Interview
Zwölf Tenöre klingen am Donnerstag in Zweibrücken spannender als drei
Wie sind Sie eigentlich Mitglied dieses Ensembles geworden?
Im Internet gibt es Job-Börsen für Musiker für den deutschsprachigen oder auch für den englischen Raum, auf denen Produzenten für ihre Shows inserieren können. Daraufhin gibt es, wie man das auch aus dem Fernsehen kennt, ein Casting – also ein Vorsingen. Und so wurde ich nach Köln eingeladenen mit 800 anderen Leuten, aus denen die Besten für die „12 Tenors“ ausgesucht wurden.
Sind Nummern wie „Nessun Dorma“ aus Giacomo Puccinis Oper „Turandot“ ein Muss für ein Ensemble aus zwölf Tenören?
Ja – ganz sicher. Das wird immer gerne gehört, und das erwarten die Leute natürlich von uns. Das ist tatsächlich ein Muss.
Stellen Sie das Programm im Laufe einer Tournee auch um, wenn Sie feststellen, dass bestimmte Lieder nicht wie gehofft beim Publikum ankommen?
Unser künstlerischer Leiter ist da sehr aktiv. Wenn Sachen nicht funktionieren, wird durchaus umgestellt – also gestrichen oder auch nur die Reihenfolge verändert. Man muss da immer hellhörig sein, was bei den Leuten ankommt. Das merkt man aber schon nach den ersten Wochen. Manche Lieder muss man einfach mal ausprobieren. Wir hatten zum Beispiel den Titel „L’amour est bleu“ im Programm, mit dem Vicky Leandros 1967 für Luxemburg beim Grand Prix den vierten Platz ersungen hat. Wenn man das richtig interpretiert und richtig interessant gestaltet, kommt das auch heute noch gut an. Man muss manche Sachen halt einfach mal ausprobieren – und manchmal funktioniert es und manchmal nicht.
Warum müssen es ausgerechnet zwölf Tenöre sein? Früher haben ja mal drei gereicht, um Stadien zu füllen.
Bei uns hat jeder seine Solo-Lieder, bei denen die anderen dann den Backgroundchor bilden. Und mit zwölf Stimmen kann man ja auch ein viel abwechslungsreicheres Programm gestalten. Das klingt mit zwölf Stimmen eben alles spannender als nur mit drei.
Sie haben eine richtige Gesangsausbildung absolviert?
Ja. Ich bin sogar doppelt abgesichert. Zuerst habe ich eine Musical-Ausbildung in Hamburg absolviert. Und dann habe ich noch klassischen Gesang studiert, damit ich mehr Optionen zum Arbeiten habe. Die Musical-Ausbildung möchte ich auf keinen Fall missen, denn da wird viel Wert auf Schauspiel und Tanz gelegt. Beides sind Elemente, die ich für die Bühne als sehr wichtig empfinde. Nur für die wirklich klassischen Stücke braucht man doch noch einmal eine spezielle Ausbildung.
Gibt es Altersgrenzen, ab wann und bis wann man einer der „12 Tenöre“ sein kann?
Eigentlich nicht. Aber der Beruf ist mit einer großen körperlichen Belastung verbunden, der die Kollegen zwischen 30 und 40 eher standhalten als die jüngeren oder älteren. Aber grundsätzlich gibt es bei uns keine Altersgrenze.
Und wie wichtig ist beim Casting das Aussehen?
Es werden Typen werden gesucht. Da kann der Schönling dabei sein, oder auch der eher feminine Typ. So sollen möglichst zwölf unterschiedliche Herren auf der Bühne stehen.
Werden den einzelnen Sängern innerhalb der Gruppe dann auch bestimmte Charaktere zugeschrieben?
Es ist natürlich sehr wichtig, dass man möglichst viele unterschiedliche Charaktere hat. Darauf legen unser künstlerischer Leiter und unser Regisseur auch sehr viel Wert, denn das ergibt neben den unterschiedlichen Stimmfarben auch ein bunteres Bild auf der Bühne. So ist der eine eher für den Pop-Bereich verantwortlich, denn mit einer klassisch ausgebildeten Stimme kann man nicht alles singen, was jemand singen kann, der eine Pop-Stimme hat. Und so ist es auch umgekehrt. Pop-Stimme und klassische Stimme unterscheiden sich doch. Und es ist schon wichtig, dass man in einer solchen Show auf der einen Seite den Spaßfaktor darstellen kann und auf der anderen Seite die Seriosität bestimmter Lieder unterstreicht.
Darf ich davon ausgehen, dass der Spaßfaktor bei Ihnen angesiedelt ist, dass Sie der Comedian der Gruppe sind?
Ja. Das ist auch mein Naturell. Nichts macht mir größere Freude, als Menschen zum Lachen zu bringen.
Sie kommen aus Nürnberg. Woher stammen die anderen elf Tenöre?
Die Castings für unsere Sänger finden meistens in London statt und da sind dann doch sehr viele Nationen vertreten. So wird letztlich ein internationales Ensemble zusammengestellt.
Die „12 Tenöre“ sind eine deutsche Produktion. Warum findet das Casting dann in London statt?
Wir hatten auch schon Castings in Berlin oder Köln. Aber der für das Casting Zuständige im Management ist eben aus London. Und es hat sich auch bewährt, in London zu Casten, da man dort die meisten Leute erreicht.
Aber ihr Hauptbetätigungsfeld ist Deutschland?
Ja. Genau.
Unterscheidet sich da das Publikum, wenn Sie in Berlin auftreten oder in einer kleinen Stadt in der Südwestpfalz?
Oh ja. Gestern Abend waren wir zum Beispiel in Hamburg, und jetzt sind wir in Siegen. Und das ist auf alle Fälle ein Unterschied. Hamburg ist eine Weltstadt, ist weltoffen wie auch Berlin oder München. Siegen ist dagegen allein wegen der Lage ganz anders. Beim Großstadtpublikum ist die Erwartungshaltung eine viel größere weil es natürlich auch viel verwöhnter ist. In einer Kleinstadt ist das Publikum dagegen viel herzlicher. Da entstehen ganz andere Dynamiken, die man in einer Großstadt so nie erleben würde.
Können Sie da ein Beispiel nennen?
Über Pirmasens zum Beispiel hatte ich gehört, dass es die große deutsche Schuhstadt war, wo einst auch die Dasslers versuchten, ihre ersten Schuhe zu verkaufen. Dann habe ich bei einem Auftritt in Pirmasens mal den Spaß gemacht, dass ja einer meiner Kollege mit einer Frau aus dem Publikum in Pirmasens Schuhe kaufen könnte. Das kam großartig an. An solchen Sachen merkt man dann, dass die Dynamik in einer kleineren Stadt eine ganz andere ist, und dass sich die Leute da wirklich freuen, dass wir auch zu ihnen kommen und nicht nur in den Großstädten auftreten.
Andererseits wird in kleineren Städten kulturell oft nur B- oder gar C-Ware geboten, die in größeren Städten beim Publikum gar keine Chance hätte, in kleineren Städten aber, wo das Publikum in Sachen Kultur oft ausgehungert ist und deshalb keine Vergleichsmöglichkeiten hat, begeistert aufgenommen wird.
Das stimmt. Das muss man leider sagen. Unsere Show aber ist überall gleich, ob wir nun in Hamburg auf der Bühne stehen oder in Zweibrücken oder Rockenhausen. Im letzten Jahr zum Beispiel hatten wir in Kopenhagen eine Show, danach waren zwei Tage frei und dann kamen wir nach Kirchheimbolanden. Bis dahin hatte ich in meinem Leben noch niemals etwas von diesem Ort gehört. Wir sind dann dort aufgetreten und alle waren so überrascht. Denn da war eine solch wahnsinnige tolle Stimmung. Es war der krasse Unterschied zu dem eher etwas ruhigeren skandinavischen Publikum. In Kirchheimbolanden haben die Besucher fast die Halle auseinander genommen.
Wie viele Tage sind Sie eigentlich im Jahr unterwegs?
Wenn ich alle zusammenzähle komme ich auf mindestens 160 bis 180 Tage. Aber ich versuche schon, wenn wir in der Nähe meiner Heimatstadt Nürnberg sind, zuhause zu schlafen. Schließlich muss die Post durchgesehen werden, Rechnungen müssen bezahlt werden und so weiter.
Bitte nennen Sie drei Gründe, eines Ihrer Konzerte zu besuchen.
Auf alle Fälle sollte man kommen, wenn man seine Sorgen vergessen will und einen schönen, beschwingten, lustigen, humor- und klangvollen Abend erleben möchte. Ein anderer Grund sind mindestens elf attraktive junge Herren. Und wenn man Musik zum Mitsingen haben möchte, ist man bei uns auch genau richtig.
Die Konzerte
- Mittwoch, 4. März, 20 Uhr, Stadthalle Dillingen (ausverkauft)
- Donnerstag, 5. März, 20 Uhr, Festhalle Zweibrücken (Restkarten)
- Freitag, 6. März, 20 Uhr, Kusel, Fritz-Wunderlich-Halle (ausverkauft)
- Samstag, 25. April, 20 Uhr, Donnersberghalle Rockenhausen.