Ludwigshafen
Kolumne „Wochenspiegel“: Heiß-kalte Geschichten
Bäder (I): Geschlossen
Wie schade: Gefühlt ist der Sommer erst vor einigen Wochen so richtig in Schwung gekommen. Trotzdem endet in den Freibädern in der ersten Septemberwoche bereits die Saison. Im Freibad am Willersinnweiher ist am Mittwoch letzter Badetag, im Bliesbad am Sonntag, 8. September. Das ist übrigens auch in der Nachbarstadt Mannheim der Stichtag fürs Saisonende in den städtischen Freibädern. Sollten die Tagestemperaturen weiterhin bei 30 Grad liegen, dürfte diese Entscheidung vielen Bürgern schwer vermittelbar sein. Und etliche werden ganz sicher mit gepackter Badetasche in der einen und enttäuschten Kindern an der anderen Hand vor den verschlossenen Freibadpforten stehen.
Bäder (II): Erhöht
Jetzt ist es beinahe schon amtlich: Der Sportausschuss hat in dieser Woche im zweiten Anlauf und nach intensiver Debatte zugestimmt, dass die Tickets für die städtischen Bäder teurer werden sollen. Nun muss nur noch der Stadtrat zustimmen, und das ist auch zu erwarten. Das ist für Menschen mit kleinem Geldbeutel bitter. Trotzdem bleibt ein Tag im Frei- oder Hallenbad immer noch ein vergleichsweise günstiges Vergnügen, das sich auch weiterhin viele Menschen leisten können. Die Stadt ist auf die höheren Einnahmen dringend angewiesen. Kostendeckend können Bäder ohnehin nicht betrieben werden. Daher müssen die Eintrittspreise nun den allgemein gestiegenen Kosten angepasst werden. Alles andere wäre nicht verhältnismäßig und der Kommunalaufsicht auch nicht mehr zu vermitteln. Dass die Bäder am Ende geschlossen werden, weil Ludwigshafen kein Geld mehr dafür hat, will hoffentlich keiner riskieren.
Wahlen: Gespannt
Morgen wählen die Thüringer und Sachsen ihre neuen Landtage. Welche Partei am Ende die Korken knallen lassen darf, wird sich zeigen. Die AfD hat vermutlich schon mal ein paar Pullen Sekt kalt gestellt. In den Umfragen liegt sie jeweils vorne. Dass sie regieren wird, ist unwahrscheinlich. Denn keiner will den Rechtspopulisten zur Macht verhelfen. Ob die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin angesichts des zu erwartenden Rechtsrucks am 1. September auf ihren 62. Geburtstag anstoßen wird – schwer zu sagen. Fest steht: Es ist Jutta Steinrucks vorletztes Wiegenfest in ihrer 2025 endenden Amtszeit. Ob die Mitte 2023 aus der SPD ausgetretene Politikerin erneut den Hut in den Ring wirft, ist derzeit ebenso offen wie die Frage, welche Kandidatin oder welchen Kandidaten andere ins Rennen schicken. Bei der Union drängt sich Stadtratsfraktionschef Peter Uebel auf. Entschieden hat er sich nach eigener Aussage bereits. Wofür, also Bewerbung oder Nicht-Bewerbung, hat der 60-Jährige bisher nicht verraten. Heiß gehandelt wird hinter den Kulissen Klaus-Jürgen Blettner (56), frisch in den Stadtrat gewählter Hochschul-Professor und dort CDU-Fraktionsvize – sollte Uebel verzichten. Eine Findungskommission hat das letzte Wort.
Bei der SPD gilt Parteichef David Guthier (34) als Favorit. Angeblich will der junge Landtagsabgeordnete aber nicht. Julia May, Vize-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, die am 2. Oktober 40 wird, könnte in die Bresche springen. Oder Finanzdezernent Andreas Schwarz, Jahrgang 1968. 2015 hatte er ja schon mal in Frankenthal versucht, den OB-Sessel zu erobern, scheiterte aber knapp. Parteikollege Christian Schreider (52) will sein Bundestagsdirektmandat am Tag der OB-Wahl unbedingt verteidigen, SPD-Unterbezirksvorsitzender Gregory Scholz (43) aus Oppau, wie Guthier Mitglied des Landtags, hat dem Vernehmen nach keine Ambitionen.
Immerhin: Christ- und Sozialdemokraten wollen noch in diesem Jahr ihre personellen Karten auf den Tisch legen. Vielleicht warten ja beide ab, wozu die Amtsinhaberin tendiert. Man darf gespannt sein, wer den ersten Stein ins Wasser wirft – und ob auch AfD und BSW, womöglich beflügelt von den Erfolgen bei den Kommunal- und den Landtagswahlen im Osten, ein OB-Ass aus dem Ärmel zaubern.