Fussgönheim
Aktionstag: Waschen wie anno dazumal
Die „Weiße Dame“ muss es wissen, ist sie doch das Werbegesicht eines bekannten Waschmittelherstellers. „Persil bleibt Persil“, ruft die Frau dem Betrachter entgegen und präsentiert eine Packung Waschpulver. Blondes Haar, eleganter Hut, ein weißes, tief ausgeschnittenes knielanges Kleid, edel schaut sie aus. Vom Berliner Kunstmaler Kurt Heiligenstaedt gestaltet, hat die Weiße Dame 1922 ihren ersten großen Auftritt. Bis in die 1960er-Jahre wirbt sie auf Plakaten für das Waschpulver und verkörpert bis heute die Reinigungskraft des Waschmittels, ist auf der Henkel-Homepage zu lesen, dem Unternehmen, das hinter Persil steht. Mehrere Emaille-Schilder mit der Werbe-Ikone haben es in die Museumsabteilung „Waschen und Plätten“ des Fußgönheimer Heimat- und Kulturkreises (HKK) geschafft. Doch nicht nur Persil ist vertreten. „So weiß wäscht Suwa“, auch die Konkurrenz von Sunil ist vertreten oder „Hoffmann’s Stärke“. Weiß ist im Wasch-Metier Trumpf, rein muss es sein, oder eben: „Da weiß man, was man hat.“ Es ist eine herrliche Zeitreise.
Gefühlt kann Erwin Diehl mit all diesen Slogans eher wenig anfangen. Er steht mehr auf Kernseife und zeigt die historischen Brocken mit der gelb-bräunlichen Färbung – auch da weiß man schließlich, was man hat. Gemeinsam mit seiner Frau Thea hat Diehl die Wasch-Sammlung aufgebaut, mit allerlei Utensilien, Waschmaschinen aus verschiedenen Epochen und rund 200 Bügeleisen. Beide sind Ehrenmitglieder des HKK.
An 1600 Umdrehungen nicht zu denken
„Das Ziel ist immer, die Schmutzpartikel aus der Wäsche rauszubekommen“, sagt Diehl, „das Prinzip ist über die Zeit immer ähnlich geblieben.“ Es brauche Hitze, Laugenwasser und Geschwindigkeit. Der 84-Jährige steht an einem altertümlichen Wäschekessel und hantiert mit einem großen Stampfer. „18 bis 20 Mal hin und her, dann hat man die Wäsche als sauber bezeichnet“, sagt Diehl. Um das Jahr 1900 hat man so versucht, hartnäckige Flecken aus der Wäsche zu bekommen. „Der Fleiß einer Hausfrau ist an der Wäsche festzustellen“, hieß es noch vor gut 100 Jahren. An Schleudergänge mit 1600 Umdrehungen war damals noch nicht zu denken.
Genau in diese Zeit möchte der HKK am Sonntag, 1. Mai, seine Besucher entführen. Kinder sollen sehen, wie aufwendig und auch beschwerlich das Waschen einmal gewesen ist, so ganz ohne Waschmaschine und Trockner. Statt die Wäsche in die Trommel zu werfen und auf das Knöpfchen zu drücken, wird der Waschkessel selbst befeuert, die Lauge angesetzt. Dann kommen historische Waschwerkzeuge und alte Techniken zum Einsatz, etwa Waschbretter und Stampfer. Wer will, kann eigene Kleidung mit nach Fußgönheim bringen, ein paar T-Shirts und Jeans liegen aber auch parat. Getrocknet wird die Kleidung auf der Wiese an der Schlossscheune, bestenfalls bei warmen Temperaturen und Sonnenschein. „Dann geht es recht schnell“, sagt Diehl. Der HKK empfiehlt, Gummistiefel und Kleidung zum Wechseln mitzubringen. Denn beim Waschtag kann es nass werden. Diehl wird am Aktionstag Führungen durch den Fußgönheimer „Waschsalon“ anbieten, bei denen auch Erwachsene etwas lernen können – und bei der ein oder anderen Anekdote sicher schmunzeln werden.
„Wie kann man das schwere Los der Hausfrauen erleichtern?“, fragt er und steht bei einer Miele-Waschmaschine aus dem Jahr 1904. Auch da steht die Muskelkraft noch im Vordergrund. Bis zur modernen Waschmaschinen war es ein weiter Weg. Wie wertvoll so ein Gerät war, zeigt auch der Preis Anfang der 50er. „Eine Waschmaschine kostete 2200 D-Mark, ein Mittelklasseauto etwa 6000“, sagt Diehl. „Das war ein Drittel.“ Kein Wunder, dass Werbung so wichtig war. Die „Weiße Dame“ ist zwar außer Dienst, wird aber noch immer erkannt – und ist auch nach 100 Jahren alles andere als „grau“.
Noch Fragen?
Waschtag im Museum beim Fußgönheimer Heimat- und Kulturkreis, Sonntag, 1. Mai, 11 bis 18 Uhr. Es gibt Kaffee und Kuchen sowie „Deftigeres“. Führungen und Mitmachaktionen alle 45 Minuten. Ab Gruppengrößen von vier Personen ist eine Anmeldung unter 06237 9165233 erwünscht. Weitere Infos: www.hkk-fussgoenheim.de