Frankenthal und Umland
Absagen oder Durchziehen? Das sagen die Fasnachtsvereine zur Kampagne 2020/21
Das Aus für die Fasnacht kam eigentlich schon am 28. Mai: Per Rundschreiben hatte die Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine aus Speyer ihren Mitgliedsvereinen empfohlen, wegen der Corona-Pandemie alle Veranstaltungen der Kampagne 2020/21 abzusagen. Anders der Bund Deutscher Karneval (BDK) in Köln: Präsident Klaus-Ludwig Fess legt die Entscheidung über das Ob und Wie in die Hände seiner 35 Landes- und Regionalverbände. Was heißt das jetzt für die Vereine in Frankenthal und Umgebung?
Jubiläum 2021 nachholen
Hinter der Empfehlung zur Absage der Kampagne steht der Bobenheimer Carnevalverein (BCV) Die Zellerieköpp. „Die Gesundheit der Aktiven, Mitglieder und Gäste hat absoluten Vorrang“, sagt Präsident Stefan Köglmeier. Durch die Einschränkungen der vergangenen Monate seien dem Verein Einnahmen verloren gegangen, etwa durch die Absage des Bürgerfests. Man werde versuchen, Soforthilfe beim Land zu beantragen. Das 55-jährige Vereinsbestehen soll samt Krönung einer Prinzessin im kommenden Jahr nachgeholt werden.
Bei den Altrhoischnooke vom Roxheimer Carnevalverein (RCV) ist man froh, dass der Dachverband die Kampagne nicht gleich komplett beendet hat. Doch Veranstaltungen mit nur einem Drittel der Gäste brächten keine Stimmung und seien wirtschaftlich nicht zielführend, heißt es vom RCV. Vereinsleben und Sitzungen fänden zurzeit digital und über WhatsApp statt. Digitale Veranstaltungsformate seien kein Thema, da Bühnenakteure vom direkten Kontakt mit dem Publikum lebten.
Garden der Kiesbolle trainieren
„Fasnacht ist wichtig, aber Gesundheit ist wichtiger“, sagt auch Rolf Alles, Vorsitzender der Hessemer Kiesbolle. Es sei aber noch zu früh, die Veranstaltungen generell abzusagen. Man wolle im September entscheiden. Dann soll es auch um mögliche alternative Formate und deren Machbarkeit gehen. Falls die Absage kommt, wollen die Aktiven unter Auflagen weiter trainieren, Kostüme kreieren und das Vereinsleben irgendwie am Laufen halten. Zwar gingen Einnahmen aus sieben Veranstaltungen verloren. Doch in die Verlustzone komme der Verein nicht. Nach einer digitalen Phase tanzten die Garden bereits wieder im Präsenztraining – gruppenweise und mit Abstand.
Für „sinnvoll und richtig“ halten die Heuchelheimer Strunzer die Absageempfehlung, betont Präsident Michael Decker-Mahr. Eine Fasnacht unter Hygieneauflagen sei zwar möglich, doch bleibe „der Spaß an der Sache auf der Strecke“. Eine Kampagne, wie sie üblich ist, wollen die Strunzer absagen. Doch „was eventuell kurzfristig an Veranstaltungen möglich ist, wird sich zeigen“, sagt Decker-Mahr. Das Gardetraining finde in der närrischen Abteilung des Vereins ATB Heuchelheim derzeit nicht statt.
„Tiefrote Zahlen“ bei den Schlossnarren
„Saalfasnacht ist momentan für uns kein Thema“, erklärt Karlheinz Ungefehr, Präsident des Karneval-Clubs Lambsheimer Schlossnarren. Aufgrund der Hygieneauflagen und hoher externer Kosten für Miete, Technik und Gema werde die Kampagne dem 110 Mitglieder starken Verein unterm Strich „tiefrote Zahlen“ bescheren. Zudem sei mit Abstand und ohne Hebefiguren aktuell auch kein vernünftiges Gardetraining möglich. Insgesamt blicken die Schlossnarren aber vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Digitale Fasnachtsformate seien nicht geplant, doch könnte eine Kinderfasnacht kurzfristig anberaumt werden. Als Hoffnung am Horizont peile man für 2022/23 die Jubiläumskampagne zum 50-jährigen Vereinsbestehen an.
Als einziger Frankenthaler Faschingsverein gab der Carnevalverein Chorania Rückmeldung auf die RHEINPFALZ-Anfrage: „Definitiv nein“, sagt Vorsitzender Giacomo Galante zu einer Fasnacht unter Hygieneauflagen. Ebenso eine Absage erteilt die Chorania einer digitalen Corona-Sitzung und anderen virtuellen Faschingsalternativen.