Rhein-Pfalz Kreis Äpfel mit Sonnenbrand

Mais liebt eigentlich die Wärme. Trotzdem sieht er auf diesem Feld bei Bobenheim-Roxheim, an dem unser Fotograf gestern vorbeige
Mais liebt eigentlich die Wärme. Trotzdem sieht er auf diesem Feld bei Bobenheim-Roxheim, an dem unser Fotograf gestern vorbeigefahren ist, nicht glücklich aus.

„Ab 35 Grad schließen sich bei Pflanzen die Poren“, sagte der Beindersheimer Reinhard Schubach. Dieser Hitzeschutz stoppe das Wachstum und verhindere auch die Aufnahme von Wasser. Zeitweise war er während der Hitzewelle „nur noch am Beregnen, das kostet richtig Diesel“. Und sparsame Tröpfchenbewässerung wäre mit Zusatzkosten verbunden. „Subventionen wollen wir nicht“, sagt Schubach klar. „Aber der Wert der Lebensmittel sollte hochgeschätzt und mehr dafür ausgegeben werden. Dann ist einiges machbar.“ Kohlsorten mögen keine hohen Temperaturen. Dazu kommt, dass die Kohlschädlinge heuer überhand nehmen. Der Bioland-Hof Morgentau in Kleinniedesheim musste die Felder mit Vlies abdecken und beregnen, sagte Benjamin Gräf. Mais und Süßkartoffel liebten die Wärme, Zwiebeln dagegen bekämen auch unter der Erde Verbrennungen, weil sich die Erde rundum zu stark aufheize. Hinzu komme, dass das schützende Laub absterbe und frühere Ernten notwendig werden. Zuwächse im Ertrag sieht er in diesem Jahr nicht. Für künftige extreme Hitzeperioden wären Veränderungen im Anbauverfahren hilfreich, etwa Böden mit Mulch abzudecken. Gemüsebauer Joachim Knoll aus Lambsheim sieht die Qualität seiner Produkte leiden – trotz Beregnung. Eine Alternative wäre für ihn, künftig nur im Frühjahr und Herbst anzubauen und im Sommer zu pausieren. Wie andere Kollegen auch musste er in diesem Sommer häufig frühmorgens und spätabends draußen sein. „Auf Dauer fehlt uns aber die Zeit“, befürchtet er. Sein Lambsheimer Kollege Dietmar Tartter hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Der Notfallplan des Beregnungsverbands schränke sehr ein, meinte Tartter. Er vermutet, dass Betriebsinhaber früher in Rente gingen, anstatt zu investieren, wenn die Hitzewellen im Sommer zunähmen. Tag und Nacht beregnet der Betrieb Ulrich Schneider aus Dirmstein, „sonst gibt es keine Kartoffeln“, denn die bräuchten viel Wasser. Verluste seien zudem abzusehen, weil starke Regenfälle während der Unwetter die Dämme abgeschwemmt haben, sodass die schützende Erdschicht dünn ist. Erstmals in vielen Anbaujahren wurden Zuckerrüben beregnet, weil sonst die Hauptblätter braun werden und „nur noch das Herz steht“. Die Gefahr bestehe, dass die Rübe vertrocknet. Schlimmeres vermeiden, darauf zielt Albrecht Schmitt aus Bobenheim-Roxheim ab, denn das Ertragsniveau werde man nicht mehr aufholen können. Sollten sich extreme Sommer jährlich wiederholen, müsse sich die Landwirtschaft umstellen, vielleicht auf mediterrane Sorten. Seine Äpfel seien sehr stark von Sonnenbrand betroffen, sagte Obsthofinhaber Bernd Eberle in Dirmstein. Das bedeutet, dass das Fruchtfleisch braun wird und dass daraus weder Saft noch Brand hergestellt werden kann. Weil die jungen Bäume nicht viel Laub hätten, fehle ein Schattenspender. Eine künstliche Alternative wären Hagelnetze, sagt Eberle. Winzer Dennis Wolf aus Großkarlbach hat Stressschäden durch die Trockenheit bei den Trauben ausgemacht. Er besitzt Weinberge, die zu den großen Gewächsen zählen, das heißt der Kalkanteil des Bodens ist hoch. Doch diese Böden können im Vergleich zu lehmigen nur gering Wasser speichern. Mittlerweile bewässere er die ein- und zweijährigen Rebstöcke, deren Wurzel noch nicht tief genug sind, mit der Wasserlanze. Damit sticht er am Rebstock entlang in die Tiefe und bewässert. Durch die hohen UV-Werte befürchtet Wolf eine Geschmacksveränderung zum Negativen, gerade beim Weißwein. Rotwein dagegen werde vollmundiger und der Alkoholgehalt steige. Damit unterscheide sich der Wein allerdings kaum noch von jenem aus Hochtemperatur-Regionen. Wenn der Pfälzer und der Deutsche Wein an Filigranität verlören, fände er das sehr bedauerlich. „Man muss überlegen, was man tun kann, damit die Weine so köstlich bleiben wie sie sind.“ Sonja Merkel vom Kleinniedesheimer Weingut Merkel hofft, dass sich die Traube durch die frühe Entlaubung an die Sonneneinstrahlung habe gewöhnen können – „und doch ist Sonnenbrand an einzelnen Trauben zu erkennen“, sagt sie. Sie schätzt, dass die Winzer bei weiteren extremen Sommern sich an veränderte Reifebedingungen gewöhnen, aber auch mit einem anderen Weintypus rechnen müssen. „Da sich die Natur nicht wunschgemäß verhalten wird, bleibt uns nur eins, uns anzupassen und zu lernen, mit den neuen Bedingungen klarzukommen.

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