Rhein-Pfalz Kreis „1988 wollte ich noch Bundeskanzler werden“
«Bobenheim-Roxheim.» Die Altrheingemeinde Bobenheim-Roxheim feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. 1969 schlossen sich die beiden Ortsteile zu einer Gemeinde zusammen. Seit fünf Jahren leitet Michael Müller (SPD) die Belange von Bobenheim-Roxheim. Der 49-Jährige ist der erste von bisher fünf Bürgermeistern, der jünger ist, als die Fusionsgemeinde selbst. Wir haben mit dem Verwaltungschef über das bevorstehende Jubiläum und seine Arbeit als Bürgermeister gesprochen.
Ich hätte gelacht. 1988 wollte ich nämlich noch Bundeskanzler werden. Diesen Berufswunsch schrieb ich so jedenfalls in die damals beliebten „Steckbrief“-Bücher der Klassenkameraden. Ich war schon als Jugendlicher politisch sehr interessiert. Ich hatte in der Oberstufe Sozialkunde als Leistungsfach genommen und bin mit 18 in die SPD eingetreten. Persönlichkeiten wie Willy Brandt und Helmut Schmidt haben mich schon in meiner Jugend sehr beeindruckt. Zurückblickend wollte ich meine Mitschüler mit dem Eintrag aber wohl eher verblüffen. Die „Großgemeinde Bo-Ro“ und Sie sind ziemlich gleich alt. Sie sind nach der Gemeinde-Fusion 1969 hier großgeworden. Wo hatten sie als junger Mensch mehr Freunde – in Bobenheim oder in Roxheim? 1970 geboren gehöre ich dem ersten Jahrgang an, der komplett in der fusionierten Gemeinde zur Welt kam. Meine Großmutter sprach mir gegenüber noch davon „niwwer noch Roxem“ zu gehen, wenn sie im anderen Ortsteil Besorgungen zu erledigen hatte. Ich besuchte in den 1970er Jahren den St. Laurentius Kindergarten und dann die Pestalozzi-Grundschule. Da beide im Ortsteil Bobenheim liegen, lernte ich auch hier meine ersten Freunde kennen. Dann kickte ich bei der SG 08 Bobenheim, wo es auch kaum Roxheimer Kinder gab. Auf dem Gymnasium in Worms kamen dann dortige Freunde dazu, aber auch zwei Mädchen aus Roxheim. So vermischte sich dann mein Freundeskreis. Spätestens mit der gemeinsamen Kerwe, die wir seit 2015 feiern, dürfte auch der kulturelle Zusammenschluss endlich vollzogen sein. Auch die SG 08 ging schon vor 25 Jahren in den SC auf. Heutige Kinder und zugezogene Neubürger wissen in der Regel nicht, in welchem (früheren) Ortsteil sie wohnen und das ist für sie auch nicht von Belang. Sie sind Bobenheim-Roxheimer und wir alle, jung wie alt, Ureinwohner oder frisch Zugezogene, feiern dieses Jahr zusammen unsere „Goldene Hochzeit“. Bobenheim-Roxheim als womöglich zukünftiger Stadtteil von Frankenthal mit einem Ortsvorsteher: Was fällt ihnen zu dieser Zukunftsvision ein? Nach heutigem Stand stellt sich diese Frage auf lange Sicht nicht. Aus Mainz wird mir versichert, dass Bobenheim-Roxheim mit rund 10.300 Einwohnern sowohl von der Bevölkerungsgröße her aber auch wirtschaftlich eigenständig bleiben wird. Bei dieser Ausgangslage würde ich mit allen Mitteln um unsere weitere Souveränität kämpfen, wie Frankenthal dies derzeit ja auch tut. Offenbar will auch der dortige Oberbürgermeister nicht Ortsvorsteher eines Ludwigshafener Ortsteils werden. | Interview: Helmut Weick