Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel 16-Jähriger betreut halbe Million Bienen

Im heimischen Garten in Waldsee: Leon Becht mit einem Waben-Register, auf dem sich die Bienen tummeln.
Im heimischen Garten in Waldsee: Leon Becht mit einem Waben-Register, auf dem sich die Bienen tummeln.

Leon Bechts Liebe gilt den Bienen. Der 16-Jährige aus Waldsee kümmert sich in den Sommermonaten um eine halbe Million dieser Insekten. Durch sein Hobby – die Imkerei – möchte der Naturliebhaber die Welt lebenswerter machen und hat damit schon andere Menschen angesteckt.

Als Leon Becht noch in der Grundschule war, weckte ein Vortrag von Klaus Eisele, dem Vorsitzenden des Imkerverbands Rheinland-Pfalz, seine Begeisterung für die Bienen. Der Waldseer, der auch Messdiener ist, durfte später Dekan Frank Aschenberger mit dessen Bienen helfen, als dieser 2018 mit der Imkerei begann. Ein Jahr darauf gab es die Überraschung: Becht bekam zu Ostern ein eigenes Bienenvolk geschenkt. „Ich habe im Garten meiner Großeltern Ostereier gesucht und plötzlich stand dort ein Bienenstock“, erinnert sich der 16-Jährige und lacht.

Mittlerweile ist es nicht mehr nur ein Bienenvolk, das der Waldseer betreut, sondern es sind 15. Hinzu kommen die Ableger, die bei ihm zu Hause im großen elterlichen Garten am Rand von Waldsee stehen. „Hier werden die Äcker zu intensiv genutzt und es blüht auch zu wenig“, sagt Becht und erklärt, dass er den Honig deshalb seinen Bienenvölkern entnimmt, die er am Rand des Naturschutzgebietes Neuhofener Woog, im Maudacher Bruch und nahe der Waldseer Streuobstwiesen stehen. „Dort ist es für die Bienen einfacher Pollen und Nektar zu finden“, sagt Becht, der Mitglied im Kreisimkerverein Ludwigshafen ist.

Bisher wenig Honig

Dieses Jahr ist dem Waldseer zufolge kein einfaches für Imker. Aufgrund des regnerischen Wetters konnten die Bienen noch nicht viele Pollen und Nektar sammeln. „Die Frühjahrstracht ist fast ein Totalausfall“, sagt der 16-Jährige. Normalerweise bringt ihm ein Volk rund 20 Kilogramm Honig. Wie viele es dieses Jahr werden, kann er noch nicht abschätzen. „Im August ernte ich nicht mehr so viel, damit die Bienen ihren Honig zum Überwintern haben“, sagt Becht, der fair imkern will.

Die Bienen und ihr Verhalten faszinieren den 16-Jährigen, der sich durch Vorträge, Eigenrecherche und „Imkervater“ Frank Aschenberger viel Wissen angeeignet hat. Das Imkern macht ihm Spaß, weil er nach ein bis zwei Wochen immer die Auswirkungen des eigenen Handelns sehe. „Man muss viel planen, vorausschauen und Verantwortung für Hunderttausende von Lebewesen übernehmen“, fasst der Zehntklässler des Speyerer Nikolaus-von-Weis-Gymnasiums zusammen.

Für ihn ist das Imkern Entspannung, da die Bienen zur Ruhe zwingen. „Wenn ich hektisch bin, werden es die Bienen auch“, sagt Leon Becht, der keine Angst mehr vor Stichen hat. Er schafft es manchmal durch seine ruhige Ausstrahlung und Erfahrung auch ohne Schutzanzug an den Bienenstöcken zu arbeiten.

Mit allen Sinnen dabei

An seinem vielseitigen Hobby, für das er während der Corona-Pandemie noch mehr Zeit aufbringen kann, gefällt ihm, dass es nie langweilig wird. „Es werden alle Sinne angesprochen. Hören, wenn das Bienenvolk beim Fehlen einer Königin braust. Riechen, wenn der Honig beim Öffnen der Beute duftet. Schmecken, wenn man den Honig probiert und je nach Sorte und Standort des Bienenvolks den unterschiedlichen Geschmack erkennt. Sehen, wenn man die Königin und die frisch gelegten Eier in den Wabenzellen sowie die Schwarmzellen entdeckt. Und Fühlen, wenn man gestochen wird“, erklärt Leon Becht und schmunzelt.

Der Naturliebhaber, der schon als Baby ständig im Garten seiner Großeltern unterwegs war, möchte die Welt lebenswerter machen, in dem er die Natur so gut es geht schützt. Im heimischen Garten finden sich Totholz, eine Trockenmauer, viele blühende Pflanzen und Stauden. Den Rasen mähen die Bechts erst im Juni, damit Wildkräuter sowie Klee, Löwenzahn und Gänseblümchen wachsen können. Außerdem ersetzen sie ihre Kirschlorbeerhecke durch heimische Weiden und Buchen. Sogar die Nachbarn hat die Familie schon mit ihrem Hobby angesteckt. Denn diese haben ihren Garten auch naturnaher gestaltet und extra bienenfreundliche Blumen angepflanzt.

Ohne die tatkräftige Unterstützung seiner Eltern könnte der 16-Jährige sein Hobby nicht in dem Ausmaß betreiben, wie er es tut. Auch finanziell greifen ihm seine Eltern unter die Arme, wobei sich Leon Becht „nichts mehr anderes als Geld für die Bienen“ zum Geburtstag wünscht, wie er lächelnd sagt. Denn das Zubehör für ein Bienenvolk kann bis zu 500 Euro kosten. Der Schüler legt dabei Wert auf Qualität und will gleichzeitig etwas Gutes tun, indem er seine Bienenbeuten in einer Behindertenwerkstatt fertigen lässt.

Mit roter Ape unterwegs

Besonders gefreut hat er sich im Frühjahr, als ein Imker aus Maudach sein Hobby aus familiären Gründen aufgab und Becht dessen Bienenvölker, das Zubehör sowie eine rote Ape übernehmen durfte. Mit dem Fahrzeug kann der 16-Jährige nun bald – wenn er den dafür notwendigen Führerschein gemacht hat – seine Bienenvölker transportieren. Sein Vater und er waren damit schon vor zwei Wochen in Speyer für Hilfsdienste im Einsatz, als Tausende Bienen ihren Königinnen gefolgt waren und damit aus Bienenstöcken in fremde Gärten ausgeschwärmt sind. Die Bechts haben die Bienen eingefangen, indem sie den Schwarm mit Wasser besprühten und die Bienen dadurch einfacher zurück in eine Beute geben konnten. Der 16-Jährige und sein Vater sind immer wieder im Einsatz, um ausgeschwärmte Bienenvölker einzufangen. Selten sind es die eigenen. Wenn sich der Besitzer meldet, gibt Becht ihm seine Bienen wieder zurück. Wenn nicht, darf er sie behalten.

Imkervater als Mentor

„Imkern ist ein arbeits- und kostenintensives und schwieriges Hobby“, betont der 16-Jährige. „Ohne einen Imkervater, der einem quasi als Lehrling aufnimmt, sollte man mit dem Hobby nicht anfangen“, rät er. Der Zeitaufwand sei gerade in der Saison von April bis Juli sehr hoch. „Man muss sich wöchentlich um seine Bienen kümmern. Da braucht man auch eine Urlaubs- und Krankheitsvertretung“, weist Becht hin. Er macht deutlich, dass Bienen – wie Hunde und Katzen – von der Pflege des Menschen abhängig seien und ohne Imker nicht überleben könnten. Becht findet deshalb, dass nicht jeder Bienen halten sollte. „Im Gegenteil! Wichtiger ist viel mehr, dass wir unsere Gärten naturnah gestalten, um Bienen, Insekten und Vögeln Nahrung und Wohnmöglichkeiten zu bieten“, sagt der 16-Jährige, dem die Leidenschaft für sein Hobby jederzeit anzumerken ist.

Zur Sache: Mit Bienen Unwetter voraussagen

Im Garten des Waldseers Leon Becht steht ein Bienenstock, der mit einer Innen- und Außenkamera sowie zahlreichen Sensoren ausgestattet ist. Den „Hightech-Bienenstock“ hat der 16-Jährige für die Teilnahme am Wettbewerb „we4bee“ der Universität Würzburg um den Verhaltensforscher und Bienenexperten Professor Jürgen Tautz bekommen. Sein Vater habe extra einen Internetanschluss in den Garten gelegt, freut sich Becht. Bei dem Forschungsprojekt geht es darum, mit dem Verhalten von Bienen Naturereignisse besser vorherzusagen. „So kann man zum Beispiel Unwetter vorhersagen“, sagt Becht. Solche Forschungsbeuten der Uni Würzburg gibt es an 100 Standorten in Deutschland. Weitere Informationen sind unter www.we4bee.org zu finden.

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