der Angehörigen der Verschwörer und dem Vermächtnis des Widerstands. An Protagonisten des zivilen Widerstands erinnern die Ausstellungsmacher ebenfalls. (snf)