Waldsee Afrikafest: 40 Jahre Partnerschaft mit Kirchengemeinde in Ruanda

Impressionen aus Ruanda: Der Waldseer Wolfgang König hat Bewohner von Hanika bei einem Besuch im Jahr 2016 fotografiert.
Impressionen aus Ruanda: Der Waldseer Wolfgang König hat Bewohner von Hanika bei einem Besuch im Jahr 2016 fotografiert.

Mit einem Afrika-Fest feiert die katholische Kirchengemeinde St. Martin in Waldsee am 30. Mai das 40-jährige Bestehen der Partnerschaft mit der Gemeinde Hanika in Ruanda. Einiges wurde bisher erreicht. Möglicherweise sind die Tage der Waldseer Partnerschaft jedoch gezählt.

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass eine Kirchengemeinde eine Partnerschaft über so eine lange Zeit aufrechterhält wie es die katholische Kirchengemeinde St. Martin in Waldsee mit der Gemeinde Hanika in Ruanda bislang getan hat. Zustande gekommen ist sie, nachdem das Land Rheinland-Pfalz und Ruanda 1982 eine Partnerschaft beschlossen hatten.

Wenig später ging das Bistum Speyer eine Partnerschaft mit dem Bistum Cyangugu ein. 1984 kam es zu Partnerschaften von Kirchengemeinden. „Die Gemeinden wurden uns zugeteilt“, erzählt Gerald Tremmel, der selbst 1987 zum Partnerschaftsausschuss kam und in den 1990er-Jahren den Vorsitz von Annemie Glaser übernahm. Waldsee hat damals die Gemeinde Hanika im Südwesten Ruandas vermittelt bekommen. Zu Hanika gehören noch fünf Filialkirchen, verteilt über ein großes Gebiet.

Hilfe zur Selbsthilfe

Ziel der Partnerschaft war und ist es, den Menschen in Ruanda mit gezielten Geldspenden Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. „Anfangs war die Partnerschaft primär von der kfd getragen“, erinnert sich Tremmel. Legendär waren die Weihnachtsbasare für Ruanda. „Wer konnte, hat gebastelt. Adventskränze, Türzweige, Weihnachtsdeko“, erzählt die ehemalige kfd-Vorsitzende Anne Tremmel. Auch Flohmärkte für Ruanda wurden veranstaltet. Der Erlös der Palmsträuße und Würzwische, die eine Gruppe Engagierter mit den Tremmels gebunden hat, waren eine regelmäßige Einnahmequelle für die Partnergemeinde. Dazu kamen einmalige Aktionen wie Benefizkonzerte, eine Hungerfahrt mit Fahrrädern sowie Spenden einzelner Gemeindemitglieder oder von Waldseer Vereinen.

Die Pfarrer aus Hanika berichteten, was sie mit den Spenden machen. Anfangs lief die Kommunikation ein bisschen schleppend: Die Luftpost-Briefe waren lange unterwegs und mussten ins beziehungsweise aus dem Französischen übersetzt werden. Inzwischen geht das blitzschnell: per Whatsapp oder E-Mail und mit Übersetzungs-Apps.

Das erste große Projekt war ein Gesundheitszentrum, finanziert von Misereor und zu einem kleineren Teil durch Spenden aus Waldsee. Später kam dann ein Schlafsaal für Mädchen in der neuen Schule dazu. „Es hat uns wahnsinnig gefreut, dass die Schule nach uns „College St. Martin“ genannt wurde, sagt Gerald Tremmel. Der Pfarrer bekam ein neues Motorrad. Mit Corona Soforthilfe-Maßnahmen der Diözese Speyer wurde ein Geschäft für Schreibmaterial in der Nähe der Schule ermöglicht. Davor mussten die Menschen 50 bis 60 Kilometer weit für ein Schulheft fahren.

Beeindruckende Reise

Der erste Besuch einer Waldseer Delegation in Hanika fand 2016 statt. Eine beeindruckende Reise, findet Tremmel, einer der vier Reiseteilnehmer. Dort haben die Waldseer sehen können, was mit ihren Spenden gemacht wurde. Ein lange geplanter Gegenbesuch zweier Priester konnte 2019 nicht stattfinden, weil die Visumsanträge am letzten Tag ohne Begründung abgelehnt worden war.

Partnerschaften katholischer Kirchengemeinden wie die von Waldsee und Hanika gibt es nicht mehr viele. Tremmel sind nur noch drei im Bistum Speyer bekannt. Möglicherweise sind auch die Tage der Waldseer Partnerschaft gezählt, denn im Partnerschaftsausschuss engagiert sich neben Gerald Tremmel nur noch Gudrun Fuhrmann regelmäßig. Beide sind auf der Suche nach jüngeren Nachfolgern. Bisher vergebens.

Doch nun wird erst einmal gefeiert. Das Pfarrfest nach der Fronleichnamsprozession am 30. Mai im katholischen Pfarrzentrum wird als „Ruanda-Fest“ begangen. Zum Mittagessen ab circa 11.30 Uhr gibt es deutsche und afrikanische Speisen, Kaffee und Kuchen. Um 13 Uhr tritt eine Trommel-Gruppe auf. Um 13.30 Uhr informieren Tremmel und Fuhrmann in Kurzvorträgen über die Partnerschaft. An einem Fair-Trade-Stand wird Kaffee und Tee aus Ruanda angeboten. Auch eine kleine Ausstellung mit Alltagsgegenständen und Kunsthandwerk aus Ruanda ist zu sehen. Für Kinder gibt es Spiel- und Bastelangebote von 13.30 bis 15.30 Uhr.

Der Erlös ist ebenso für die Partnergemeinde bestimmt wie der des Benefizkonzertes des Kaiserdom Quartetts Speyer am 22. Juni, 17 Uhr, in der Kirche. Im Anschluss gibt es einen Empfang, den die Firmlingen der Gemeinde organisieren. Auch direkte Spenden sind möglich: Katholische Kirchengemeinde Hl. Christophorus Waldsee, IBAN: DE12 7509 0300 0000 0654 80, Verwendungszweck: Ruanda-Hilfe.

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