Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Zu Besuch bei dem ältesten HiFi-Händler in der Südwestpfalz

Helge Schön und seine HiFi-Anlage inklusive Bass- und elektrostatische Hoch-Lautsprecher im Wohnzimmer. Sieht teuer aus, und das
Helge Schön und seine HiFi-Anlage inklusive Bass- und elektrostatische Hoch-Lautsprecher im Wohnzimmer. Sieht teuer aus, und das war sie auch. Dabei ist sie nicht einmal vollständig. Zum Jahresende sollen noch zwei Endstufen hinzukommen.

Mit seinen 82 Jahren gehört Helge Schön zu den ältesten HiFi-Händlern in Pirmasens, wenn er nicht gar der älteste im weiten Umkreis ist. Schön verkauft HiFi-Anlagen inklusive Zubehör. Und natürlich berät er seine Kunden, wie sie Anlage und Lautsprecher grundlegend richtig zusammen- und aufstellen.

Gelernt hat Schön Maschinenbauer, und zwar, nomen est omen, bei der Pirmasenser Firma Schön. 1977 wechselte er nebenberuflich ins HiFi-Geschäft, weil er erstens von der Musik fasziniert war und ist, und weil der Vertrieb dieses Sound-Equipments damals seine Hoch-Zeit erlebte. Als das Geschäft abflaute, tauschte er die Musik wieder gegen seinen alten Job als Maschinenbauer ein und arbeitete seit 1986 bis zur Rente bei den Stadtwerken Saarbrücken. Den Vertrieb der Anlagen, Lautsprecher, Verstärker, Vorverstärker, Endstufen, CD-Player, Digital/Analog-Wandler, Plattenspieler, Phono-Vorverstärker und Netzfilter bewältigte Schön nebenher.

Große Elektromärkte sind keine Konkurrenz

Selbst im Ruhestand hat er damit nicht aufgehört, denn es „gibt immer noch Fans. Die sind heutzutage zwar sehr dünn gesät, aber ich betreibe das Geschäft weiter, weil es mir immer noch sehr viel Spaß macht, und vor allen Dingen will ich meine Stammkunden nicht im Regen stehen lassen“. In der Region finde sich nichts Vergleichbares. Auch in den großen Elektronikgeschäften nicht? „Nein. Die führen die Marken gar nicht, die ich vertreibe. Das sind keine Unternehmungen, die den hohen Aufwand betreiben können, um Musik möglichst naturgetreu wiederzugeben.“

Ausschließlich Privatkunden, die aus Pirmasens und Umgebung stammen, betreut Schön. „Während meiner aktiven Zeit war der Kundenkreis natürlich größer: Pirmasens und Landkreis bis Kaiserslautern und Neustadt. Aus Altersgründen bin ich dann kürzer getreten, aber weitermachen werde ich, solange ich gesund bin.“ Sein HiFi-Studio befindet sich auf dem Kirchberg in der Schlesienstraße 7. Ein Gewerbegebäude im eigentlichen Sinne ist es nicht, sondern ein langgestrecktes ebenerdiges Wohnhaus mit entsprechendem Ladenschild neben der Haustür.

Täglich hört er zwei Stunden Musik

Die Neigung zur Musik und der Wiedergabetechnik habe er schon relativ früh entwickelt. „Das war 1962“, erinnert er sich. Seither ist er den Klängen und Liedtexten verfallen. „Meine Frau ist vor elf Jahren gestorben und seit der Zeit muss ich ganz ehrlich sagen: Die Musik hat mich gerettet. Mindestens zwei Stunden am Tag verbringe ich mit Musikhören. Das hat für mich einen beruhigenden, inspirierenden und, es wird zwar niemand glauben, auch einen gesundheitsfördernden Effekt. Es gibt sehr gute Musik aller Richtungen, da kann man sich wirklich wohlfühlen.“

Er höre sich größtenteils CDs an, weil das für ihn bequemer sei. „Platten meistens dann, wenn es um höchsten Musikgenuss geht. “ An die 400 Platten nennt er sein Eigen und zusätzlich noch 2500 CDs. „Sie können sich umschauen: überall CDs.“

Gutes Material ist das A und O

Dass Musik authentisch klingt, hänge von vielen Faktoren ab, die den Klang beeinflussen: Mechanische Schwingungen, elektromagnetische Felder und natürlich die Wiedergabe-Geräte, erzählt Schön. Auch bei den Kabeln sollte gutes Material das A und O sein. In vielen Fällen seien es aber nicht nur die Elektronik-Komponenten und schon gar nicht die Kabel, die klanglich über Wohl und Wehe entscheiden, sondern eine problematische Raumakustik oder eine suboptimale Aufstellung.

In seinem 40 Quadratmeter großen Wohnzimmer führt Schön der RHEINPFALZ vor, wie Musik quasi lupenrein klingt, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. Links oben auf dem Rack steht ein CD-Spieler, ein Toplader, bei dem man oben den Deckel aufmacht und die CD einlegt. Darunter ein Vorverstärker und ganz unten das Netzteil des Vorverstärkers. Rechts oben ist ein Plattenspieler platziert, darunter ein Phonoverstärker und rechts die Endstufe. Daneben hat Helge Schön links und rechts einen Bass- und je einen elektrostatischen Hoch-Lautsprecher aufgestellt. Elektrostaten strahlen nämlich sowohl nach hinten als auch nach vorne ab, was „normale“ Lautsprecher nicht können. Wegen der Reflexion durch die Rückwand werde das räumliche Klangbild erzeugt. Die zwei Bass-Lautsprecher seien nur schwach eingestellt, wodurch sich ebenfalls die Räumlichkeit erhöhe (Rauminformationen auf dem Tonträger liegen im Bereich unterhalb von 30 Hertz und oberhalb von 20.000 Hertz). Schön: „Manche wollen einen fetten Bass haben, aber das ergibt eigentlich keinen Sinn, weil der die Musik im darüberliegenden Frequenzspektrum stört.“ Seine Anlage habe sich während der vergangenen zehn Jahre weiterentwickelt. „Den Schlusspunkt setze ich am Jahresende, da kommen noch zwei Endstufen dazu.“

Info

Internet: www.hifistudio-schoen.de; Telefon: 06331/41722

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