WALDSEE
435 Kilo Wohlstandsmüll im und am Wasser gesammelt
Zu den Surfriders gesellen sich Freiwillige aus der Region. Was sie vorhaben? „Bisschen sauber machen“, sagt Uwe Franken und grinst. Aus dem bisschen werden am Ende rund 435 Kilo Müll. „Wir hoffen auf eine rege Beteiligung“, merkt Franken, der die Organisation übernommen hat, im Gespräch mit der RHEINPFALZ an. Ein paar Minuten später steht fest, dass sein Wunsch erfüllt wird.
Seit Juni 2019 gibt es die Regionalgruppe der Surfrider. Ebenso lange gibt es das „Cleanup“, das Reinigen von Flüssen und Gewässern von Unrat. „Unsere Motivation als Surfer und Paddler ist, den Müll, der am und im Wasser zurückgelassen wird, zu sammeln, um zu verhindern, dass er weitergetragen wird in die Meere“, erklärt Franken.
Ekel, Unverständnis, Kopfschütteln – all das ruft der unbedacht entsorgte Müll bei Andreas Henrich hervor. Er hat vor gut einem Jahr mit dem Stand-up-Paddling angefangen. „Es macht auch in gewisser Weise Spaß, weil es einen Effekt hat, eine Art Belohnungssystem: Man sucht, findet etwas und ist froh, etwas erreicht zu haben“, führt der Hockenheimer aus. Die Mischung aus Paddeln und dabei gleichzeitig etwas Gutes zu tun, hat Beate Gottwald aus Kandel an den Altrhein getrieben. Ihr kuriosester Fund in den vergangenen zwei Jahren? „Ein Motor von einem Moped“, sagt Gottwald.
Reste von Partyabend
Ansonsten hat sie gefunden, was auch bei den anderen den Bärenanteil dargestellt hat: Wohlstandsmüll aller Art, Plastik in allen Variationen. „Das Schockierende ist, dass man oft einen Partyabend nachvollziehen kann – angefangen bei Flaschen und Bechern über Verpackungen und Essensreste bis hin zu Zigarettenkippen“, schildert Mario Schlindwein. Der Surfrider kommt aus Leimen.
Für ihn ist unverantwortlich und unverständlich, dass der Abfall nicht mitgenommen und ordentlich entsorgt wird. Umso mehr freut Schlindwein die Resonanz auf die Aktion am Otterstädter Altrhein. Seine Einschätzung, dass immer mehr Menschen achtsam und empfänglich für mehr Naturschutz sind, teilt Franken.
„Ich hätte nie gedacht, dass so viele heute zu dieser Aktion kommen. Das zeigt, dass ein Bewusstseinswandel stattgefunden hat“, meint der Organisator. Zweieinhalb Stunden sind die Mitstreiter – unterm Strich gut 50 Personen – auf und am Wasser unterwegs, soweit es der Rheinpegel zulässt. „Der Wasserstand hat ein bisschen Land weggenommen, an das wir jetzt nicht rankommen“, sagt Franken. Doch letztlich wird genug zusammengetragen. Die erstmals eingesetzte Kofferwaage lügt nicht. Auch größere Teile sind dabei: Radkappen, leere Kanister, Gummistiefel und eine alte Nähmaschine, die – so Franken – fast schon Antikwert hat.
So frustrierend die Müllmenge auch ist, sie steigert gleichzeitig die Motivation der Surfrider, weiterhin beim Cleanup die Greifzangen und Müllhaie – an schöpfkellenähnlichen Vorrichtungen angebrachte Abfallsäcke – zum Einsatz zu bringen.