Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel 30 Jahre Schreiwer-Hais’l: „Mer lossen’s rischdisch krache!“

Beate Holzwarth – hier mit einem Foto von Claus Jürgen Müller – führt das Schreiwer-Hais’l weiter.
Beate Holzwarth – hier mit einem Foto von Claus Jürgen Müller – führt das Schreiwer-Hais’l weiter.

Das Schreiwer-Hais’l feiert Jubiläum. Im Interview mit Gereon Hoffmann erzählt Beate Holzwarth, warum sie das Werk des verstorbenen Claus Jürgen Müller weiterführt.

Frau Holzwarth, wie hat denn das Schreiwer-Hais’l angefangen?
Das war eine Idee von Emma Müller, Claus Jürgens Mutter, auf einer Familienfeier. Daraus ist dann ein Mundart-Marathon geworden. Es war von Anfang an klar, dass es dabei um die Kurpfälzer Mundart gehen soll. Als regelmäßige Reihe ist das 1995 gestartet, damals noch bei Emma Müller im Hof auf dem Dörfel oder im Pfarrsaal gegenüber der Lutherkirche.

Paul Tremmel
Paul Tremmel

Und wer hat da mitgemacht?
Paul Tremmel war schon dabei, er kommt ja jetzt auch wieder zu unserer Jubiläumsfeier – mit 96 Jahren! Dabei waren auch Bruno Hain, Dieter Presoli, der auch kommt, und viele andere. Und natürlich Claus Jürgen selber mit eigenen Texten. Daraus wurde dann die Reihe „Kultur auf dem Dörfel“.

Ingrid Noll
Ingrid Noll

Da sind auch Leute aufgetreten, die echte Stars wurden?
Am berühmtesten, international gesehen, ist Krimiautorin Ingrid Noll. Ihre ersten Geschichtensammlungen hat Claus Jürgen in seinem CJM-Verlag veröffentlicht. Sie ist immer treu geblieben, ist bei uns aufgetreten, und hat ihn als ihren Mentor bezeichnet, der sie zum Schreiben ermutigt habe. Die sprachwissenschaftliche Doktorarbeit von Christian „Chako“ Habekost ist im CJM-Verlag erschienen, und Chako ist auch bei uns aufgetreten, da kannte ihn noch niemand. Claus Jürgen ist auch mit „De Pälzer un’ de Türk“ aufgetreten – das war Bülent Ceylan.

Chako Habekost
Chako Habekost

Während die alle noch unbekannt waren, kamen ja auch viele schon bekannte Mundart-Stars zu Ihnen?
Paul Tremmel war schon bekannt. Er hatte damals in der RHEINPFALZ die Kolumne „Reim druff“. In Radio und Fernsehen war Elsbeth Janda sehr bekannt, die galt als „Grande Dame“ des Kurpfälzischen Dialekts.

Bülent Ceylan
Bülent Ceylan

Wie kamen die Kontakte zustande?
Claus Jürgen hat damals selbst Kabarett beim Südwestfunk gemacht, neben seiner Arbeit als Journalist. In beiden Bereichen hat er viele Leute kennengelernt. Und alle fanden die Idee toll, ausdrücklich Mundart zu machen.

Wann sind Sie eigentlich dazu gekommen?
Ich kannte Claus Jürgen schon ewig lange und habe „offiziell“ ab 2005 mitgeholfen. Dann wurde ich ziemlich schnell „Mutter der Kompanie“, wie er mich dann vorstellte. Später sind wir dann ein Paar geworden. Im August 2008 sind wir zusammen in die Lillengasse gezogen, wo die Reihe zum „Schreiwer-Hais’l“ umbenannt wurde.

Schreiwer Hais’l-Gründer Claus Jürgen Müller starb im April 2016.
Schreiwer Hais’l-Gründer Claus Jürgen Müller starb im April 2016.

Und dann ist 2016 Claus Jürgen plötzlich verstorben – aber Sie haben weiter gemacht?
Das war ein Schock für uns alle, aber ich hatte bald das Gefühl, dass ich die Reihe weiter führen sollte. Das hätte sich Claus Jürgen auch gewünscht. Das haben auch alle Künstler gesagt und mir Unterstützung angeboten. Dafür bin ich auch sehr dankbar, denn ohne die Künstler und das treue Publikum hätte ich das nicht geschafft. Claus Jürgen ist am 8. April gestorben, am 29. Mai haben wir eine große Hommage gemacht, mit vielen Künstler-Freunden und Wegbegleitern. Da haben wir erklärt, dass wir weiter machen. Ich glaube, das ist die beste Art, die Erinnerung an ihn und seine Arbeit für die Mundart zu bewahren und fortzuführen.

Das Schreiwer-Hais’l läuft auch sehr gut. Gibt es etwas, das Sie neu oder anders machen?
Natürlich verpflichtet die Tradition, aber ich versuche auch, neue Ideen einzubringen. Es gab Veranstaltungen mit anderen Mundarten, wie Schwäbisch, Bayerisch und Fränkisch, dann bringe ich öfter Mundart mit Liedern und Musik. Ich habe auch eigene Entdeckungen, wie etwa die „Mörderischen Schwestern“ mit ihren Krimis oder Christian Bechinger als Mönch Bruder Leonardo.

Wir wird die Jubiläumsfeier am Sonntag?
„Mer lossen’s rischdisch krache!“ Das Duo Kief & Illner machen Musik, mit Paul Tremmel und Dieter Presoli sind buchstäblich Männer der ersten Stunde dabei und es kommen noch viele weitere Künstler aus den vergangenen 30 Jahren.

Termin

Jubiläumsfeier 30 Jahre Schreiwer-Hais’l am Sonntag, 3. August, 11 Uhr, Lillengasse 5, Schifferstadt. Karten und weitere Informationen gibt es unter Telefon 0157 35744502.

x