Dudenhofen
Ahrtal-Helfer berichtet von „einem Moment, den man nie vergisst“
„Ein Freund von mir ist in Verbindung mit der Flut gestorben“, sagt Manuel Amann immer noch bedrückt. Er nutzt die Worte „in Verbindung“, weil sein Freund auf dem Weg zu seiner Familie im nordrhein-westfälischen Erftstadt war, als er von der Flutkatastrophe erfuhr und deshalb einen Herzinfarkt erlitt. Als er auf der Beerdigung war, habe er Einblicke in die Situation in dem Katastrophengebiet erhalten, erzählt Amann, der in Dudenhofen lebt. Im Internet wurde er auf die Plattform „Helfer-Shuttle“ aufmerksam. Das ist eine Initiative von Ahrtaler Unternehmern, die private Helfer und Betroffene zusammenbringen. Die Organisatoren haben mit ihrem Engagement bundesweite Aufmerksamkeit erzielt und arbeiten mittlerweile mit dem Helferstab des Landes Rheinland-Pfalz zusammen.
Manuel Amann, der als Logistiker arbeitet, war sofort überzeugt von deren Konzept und meldete sich über die Internetseite Helfer-shuttle.de an. „Dort gibt es Informationen, wo man sich hinwenden kann, wenn man helfen möchte“, sagt der 49-Jährige und lobt die Organisation. „Am Anfang sind viele Helfer hingefahren und wurden teilweise wieder weggeschickt, weil es zu viele waren“, blickt der Dudenhofener zurück – auf die Tage im Juli direkt nach der Flut, als es die private Hilfsinitiative noch nicht gab.
Ausmaß schwer zu fassen
Was Manuel Amann in Bad Neuenahr-Ahrweiler vorfindet, schockierte ihn. „Wenn man Fernsehen schaut, sieht man so viel und ist abgestumpft. Wenn man dann dort ist, ist es schon heftig. Ganze Straßenzüge und Dörfer sind kaputt. Wenn man die Stadt vor der Flut gekannt hat, kann man das Gefühl schlecht beschreiben. Es ist, wie wenn man heimkommt und die ganze Straße weg ist“, schildert der 49-Jährige.
Die ersten Eindrücke haben Amann „erschlagen“, er konnte sich jedoch durch sein Tun ablenken. Der Arbeitstag begann für ihn zwischen halb 9 und 9 Uhr. Von einer zentrale Sammelstelle wurden die Helfer zu den betroffenen Bürgern gebracht. Es gab eine Mittagspause, das Arbeitsende war um 17 Uhr. „Die Menschen, die ins Katastrophengebiet fahren und helfen möchten, wollen so viel wie möglich erreichen. Sie pushen sich gegenseitig. Man muss sie bremsen, damit es nicht zu viel für sie wird“, sagt der Dudenhofener und erklärt damit auch, warum der Tagesablauf so stringent ist. Außerdem macht er darauf aufmerksam, dass großen Wert auf die Sicherheit der Helfer gelegt werde. Die Helfer schlafen in einem Camp, in dem es neben Verpflegung und Duschen auch Betreuer gibt, mit denen sie über das Erlebte sprechen können.
Tolle eingeschweißte Truppe
Manuel Amann hat in seiner Hilfseinsatzwoche Putz von den Wänden geschlagen, Schlamm aus Kellerräumen gebracht und beim Abriss geholfen. „Jeder, egal ob Links- oder Rechtshänder, kann helfen“, versichert der 49-Jährige. In seinem rund 20-köpfigen Bautrupp waren Menschen aus ganz Deutschland vertreten – „von der Ostsee bis zum Bodensee, von Freiburg bis Hannover“. „Es waren richtig tolle Leute. Jeder kommt aus dem gleichen Antrieb her. Wir sind miteinander umgegangen, als würden wir uns schon zehn Jahre kennen“, sagt der Dudenhofener. Ihm zufolge packten auch viele Frauen mit an – „vom 18-jährigen Mädchen bis zur 75-jährigen Frau“.
Sein Wunsch ist es, dass sich so viele Menschen wie möglich an dem Hilfseinsatz beteiligen. „Egal, was man kann, alles wird gebraucht. Auch wenn man denkt, nicht helfen zu können, man kann es doch“, sagt der 49-Jährige. Er wird in diesen Tagen wieder Überstunden und Urlaub opfern, um ins Ahrtal zu fahren. Denn eins treibt ihn an: „Das Gefühl, dass man geholfen hat“, sagt Amann. Den Moment, als er mit dem Werkzeug aus dem Bus stieg und die betroffenen Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, an den Hoftoren standen und applaudierten, wird er nie vergessen.
Kontakt
Weitere Informationen zum „Helfer-Shuttle“ gibt’s unter www.helfer-shuttle.de