Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Über mutige Frauen: Katrin Tempel liest in Böhl-Iggelheim

Die Anreise war kurz: Von Bad Dürkheim braucht Autorin Katrin Tempel nur 20 Minuten nach Böhl-Iggelheim zur Lesung.
Die Anreise war kurz: Von Bad Dürkheim braucht Autorin Katrin Tempel nur 20 Minuten nach Böhl-Iggelheim zur Lesung. Foto: evhe

Viele Lesefreunde pilgern ins Pfarrzentrum nach Böhl-Iggelheim. Dort lauschen sie Autorin Katrin Tempel, die in der Katholischen Öffentlichen Bücherei zwei ihrer neuen Romane vorstellt und über ihre Vorliebe für’s 19. Jahrhundert spricht.

„Zum ersten Mal hatte ich eine Anreise unter 20 Minuten“, freute sich Autorin Katrin Tempel und plauderte gleich noch ein wenig aus dem Nähkästchen. In Düsseldorf geboren und in München aufgewachsen, sei sie vor zwölf Jahren nach Bad Dürkheim gekommen, wo sie mit ihrem Mann Georg, einem überzeugten Pfälzer, und ihrer gemeinsamen Tochter seitdem lebe. Von dort war es nicht weit zur Lesung in der Katholischen Öffentlichen Bücherei in Böhl-Iggelheim.

Zunächst als Journalistin tätig, wurde Tempel später Chefredakteurin einiger Zeitschriften. Mit dem Schreiben von Kinderbüchern begann sie 2004 ihre Karriere als Buchautorin. Beruflich war die Zusammenarbeit mit dem Schneider-Verlag zunächst weniger erfolgreich, dafür aber privat um so mehr. 2008 heiratete sie den Verlagsleiter. Es folgte „Erwachsenstoff“ und das Drehbuch zum ZDF-Zweiteiler „Dr. Hope“, das sie gemeinsam mit Torsten Dewi schrieb.

Ein Toter im Rhein und ein neues Leben

„Für mich ist das 19. Jahrhundert eine unglaublich spannende Zeit“, erzählte Tempel. In diese hat sie auch die Heldinnen ihrer beiden Romane versetzt, die sie mit in die Katholische Öffentliche Bücherei gebracht hat. Als Einstieg in die Lesung von „Über dem Meer die Freiheit“ diente eine bittere Botschaft aus der Zeitung: „Im Rhein ertrunken“. Die junge Protagonistin Charlotte Trautmann aus Neustadt muss auf diese Weise erfahren, dass ihr Verlobter, der Winzer Friedrich Wirth, bei dem Versuch, Wein über den Rhein zu schmuggeln, ums Leben gekommen ist. Man schrieb das Jahr 1832, Charlottes Vater Christian hatte die Flugblätter, die zum Protest gegen die hohen Zölle der Bayern aufriefen, gedruckt und Friedrich deswegen noch den Wein vom letzten Jahr im Keller. Um seiner künftigen Ehefrau eine Zukunft bieten zu können, geht er ein zu hohes Risiko ein und schließlich steht Charlotte allein da. Der Vater wird nach dem Hambacher Fest inhaftiert und ihr bleiben letztendlich nur zwei Optionen: Sie kann den Zollbeamten Ludwig Gruber heiraten und unglücklich werden – oder fliehen. Sie entscheidet sich für letzteres und tritt, mit einer neuen Identität als Mann, eine abenteuerliche Reise nach Amerika an.

Die erfolgreiche Frau und der Hausmann

„Ich lade sie zu einem ganz großen Sprung ein“, sagte die 52-jährige Tempel nach der Pause. Auf der Suche nach einer spannenden Frau, die ein Kochbuch geschrieben hat, war die studierte Historikerin auf Lina Morgenstern gestoßen, deren Lebensgeschichte sich in „Das Novembermädchen“ spiegelt. 1830 in als Tochter des königlichen Hoflieferanten Albert Bauer in Breslau geboren, lernt Lina 1846 Theodor Morgenstern kennen und heiratet diesen 1854, trotz anfänglicher Widerstände durch die Eltern. Diese halten ihn nämlich für einen glutäugigen Revolutionär mit wenig Geschick fürs Kaufmännische. Nachdem dieser das Kaufhaus für Pariser Mode in Berlin, das die Schwiegereltern ihm zur Hochzeit überschrieben hatten, nach drei Jahren in die Insolvenz geführt hat, beschließt das Paar eine für die damalige Zeit revolutionäre neue Arbeitsteilung. Lina schreibt Bücher, widmet sich sozialem Engagement, aus dem auch politischer Kampf wird und begründet 1868 die erste Suppenküche. Ihr Mann dagegen kümmert sich um die Erziehung der fünf Kinder und die Organisation des Haushalts. „Ganz genau stehen die Geschichten in den Büchern, von denen es glücklicherweise noch einige zu kaufen gibt“, beendete Tempel ihren Vortrag.

Dieser Ausstieg zeigte Wirkung: Viele Leser ließen sich das just gekaufte Buch signieren – und die Schlange bewies: der literarische Ausflug ins 19. Jahrhundert hat gefallen. Fasziniert von dem regionalen Bezug in Tempels historischen Romanen zeigte sich auch Moderatorin Birgit Schmitt. Ebenso sei die Flüchtlingsthematik hochaktuell. Die Inhalte kannte sie schon vorab: „Ich habe beide Bücher gelesen.“

Lesezeichen

„Über dem Meer die Freiheit“ und „Das Novembermädchen“ von Katrin Tempel, erschienen im Piper-Verlag. Sie kosten jeweils 10 Euro als Taschenbuch.

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