Pirmasens
Zwei tolle Tage: Das Pfälzerwald-Marathon-Wochenende war facettenreich
Farbenfroh, bunt und einfallsreich – so ist der Auftakt des Pfälzerwald-Marathon-Wochenendes, der Park-Firmenlauf über 4,2 Kilometer ohne Zeitmessung am Freitagabend. Ein Tross von knapp 2200 Läufern erobert mehr oder manchmal auch weniger joggend die Pirmasenser Innenstadt.
„Ich bin überrascht, wie sportlich Pirmasens ist.“ Diese Feststellung trifft Jochen Feickert, Anästhesist im Pirmasenser Krankenhaus, beim Start. Sein Laufbegleiter ist der Malinois-Rüde Myrphi. „Ich warte, bis der Besenwagen kommt. Wir laufen ganz hinten mit“, sagt der Oberarzt, der erst vor kurzem von Koblenz in die Südwestpfalz gezogen ist.
Vor dem Start hat derweil Melanie Faethe alle Hände mit Organisatorischem zu erledigen. Die Profine-Mitarbeiterin ist zurecht stolz darauf, dass das gemeinsame Projekt mit den Auszubildenden auf so viel Resonanz gestoßen ist: 405 Läufer des Pirmasenser Traditionsunternehmens tummeln sich in der Messehalle und warten auf den Startschuss. „Es fühlt sich an wie Vatertag“, schwärmt Lubin Nikolski von der Atmosphäre.
Vier Lehrer am Hugo-Ball-Gymnasium, Michael Brödel, Thomas Schappe, Emma und Anne Meister, halten vor dem Startschuss um 19.30 Uhr Ausschau nach ihren Schülern und Lehrerkollegen. Das Getümmel ist eben groß. Dass Petrus auch noch einen Regenschauer beschert, stört indes niemand. Unter den Läufern ist auch Oberbürgermeister Markus Zwick. Nach der lockeren Runde durch die Innenstadt steigt die After-Run-Party.
Dichtes Gedränge am Start
Der zweite Tag ist der für die sportlich Ambitionierten, die sich den Marathon oder Halbmarathon vorgenommen haben. Es ist aber auch der Tag der Schülerläufe. Dichtes Gedränge und eine Geräuschkulisse wie bei einem Rockkonzert herrscht am Samstagmorgen in der Messehalle. Die Schülerläufe locken insgesamt 850 Kinder an, vorwiegend aus Schulen aus der Stadt und dem Landkreis. Unter ihnen sind auch zwei Drittklässler der Grundschule Ruhbank/Erlenbrunn, Luna Braunert und Emma Mostberger mit ihrer fünfjährigen Schwester Marie. Als ihre Kinder joggen, feuern Uwe Braunert und Daniel Mostberger sie an.
Als die Laufanfänger stolz ihre ersten Medaillen umhängen haben, sind die Marathonis und Halbmarathonis unterwegs. Der Halbmarathon verzeichnet 238 Finisher, 97 Läufer packen den Marathon. Bei den meisten geht es nicht um Rekorde, sondern ums Dabeisein, ums Ankommen. So auch bei der Rodalberin Leila Stein. Die 28-jährige Ärztin am Pirmasenser Krankenhaus meistert ihren ersten Marathon in 5:24:33 Stunden und versichert im Ziel: „Ich bin so glücklich, angekommen zu sein.“ Bruder Julian, 26 Jahre alt, hat seinen ersten Halbmarathon in 2:17:08 Stunden gepackt. „Ich bin froh, anders als meine Schwester keine Schleife um Rodalben gelaufen zu haben“, erzählt der Kardiologe.
Die 72-jährige Annemarie Simon läuft zum zweiten Mal nach 2024 den Halbmarathon. Mit dem Applaus der Zuschauer und einem strahlenden Lächeln kommt die Reifenbergerin nach 2:42:30 Stunden ins Ziel. „Dieses Jahr war’s etwas schwerer für mich“, gesteht sie und nimmt Glückwünsche derer entgegen, die sie „kassiert“ hat.
Streckenänderung wird gelassen aufgenommen
Torsten Cronauer gehört zu den „Wiederholungstätern“, wie der sportliche Leiter des Pfälzerwald-Marathons, Hartmut Kling, scherzt. Der 56-jährige Berufsfeuerwehrmann aus Münchweiler hat bei den bisher 19 Ausgaben der Großveranstaltung bis auf eine Ausnahme immer den Halbmarathon gefinisht. Dass Kling aus „Sicherheitsgründen“, wie er kurz vor dem Start mitteilt, die Streckenführung auf den ersten Kilometern geändert hat, trägt Cronauer wie die meisten anderen Teilnehmer mit Gelassenheit. Wie zu erfahren war, ist eine Rassehundeausstellung im Stadion Spesbach, an dem die Läufer eigentlich vorbeilaufen, der Grund für die Streckenänderung. Cronauer finisht in 2:00:56 Stunden und verpasst ganz knapp sein Ziel, unter zwei Stunden anzukommen. Zum Vergleich: Halbmarathonsieger Johannes Ullrich aus Bad Bergzabern braucht 1:21:28 Stunde. Raphael Brunner vom Endurance-Team des FK Pirmasens wird Zweiter in 1:22:38 Stunde.
Schnellste Frau über 21,1 Kilometer ist die aus Heltersberg stammende Janine Brückner in 1:44:13 Stunde. „Es ist mein erster Lauf seit drei Jahren“, sagt die jetzt in Konstanz wohnende Biologin. Die Marathonsiegerin von 2022, Martina Schuster aus Eppenbrunn, wird Halbmarathon-Zweite von 2025. Die 49-jährige Fitnesstrainerin finisht in 1:48:22 Stunde vor einer gebürtigen Pirmasenserin, der jetzt studienbedingt in Landau lebenden Anastasia Renner. Die Pharmaziestudentin ist bisher nach eigenen Worten „noch nie einen Halbmarathon gelaufen“, und ihre Freude im Ziel ob des Podestplatzes ist daher riesig. Ihre Zeit: 1:51:53 Stunde.
Nicht anders ergeht es dem Marathongewinner, Marko Martin: Ergriffen hält sich der 50-jährige Hauensteiner im Ziel nach 42,195 Kilometern, gespickt mit 600 Höhenmetern, die Hände vors Gesicht. Erst vor wenigen Wochen hat er bei den Senioren-Berglauf-Weltmeisterschaften in Italien M50-Team-Silber geholt. Den Lauf in der Heimat gewinnen zu dürfen, sei „ein absoluter Höhepunkt“ für ihn, betont der Lokalmatador, der 3:06:16 Stunden benötigte. 4:20 Minuten Rückstand hat der Zweitplatzierte, Max Gansen. Der Arzt aus Gummersbach nimmt ein Küsschen seiner Verlobten Sarah Spiller entgegen. Die knackige Steigung am Ende zum Tierheim im Stadtteil Sommerwald habe „wehgetan“, resümiert er.
Lange Steigung tut weh
Ähnlich ergeht es dem Dritten, Luca Mangold. Der Pirmasenser überquert bei seinem Marathon-Debüt nach 3:17:04 Stunden die Ziellinie. „Nach 25 Kilometern ging nicht mehr viel, ich habe mich dann mental durchgebissen“, berichtet der 26-Jährige.
Schnellste Frau im Marathon ist Nadja Kimmel vom TV Eppelheim. Die 26-jährige Heidelbergerin kommt in 3:37:52 Stunden ins Ziel. Die Bundeswehr-Spitzensportlerin ist amtierende Europameisterin im militärischen Fünfkampf und joggt sonst höchstens zehn Kilometer.
Warum sich die Freude von Nina Spiegel über ihren dritten Marathon-Platz in Grenzen hält, erklärt die Schmalenbergerin im Dress des TuS Heltersberg hinterher so: „Ich bin statt 42 verdammte 44 Kilometer gelaufen.“ Die Bankkauffrau mit Marathonerfahrung hatte sich verlaufen.
Insgesamt finishen an beiden Tagen 3461 Läufer einen der Wettkämpfe. „Zwei tolle Tage, tolle Stimmung, tolle Läufe und ein tolles Orgateam. Auch die Stadt Pirmasens kann stolz sein“, zog Cheforganisator Kling sein Fazit. Etwa 120 Helfer waren im Einsatz.
WEITERE ERGEBNISSE
Marathon Männer: 6. Nicolas Scheiwe (ASV Schwanheim) 3:26:58 Stunden, 7. Dirk Eichberger (FC Erlenbach) 3:27:25, 11. Alexander Hoffmann (Stadtwerke Pirmasens) 3:34:25, 12. Tim Sarther (Bruchweiler/Landau Running Company) 3:34:35
Marathon Frauen: 12. Julia Monostori 4:54:14, 14. Leila Stein (beide Krankenhaus Pirmasens) 5:24:33, 18. Elisabeth Gödde (ASB Tagesförderstätte) 6:19:40
Halbmarathon Männer: 5. Waldemar Eisnach (Deichenwandtrail-Team Wilgartswiesen) 1:30:28, 19. Thomas Kissel (SV Obersimten) 1:42:03, 22. Johann Senn (TV Lemberg) 1:42:26, 26. Florian Feith (Stadtwerke Pirmasens) 1:46:15
Halbmarathon Frauen: 7. Sarah Pawusch (SV Ruhbank) 1:56:48, 8. Susanne Meyer (TV Lemberg) 2:01:04, Viktoria Meyer (Hawethon-Team Clausen) 2:08:27