Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Zum Geburtstag: Bundestagsabgeordnete Schäfer wird heute 70 Jahre

Anita Schäfer
Anita Schäfer

Seit 1998 sitzt Anita Schäfer für die CDU im Bundestag. Im September tritt sie nicht mehr an. Sie war und ist selbst in ihrer eigenen Partei nie unumstritten. Während die gebürtige Saalstadterin heute ihren 70. Geburtstag feiert, lässt sie bereits ihren politischen Nachlass ordnen.

23 Jahre sind eine lange Zeit. In vielen Politikerleben sogar eine halbe Ewigkeit. Anita Schäfer gehört fast schon zum Inventar des Bundestags. Ihr Schwerpunkt liegt in der Verteidigungspolitik. Zwar saß die CDU-Frau für ihre Fraktion schon im Innenausschuss und kümmerte sich um Fragen rund um den Tourismus, aber die Mitgliedschaft im Verteidigungsausschuss war ihr wichtiger. Nicht zuletzt, weil in ihrem Wahlkreis mit der Bundeswehrkaserne in Zweibrücken und dem US-Flughafen in Ramstein zwei Militärstandorte liegen.

Gegenüber der RHEINPFALZ bezeichnet sie Altkanzler Helmut Kohl als ihr politisches Vorbild. „Das war ein fantastischer Politiker. Sein Wort hatte Gewicht.“ Schäfer hat sich dafür eingesetzt, dass der verstorbene Altkanzler in der Südwestpfalz nicht in Vergessenheit gerät. Nicht ohne Stolz berichtet sie vom deutsch-französischen Helmut-Kohl-Weg bei Eppenbrunn, den sie angeregt und verwirklicht hat.

Von Kohl wird die Anekdote erzählt, dass er Politiker nach dem Preis der Butter fragte. Er wollte so rausfinden, wie nahe seine Abgeordneten am Leben der Bürger waren. Anita Schäfer kennt den Preis der Butter. Nicht nur weil sie durchaus sparsam ist, sondern auch, weil sie trotz der langen Jahre im Parlament im besten Sinne bodenständig geblieben ist. Wer ein Problem hat, kann sich bei ihr melden. Auf Festen hat sie einen Notizblock dabei, um sich Anliegen der Bürger zu notieren und ihnen anschließend nachzugehen.

In Berlin kann man eine andere Anita Schäfer erleben. Eine, die ohne Angst vor politischen Heckenschützen aus den eigenen Reihen auftritt. Die Saalstadterin, die längst in Zweibrücken eine zweite Heimat gefunden hat, gehörte nie zur ersten Reihe der Unionsabgeordneten. Allerdings ist sie denen, die ganz vorne stehen, gut bekannt. Viele von ihnen hat sie (zum Wahlkampf) in die Südwestpfalz geschleppt. Die Liste reicht von der heutigen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen über Friedrich Merz bis hin zu Horst Seehofer. Selbst Kanzlerin Angela Merkel stattete Pirmasens 2016 einen Besuch ab.

Schäfer ist sehr gut über ihren Wahlkreis informiert und ließt die Zeitung schon, während andere noch schlafen. Böse Zungen sagen, sie sei penetrant. Wenn ihr etwas wichtig ist, kann sie den Verantwortlichen auf die Nerven gehen. Vielleicht gelang es ihr so, all die Spitzenpolitiker in ihren Wahlkreis zu karren?

Wer Anita Schäfer dieser Tage begegnet, erlebt eine nachdenkliche Frau, eine, bei der man spürt, wie gern sie Abgeordnete war. „Ich bin dankbar und stolz, dass ich das machen durfte“, sagt sie. Nach persönlichen Schicksalsschlägen in den vergangenen Jahren reifte in ihr wohl die Erkenntnis, dass es Zeit für einen Abschied aus dem Parlament ist. Ihre Partei hat den Pirmasenser Florian Bilic als Nachfolger auserkoren. Sie hatte einen anderen Favoriten.

Anita Schäfer und ihr Verhältnis zu den Parteifunktionären in der Region ist ein eigenes Kapitel. Innerparteilich ist sie umstritten. Vor allem die diversen männlichen CDU-Funktionäre haben ihr das Leben nicht immer leicht gemacht. Bei vielen einfachen Parteimitgliedern ist sie zwar durchaus respektiert, im südwestpfälzischen Parteiestablishment hat sie aber nicht nur Freunde. Viele halten und hielten sich für klüger als die Bäckerstochter aus Saalstadt. Einige wären froh, wenn sie an ihrer Stelle im Bundestag säßen. Aber: Keiner hat es geschafft, Anita Schäfer die Kandidatur um das Direktmandat streitig zu machen. Wer Schäfer unterschätzt, hat schon verloren. „Neid muss man sich erarbeiten“, hat sie mal zur RHEINPFALZ gesagt. Und geschmunzelt.

Die akribische Politikerin hat ihr Handwerkszeug als Mitarbeiterin zweier Unionsabgeordneter gelernt. Akribisch hat sie alles archiviert. Von den Weihnachtsgrüßen bis zu Steno-Mitschriften von Auslandsreisen. Das Archiv der Konrad-Adenauer-Stiftung hat Interesse daran angemeldet. Vielleicht wird mal erforscht, welche Hürden eine Frau aus der Südwestpfalz überwinden musste, um sich so lange im Bundestag zu halten.

Über ihre politischen Verdienste lässt sich streiten. Über Parteigrenzen hinweg gilt aber als sicher, dass es in Zweibrücken keine Kaserne mehr gäbe ohne Schäfer. Für den Ausbau der B10 und der S-Bahn zwischen Zweibrücken und Homburg hat sie sich ebenfalls immer wieder eingesetzt.

Nicht zuletzt der Pandemie geschuldet, gibt es heute keine große Feier zum 70. Geburtstag. Aber Schäfer erweckt nicht den Eindruck, darüber unglücklich zu sein. Sie legt keinen Wert auf Lobeshymnen von Parteifunktionären, denen sie nicht über den Weg traut. „Ich weiß, was ich geleistet habe“, sagt sie. „Ich habe mir das alles erkämpfen müssen.“

x