Pirmasens
Zum Jahresende ist Schluss: Radio Bruckner schließt
Es fällt Geschäftsinhaberin Christel Bruckner sichtlich schwer, das Ende des alteingesessenen Familienbetriebes öffentlich zu verkünden. „Ich kann nur sagen, dass es mir furchtbar leid tut“, äußert sie sich gegenüber der RHEINPFALZ. „Das Erbe meines Schwiegervaters, meines Mannes, gehört in wenigen Monaten der Vergangenheit an. Es war ihr beider Lebenswerk. Für meinen Mann sogar Beruf und Hobby in einem.“
Ursprünglich sollte nach dem plötzlichen Tod des Firmenchefs Werner Bruckner im Jahr 2021 das Geschäft an einen Mitarbeiter übergeben werden. „Der hat uns jetzt aus gesundheitlichen Gründen abgesagt“, so Christel Bruckner. „Obwohl wir und unser Einkaufsverband Euronics intensiv nach einem Nachfolger gesucht haben, wurde niemand gefunden. Und wir haben wirklich wochenlang gesucht.“ Es gab auch Gespräche des Einkaufsverbandes mit anderen Unternehmern, das Geschäft in Pirmasens als Filiale weiterzuführen. Kurzzeitiges Interesse einiger Händler versandete aber wieder.
Mitarbeiter erhalten bis Jahresende ihren Lohn
Als weitere Gründe für die Schließung nannte die Inhaber der Firma den Kostendruck (durch die gestiegenen Strom- und Heizkosten), die allgemeine wirtschaftliche Lage und den Fachkräftemangel. Fehlende Nachwuchskräfte seien letzten Ende der Hauptgrund gewesen. „Man kann eben keine qualifizierten, tüchtige Leute aus dem Ärmel schütteln.“
Noch sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind aktuell bei Radio Bruckner beschäftigt. Ihre Kündigungen seien bereits ausgesprochen. Christel Bruckner: „Wer aber jetzt schon einen neuen Arbeitsplatz findet, der kann sofort wechseln.“ Sollte der Ausverkauf flott voran gehen, sprich alle Ware abverkauft sein, werde das Ladengeschäft früher zugeschlossen. Mitarbeiter, die bis zum Jahresende noch keinen neuen Job gefunden haben, erhalten bis zum 31. Dezember 2023 noch ihren Lohn von der Bruckner GmbH. Bruckner. Am Ende des Jahres 2023 soll endgültig Schluss sein. Dann war Radio Bruckner 78 Jahre lang der Ansprechpartner in Pirmasens für weiße und braune Ware. Mit „weißer Ware“ sind vor allem Küchengeräte gemeint, insbesondere Kühlschränke, Herde, Geschirrspüler, Waschmaschinen und Trockner. Unter brauner Ware wird Unterhaltungselektronik verstanden wie etwa Fernseher, Audio-Anlagen, Computer, Spielekonsolen verstanden.
Spartanisch zur Gründerzeit
Eher spartanisch war die Ausstattung zur Gründungszeit kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges. Karl Bruckner werkelte in der Schützenstraße, oben in den Gauben, wo er seine Werkstatt hatte und mit Radios gebastelt hat. Ersatzteile gab’s in Nürnberg bei Max Grundig, damals ein Bastlergeschäft, wohin Bruckner mit dem Fahrrad geradelt ist. Aus Erzählungen der Eltern weiß Werner Bruckner, dass der Vater die Radios zusammengebaut und ein Freund die Gehäuse gefertigt hat.
Die Einnahmen dienten zum Kauf eines Grundstücks in der Zwingerstraße 12, wo dann ein Geschäftshaus entstand. Es folgte ein Umzug in die Schloßstraße, wo das Geschäft 1951 auf weitaus kleinerer Fläche als heute eröffnet wurde. Neben Radios hielten die Musikschränke, in denen Plattenspieler, Radio und Lautsprecher dabei waren, und eine Schallplattenabteilung Einzug. So wie sich das Fernsehgeschäft entwickelt habe, sei der Umsatz mitgewachsen. Es seien auch immer mehr Produkte hinzugekommen und dies habe dazu geführt, dass immer mehr Räumlichkeiten benötigt wurden. Heutzutage sind Büroräume, Werkstatt und Ausstellungsfläche in vier Häusern untergebracht.
„Mit Worten nicht zu beschreiben“
„Für mich ist diese Schließung schrecklich, weil ich denke, dass die Stadt Pirmasens ein Geschäft wie unseres dringend bräuchte. Ich denke da an die vielen alten Leute in unserer Stadt. Die brauchen doch Hilfe bei technischen Problemen. An wen sollen die sich denn wenden?“, fragt sie. So gebe es momentan ein Problem. bei dem viele Menschen nicht recht klar kommen. Es handelt sich dabei um eine Umstellung der Sender. Bei insgesamt 13 Millionen TV-Kunden bundesweit werden die TV- und Hörfunksender umgestellt. Das Ziel ist es, langfristig einen größeren Gestaltungsspielraum für mehr Leistung und höhere Datenraten zu erhalten. Christel Bruckner: „Es ist mit Worten nicht zu beschreiben, wie viele Anrufe wir in dieser Angelegenheit erhalten. Aber wir müssen die Leute vertrösten auf vier bis sechs Wochen, weil eben Fachkräfte fehlen.“ Die Inhaberin sicherte zu, dass all die angenommenen Kunden-Aufträge auf jeden Fall noch ausgeführt würden.
Sollte sich bis zum Jahresende kein Nachfolger finden, – Bruckner: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ – soll die Immobilie verkauft werden.