Pirmasens Zweibrücken, das Brasilien von Europa

Peter Kraus bot eine mitreißende Show samt Hüftschwung im Rosengarten.
Peter Kraus bot eine mitreißende Show samt Hüftschwung im Rosengarten.

Die Schlagernacht von SWR 4 und der Zweibrücker Rosengarten – das passt gut zusammen. Vor allem, wenn die Musik mit Lichteffekten und tollem Klang auf einer Bühne präsentiert wird, die von der Größe auch gut zu Rock am Ring passen würde. 3500 Besucher waren am Sonntagabend dankbar dafür.

Perfekt organisiert war der Abend. Sechs Vertreter ihres Genres boten einen Mix an, der allen Stilrichtungen des Schlagers gerecht werden sollte. Am schwersten hatte es Franziska Wiese, die den Abend um 18 Uhr eröffnete. Denn sie muss erst noch auf dem hart umkämpften Schlagermarkt positioniert werden. Wiese setzt auf poppige Klänge mit Geige und Ethno-Rhythmen und beweist, dass das Streben um sie berechtigt ist. Ihr elektrisches Instrument trägt sie nicht zur Dekoration. Zehn Jahre wurde die 30-Jährige auf dem Musikkonservatorium Cottbus an der Geige unterrichtet. Und so ganz losgekommen ist sie davon nie. Zum Auftakt passt ihre „Sinfonie der Träume“ als Motto für die knapp fünf Stunden Schlager jedenfalls gut. Francine Jordi beweist sich danach als Stimmungskanone. Vor knapp 20 Jahren hat die Schweizerin mit „Das Feuer der Sehnsucht“ den Grand Prix der Volksmusik gewonnen. Natürlich lässt sie dieses Feuer im Rosengarten leuchten. Davor reißt sie das Publikum für die erste von vielen Mitklatschrunden von den Stühlen. Schlager wie „Più bella cosa“ von Eros Ramazzotti sind dafür verantwortlich. Gewarnt habe man Jordi vor ihrem knapp halbstündigen Auftritt. Hier seien leidenschaftliche Leute im Publikum, denen sie gerecht werden müsse. Zweibrücken sei schließlich das Brasilien von Europa. Vor der Pause betritt eine Legende die Bühne. Peter Kraus hat eigentlich unlängst seine Abschiedstournee bestritten. Doch was den „Scorpions“ recht ist, darf dem deutschen Elvis billig sein. Kraus macht nun doch weiter und beginnt seine Show mit einem Lied neueren Datums. „Manchmal“ ist von 2007. Es dauert eine ganze Weile, bis der 78-Jährige Fahrt aufnimmt. Das tut er, indem er aus seiner eigentlichen Abschieds-CD „Zeitensprung“ „Hamma“ von Culcha Candela singt. Da hat er sich, wie Heino, Lieder von jungen Interpreten vorgenommen, sie aber in das Gewand der 50er Jahre gesteckt. Peter Kraus hatte damit nicht ansatzweise den kommerziellen Erfolg eines Heino, der zum Wohle seiner Kassen „Rammstein“ nachahmte. Dafür steckt in Kraus’ Variationen wesentlich mehr Kultur. Zum Schluss kommen sie dann endlich, die Lieder von Elvis Presley, wie „Heartbreak Hotel“ oder Chuck Berrys „Roll over Beethoven“. Und natürlich Kraus’ Evergreen „Sugar Sugar Baby“, samt Hüftschwung. Der ewige Teenagertraum wird bald wieder eine CD veröffentlichen und auf Tournee gehen. Junge komm bald wieder. Im Nachhinein haben die Besucher damit schon den Höhepunkt des Abends erlebt. Doch Maite Kelly, die ihre Show mitten im Publikum beginnt, ist trotzdem sehenswert. Sie nimmt sich Zeit, um einige Besucher zu besingen, danach klettert sie über eine Leiter die Bühne empor. Klasse, so geht Unterhaltung. Das Energiebündel bittet zwischendurch sogar mit einer Prise Ironie um ein Handtuch. „Ich bin nicht Helene Fischer. Ich schwitze.“ Maite Kelly präsentiert tolle Cover-Versionen wie Donna Summers „Hot Stuff“ und eigene Songs wie „Wenn Du Liebe suchst“. Die Mischung stimmt. Am Ende sollte auch der größte Kelly-Skeptiker neidlos anerkennend applaudieren. Meist schreibt man Helene Fischer und Andrea Berg die Auferstehung des deutschen Schlagers zu. Doch es gibt auch männliche Interpreten, die mit ihren CD-Veröffentlichungen mühelos Spitzenplätze erobern. Das Wertheimer Duo „Fantasy“ gehört dazu. Es führte mit „Eine Nacht im Paradies“ und „Freudensprünge“ sogar die Charts an. Gemischt mit modernen Beats verbreiten ihre Lieder wie „Ich brenn’ durch mit Dir“ erst recht ausgelassene Fröhlichkeit unter den 3500 Gästen. Die von den Medien hofierte Vanessa Mai hat es danach schwer, ähnliche Hochgefühle zu erzeugen. Trotzdem wird klar, dass Vanessa Mai mit ihrer neuen CD „Regenbogen“ am Thron der Helene Fischer rütteln will. Zwei neue Lieder stellt sie hieraus vor. „Regenbogen“ und „Ich vermiss dich so“.

x