Rhein-Pfalz Kreis 40 Jahre mit Bach und Co.

BÖHL-IGGELHEIM. Wenn Friedhelm Kunz über Kirchenmusik spricht, gerät er ins Schwärmen. Besonders die Werke von Johann Sebastian Bach begeistern den Leiter des Protestantischen Kirchenchors Böhl bis heute. Sie begleiten ihn fast sein ganzes Leben lang. Musik ist nicht nur der Beruf, sondern auch die Berufung des 64-Jährigen. Für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement hat er jetzt die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz bekommen.
Beim Protestantischen Kirchenchor in Böhl feiert Kunz diesen Sommer sein 40-jähriges Jubiläum als Chorleiter. Genauso lange wohnt er in Bornheim (Kreis Südliche Weinstraße) und nimmt für die wöchentlichen Proben freitagabends und für die Auftritte jedes Mal die Fahrt auf sich – bei Wind und Wetter. Nach seinem Studium der Musik und Geografie hatte der angehende Lehrer 1975 verbreiten lassen, dass er gerne einen Chor leiten würde. Werner Voltz, damals Kantor in Landau, legte ihm die Böhler ans Herz. „Dann habe ich eine Probestunde gemacht. Seither besteht die große Liebe“, erinnert sich Kunz. Damals sei der Kirchenchor noch etwa 60 Stimmen stark gewesen, heute sind rund 35 Sänger aktiv. „Wir sind miteinander alt geworden“, sagt der Chorleiter. Nachwuchs komme nicht mehr, da jüngere Sänger eher in den Gospelchor eintreten würden. Das Repertoire umstellen möchte der 64-Jährige aber nicht, weil für ihn der Chor und traditionelle geistliche Musik zusammengehören. „Ich streue immer mal wieder zeitgenössische Lieder ein“, erklärt er, „aber nicht auf Englisch. Die Leute sollen es ja auch verstehen.“ Für ihn sind die Texte bis heute lebendig und in verschiedenen Lebenssituationen hilfreich. In Kontakt mit Musik kam er bereits als Kind. Friedhelm Kunz wurde am 20. September 1950 geboren und wuchs in Ebertsheim bei Grünstadt auf. „Meine Mutter hat Klavier gespielt“, erzählt Kunz. Obwohl die Eltern kaum Geld gehabt hätten, habe eines Tages plötzlich ein Klavier im Wohnzimmer gestanden. Seine Schwester und er bekamen dann Musikunterricht. Und weil die Eltern in der Kirchengemeinde sehr aktiv waren, wuchsen auch die Kinder in diese Strukturen hinein. Dass aus der Liebe zur Musik ein Beruf wurde, liegt wohl auch an der Förderung, die Kunz in der Schule erhielt. „Ich habe halt die richtigen Lehrer gehabt.“ So sang er schon in jungem Alter in Chören und durfte seinen Musiklehrer zu Musikaufnahmen in Mainz begleiten. Von 1965 bis 1970 besuchte er das kirchenmusikalische Seminar und nahm dann 1970 das Musikstudium mit Schwerpunkt Orgel auf. Parallel leitete er bereits zwei Kirchenchöre in Eisenberg und Kerzenheim. Mit seiner Leidenschaft für die sakrale Musik ist es dem Musik- und Erdkundelehrer als Leiter des Oberstufenchors über die Jahre hinweg auch gelungen, seine Schüler zu begeistern – in seinen ersten Lehrer-Jahren in Pirmasens und seit 1981 am Max-Slevogt-Gymnasium in Landau. „Viele singen nach wie vor noch gerne“, weiß er von Ehemaligen. Einige werden auch bei dem großen Konzert dabei sein, mit dem Kunz im Sommer in den Ruhestand verabschiedet wird. Der Pädagoge freut sich, dass er mit seinem Unterricht so viele Schüler beeinflussen konnte. Ihm sei es immer wichtig gewesen, Musik nicht nur analytisch zu vermitteln, sondern auch deren Inhalt. Bei verschiedenen Exkursionen habe er die jungen Leute so auch an die Bedeutung der sakralen Musik herangeführt. „Und die Schüler haben nie gemeckert.“ Als Studiendirektor ist er bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Neustadt auch für die Musikfachberatung von nahezu 60 Gymnasien zuständig. Außerdem ist Kunz seit 1987 Rechnungsführer beim „Verband deutscher Schulmusiker Rheinland-Pfalz“ (VDS). In Bornheim ist der 64-Jährige zudem stellvertretender Vorsitzender des Presbyteriums und spielt seit 30 Jahren die Kirchenorgel. Auch auf seine Kindern ist der Funke übergesprungen. Tochter Katharina ist ausgebildete Konzertsängerin und arbeitet als festes Ensemble-Mitglied des MDR-Rundfunkchors. Die Söhne Andreas und Christoph sowie die jüngste Tochter Kirsten sind der Musik ebenso verbunden. „Im Abschlusskonzert werden alle vier zum ersten Mal gemeinsam im Chor singen“, freut sich ihr Vater. Seine Frau Hanna, mit der er im Sommer den 40. Hochzeitstag feiert, ist ebenfalls Musikerin. Sie gestaltet seit über 20 Jahren Kindergottesdienste und vertritt ihren Mann an der Orgel, wenn dieser verhindert ist. Friedhelm Kunz ist ihr sehr dankbar, dass sie ihn immer in seinem Wirken unterstützt hat, obwohl durch sein vielfältiges Engagement nur wenig Zeit für die Familie blieb. „Sie ist ein Geschenk des Himmels“, sagt er über Hanna Kunz. Wenn ihm der Ruhestand bald mehr Zeit lässt, möchte der Bornheimer mit seiner Frau „auch mal außerhalb der Schulferien“ durch Deutschland reisen. Seinen Chor in Böhl will er vorerst nicht aufgeben und vielleicht sogar selbst wieder als Sänger anfangen. Aber zwanghaft nach einer Beschäftigung suchen, möchte er nicht. „Ich kann auch im Nichtstun zufrieden sein“, sagt er und lächelt verschmitzt.