Speyerer Umland
20 Jahre Wikipedia: Umland-Gemeinden in der Internet-Enzyklopädie
Wer ist wirklich einzigartig?
Ortsnamen, die es weltweit nur einmal gibt, sind bei einer Internet-Suche klar im Vorteil: Die Otterstadter zum Beispiel erwähnen gerne mal, wie einzigartig ihr Dorfname ist. Aber auch bei den Suchanfragen Hanhofen, Schwegenheim oder Lingenfeld weiß Wikipedia sofort, um wen es geht. Schlechter sieht’s da für Dudenhofen aus (konkurriert mit einem Rodgauer Stadtteil). Auch Harthausen gibt’s mehrfach. Bitter für Römerberg: Als erstes schlägt Wikipedia den bekannten Platz in Frankfurt am Main vor, erst an dritter Stelle kommt „unser“ Römerberg. Mit Abstand am meisten Konkurrenz hat aber Waldsee: Neun Orte dieses Namens kennt die Internet-Enzyklopädie, auch wenn manche nur Ortsteile sind, ein „Bad“ im Namen tragen oder längst anders heißen, weil sie in Ostpreußen lagen. Hinzu kommen noch 24 „Stillgewässer“ dieses Namens sowie etliche Burgen und Familiennamen mehr oder weniger bekannter Personen namens Waldsee.
Wer hat den Längsten?
Der Ort mit den meisten Einwohnern muss nicht zwangsläufig auch den längsten Wikipedia-Artikel haben. Klar, bei einer von den Nutzern geschriebenen Enzyklopädie hängt das auch davon ab, ob sich jemand findet, der die Einträge pflegt. Im Speyerer Umland geht Harthausen als knapper Sieger hervor, wenn man die ausgedruckten Seiten nebeneinander legt. Hauptgrund ist allerdings, dass die Gasexplosion, die 2013 den Ort erschütterte, in einem ausführlichen Unterkapitel mit mehreren Bildern abgehandelt ist. Ansonsten sind die Texte über die Dörfer im Speyerer Umland in ihrer Grundstruktur ähnlich aufgebaut: Einem kurzen geografischen Abriss folgt meist ein etwas ausführlicherer Geschichte-Teil. Dann kommen Infos über die Einwohnerentwicklung und die politischen Verhältnisse. Für die Kulturdenkmäler wird teils auf eigene Unterseiten verwiesen. Recht knapp ist meistens das Thema Wirtschaft abgehandelt. Für Harthausen heißt es hier nur: „Im Ort wurde früher Tabakanbau betrieben.“ Heutige Firmen Fehlanzeige. Ähnlich dürftig sieht es beim Thema Infrastruktur aus.
Wo ist der Promi-Hotspot?
Am Ende jedes Wikipedia-Artikels über die Ortschaften rund um Speyer findet sich stets eine Rubrik in der Art „Söhne und Töchter der Gemeinde“. Stellt sich die spannende Frage: Wo ist der Promi-Hotspot in den Landgemeinden? Auch hier gilt es zu bedenken: Wikipedia ist das, was die Nutzer daraus machen. Und für Dudenhofen gab es offenbar einen Lokalpatrioten, der besonders viele Persönlichkeiten recherchiert und unter diesem Punkt vermerkt hat. Vor allem in der Unterrubrik „Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben“ gibt es ein buntes Potpourri an „Promis“. Besonders Theologen, Politiker und Sportler ließen sich offenbar gern in Dudenhofen nieder – angefangen beim einstigen Bischof Nikolaus von Weis über Bahnradsportler wie der 2000er-Olympiastarter Jan van Eijden bis hin zu Ex-Landtagsvizepräsident Jürgen Creutzmann. Für manche bekannte Persönlichkeit dürften sich die heutigen Bewohner eines Orts eher schämen – so wie wahrscheinlich die Lingenfelder für Nazi-Gauleiter Josef Bürckel.
Wie aktuell sind die Informationen?
Der klare Vorteil einer Internet-Enzyklopädie gegenüber einem gedruckten Werk: Die Informationen können immer auf dem neuesten Stand gehalten werden. Doch wird das auch bei Einträgen, die wahrscheinlich nicht täglich aufgerufen werden, zum Beispiel jene über die Dörfer im Speyerer Umland (nichts für ungut), auch tatsächlich gemacht? Hier kann man festhalten: Die Artikel sind erfreulich aktuell. Die politischen Mehrheitsverhältnisse, die sich bei den Kommunalwahlen vor anderthalb Jahren ergeben haben, sind alle eingearbeitet. Auch die damals neu zu Bürgermeistern gewählten Personen sind korrekt aufgeführt. Die genannten Einwohnerzahlen stammen meist aus dem Jahr 2019, was auch die neuesten Daten sind, die man beim Statistischen Landesamt abrufen kann.
Stimmt alles, was da steht?
Ob tatsächlich jedes historische Detail stimmt, ist ohne tiefgehende Recherche nur schwer zu beantworten. Grobe Fehler fallen bei der Durchsicht der Artikel nicht ins Auge. Interessant ist ein Blick in die Diskussionsseiten zu den jeweiligen Texten. So hat ein Otterstadter offenbar bereits mehrmals den Artikel dahingehend geändert, dass das Ortswappen einem Schiffssteuerrad nachempfunden sei, was er so einst in der Schule gelernt habe. Ein anderer Wikipedia-Mitschreiber hat diese Anmerkung daraufhin stets wieder entfernt, weil sie nicht belegt sei. Beim Artikel über Harthausen werden Ungereimtheiten und unbelegte Behauptungen im Abschnitt über die Dorfgeschichte moniert. Offensichtliche Fehler werden also wohl recht zuverlässig verbessert, wie aus dem Diskussionsprotokoll hervorgeht – zum Beispiel, dass Römerberg an Hanhofen angrenzt. Problematisch ist da schon eher die oft recht willkürliche Auswahl der Informationen. So gibt es unter der Rubrik Natur im Artikel über Hanhofen nur zu erfahren, dass 2006 dort eine Pfauenfliege gesichtet wurde. Und über die Hanhofener Wirtschaft gibt es überhaupt keine Infos.